Offener Brief

Lieber Heinz Rudolf Kunze, ...

Heinz Rudolf Kunze in der ARD-Talkshow ‚maischberger‘ im Studio Berlin Adlershof. Berlin, 11.08.2026 Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress

Lieber Heinz Rudolf Kunze,

so manches Mal würde ich mir wünschen, dass Deutschlands »Kulturschaffende« zumindest dann schweigen würden, wenn Sie in der Sache ahnungslos sind.

Als Jüdin habe ich langsam die Nase gestrichen voll.

Ihr Statement über Dieter Hallervorden bei Maischberger macht mich wütend: »Ich kenne ihn sehr gut. Ich finde es von dem Ministerpräsidenten sehr mutig und toll, dass er einen solchen sprudelnden Querkopf, wie Dieter es nun mal ist, einlädt. Das steht dem Ministerpräsidenten gut zu Gesicht, und es macht den Wahlkampf interessanter. Dieter Hallervorden ist für uns alle ein Riesen-Vorbild.«

Weiter liest man, dass Sie »überhaupt nicht einverstanden mit dem, was Hallervorden zu Gaza und Israel sagt.« Sie finden es sogar ungeheuerlich, »Israel einen Völkermord zu unterstellen.« Aber es sei »doch ein guter demokratischer Brauch, dass man jemanden so etwas sagen lässt auf einer Bühne. Und warum nicht bei einer Partei, wo man nicht damit gerechnet hat?«

Nein, Herr Kunze, es ist kein demokratischer Brauch, Hass auf den einzigen jüdischen Staat zu schüren. Lügen über Israel zu verbreiten.

Nein, es ist kein demokratischer Brauch, Hass auf Juden zu schüren, so wie es Hallervorden mit seinen kruden Aussagen inzwischen seit Jahren tut.

Wenn es um Israel geht, scheint er gar Schaum vorm Mund zu haben.

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Lassen Sie es mich deutlich sagen: Jüdisches Leben in Deutschland ist in Gefahr, in größter Gefahr seit dem Holocaust. Es kann brandgefährlich sein, sich als Jude zu erkennen zu geben.

Wer als Multiplikator antisemitische Reden schwingt, dabei ein Millionenpublikum erreicht, ist Teil des Problems.

Es ist unverantwortlich so etwas abzutun oder zu verharmlosen, Juden müssen den Preis dafür zahlen.

Wenn Dieter Hallervorden »für alle ein Riesenvorbild« ist, dann sind meine Tage in meinem Heimatland gezählt.

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Ich kann nicht fassen, dass gerade Ihnen so ein Spruch so leicht über die Lippen geht.

Dass die CDU so jemanden als Wahlkampf-Testimonial nimmt, ist eine Schande.

Ich wünschte, Sie würden nur einen Tag in meinen Schuhen gehen, ob Sie dann noch so leichtfertig sprechen würden, wage ich zu bezweifeln.

Entsetzte Grüße,
Malca Goldstein-Wolf

Die Autorin ist Aktivistin und lebt in Köln.

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