Meinung

Wir wollen keine Lutheraner werden

Martin Krauß Foto: Stephan Pramme

Das Unbestreitbare vorneweg: Den Reformationstag gibt es und soll es geben, evangelische Christen können ihn als Feiertag begehen. Was mehrere Bundesländer jetzt eingeführt haben und worüber in Niedersachsen heftig gestritten wird, ist nicht die Einführung dieses Festes, sondern die staatliche Übertragung dieser ehrenden Würdigung von Martin Luther auf die gesamte Gesellschaft. Es ist der Unterschied zwischen Erlauben und Zwingen, mit dem wir es zu tun haben.

Zu den nicht ganz unwichtigen Erkenntnissen der Beschäftigung mit Luther im vergangenen Reformationsjahr 2017 gehört, dass das Wissen, was für ein demagogischer Antisemit der gefeierte Kirchenmann war, nicht mehr zu leugnen ist. Nicht einmal Befürworter streiten das ab. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil etwa sagt, ja, das mit dem Judenhass stimme, aber man dürfe doch die Reformation nicht darauf reduzieren.

mehrheitsgesellschaft Würden wir, wenn Luthers Reformation nichts anderes als eine antijüdische Manifestation gewesen wäre, tatsächlich über einen Ehrentag sprechen? Wenn sich eine evangelische Mehrheit in der Gesellschaft die Entscheidung darüber anmaßt, ob Luthers Antisemitismus wirklich so schlimm war (selbstverständlich, nachdem Juden als »Betroffene« gehört wurden), verrät das keinen Respekt vor Minderheiten. Dann kann die Mehrheitsgesellschaft auch Beschneidung und Schächten verbieten und überall Kreuze aufhängen.

Es scheint, dass auch in der Feiertagsdebatte bislang geltende Erkenntnisse verloren gehen, nämlich Respekt für alle. Der Reformationstag soll ein Feiertag bleiben – für diejenigen, die ihn begehen wollen. Andere haben andere Tage, und der Staat sollte ein weltliches Datum zum gesetzlichen Feiertag machen.

Analyse

Israel hat die Wahl

Der jüdische Staat stimmt über eine neue Knesset ab. Alles deutet auf eine Richtungsentscheidung hin

von Guy Katz  26.10.2026

Wilko Möller (AfD), Landtagsabgeordneter in Brandenburg, guckt nachdenklich

Rechtsextremismus

Urteil gegen AfD-Politiker wegen Wahlplakats rechtskräftig

Hat der AfD-Abgeordnete Wilko Möller mit einem »Hitlergruß« auf Plakaten Wahlkampf gemacht? Das Landgericht Frankfurt (Oder) hatte ihn zu einer Geldstrafe verurteilt. Dagegen legte der Politiker Revision ein – vergeblich

 26.10.2026

Leerer Klassenraum (Symbolbild)

Hessen

Strafverfahren gegen Lehrer wegen israelfeindlicher Posts eingestellt

Wegen Instagram-Beiträgen, die als »antisemitisch und israelfeindlich« eingestuft wurden, ist ein Gymnasiallehrer seit einem Jahr vom Dienst suspendiert. Ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Volksverhetzung wurde nun eingestellt

 26.10.2026

Krieg

Selenskyj: Warten fast einen Monat auf Hegseth-Unterschrift

Der Ukraine mangelt es nach eigenen Angaben an Raketen zur Abwehr russischer Angriffe. Nun äußert Präsident Selenskyj Kritik am US-Verteidigungsminister Hegseth

 26.10.2026

Deutschland

Zentralrat der Juden warnt vor möglicher antisemitischer Gewalt bei Protesten am 31. Oktober

In einem Schreiben wird für das Wochenende zu Vorsicht und verschärften Sicherheitsmaßnahmen geraten

 26.10.2026

Regierungsbildung

Berliner SPD plant Mitgliederbefragung über Koalition

Die Basis soll über eine Koalition mit Linken und Grünen mitentscheiden. Das haben die Sozialdemokraten vor.

 26.10.2026

Debatte

Zentralrat der Juden warnt vor AfD in Sachsen-Anhalt und nimmt Linke in Berlin Abkehr von Antisemitismus nicht ab

Präsident Josef Schuster blickt sorgenvoll auf zwei deutsche Bundesländer

 26.10.2026

Berlin

Linke-Kandidat für Neukölln: Recherchen dokumentieren Nähe zu PFLP-Sympathisanten

Ein Dossier der Monitoringgruppe Amit, über das die »Welt« berichtet, dokumentiert mehrere Berührungspunkte des 45-jährigen Rechtsanwalts mit Personen und Veranstaltungen, bei denen Sympathien für die Organisation erkennbar waren.

 26.10.2026

Berlin

Schuster: Nehme der Linken Abkehr von Antisemitismus nicht ab

Der Kampf gegen Judenhass erschwert die Gespräche über Rot-Grün-Rot in Berlin. Eine Erklärung der Linken reicht dem Präsidenten des Zentralrats der Juden nicht

 26.10.2026