Meinung

Wenn der Rabbi geht

Rabbiner kommen, Rabbiner gehen. In Karlsruhe wird Zeev-Wolf Rubins am selben Wochenende willkommen geheißen, an dem in Düsseldorf Julian Chaim Soussan verabschiedet wird. So weit, so gut. Zu beanstanden ist jedoch der Grund, warum Soussan Düsseldorf verlässt. Die Vorkommnisse in den vergangenen Monaten hätten ihn zu dem Schritt getrieben, heißt es etwas nebulös.

Aushängeschild Ein wahrlich schlechtes Signal. Immer wieder gibt es Streit in den Gemeinden, der Rabbiner sei zu konservativ, zu orthodox, würde seine Pflichten vernachlässigen, hätte gar keine gültige Smicha oder sie irgendwo im Hinterzimmer erworben. Die Argumente, seinen Rabbiner loszuwerden, sind vielfältig. Doch in diesem Fall geht es nicht um das Fehlverhalten des Rabbiners. Soussan war gern in Düsseldorf, war anerkannter und angesehener Gesprächspartner der Christen, das Aushängeschild einer modernen flexiblen Orthodoxie in der Landeshauptstadt. So viel Renommee lässt sich eine Gemeinde selten nehmen.

Die Düsseldorfer tut es; warum, das muss sie mit sich ausmachen. Aber sie schwächt das junge, lebendige Judentum, in dem Orthodoxe und Liberale versöhnliche, gemeinsame Wege gehen können. Haben Eigensinn und Machtgier einen Dialog auf Augenhöhe unmöglich gemacht? Und wie muss es denn um eine Gemeinde bestellt sein, die das größte Pfund, das sie hat, gehen lässt? Und nicht irgendeine, sondern eine, die sich rühmt, die drittgrößte in Deutschland zu sein. So wird eingerissen, was in den vergangenen Jahren mühsam aufgebaut wurde: ein selbstverständlich gewordenes starkes Judentum. Leider gibt Düsseldorf ein schlechtes Beispiel ab.

Interview

»Es fehlte am fußballerischen Können, nicht am Glück«

Sportreporter-Legende Marcel Reif über das WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft, Jürgen Klopp und die Zukunft von Julian Nagelsmann als Bundestrainer

von Michael Thaidigsmann  02.07.2026 Aktualisiert

Augsburg

Neue »Initiative Antisemitismuskritik & Theater« gegründet

Rund 60 Theaterschaffende haben in Augsburg ein neues Netzwerk gegen Judenfeindlichkeit ins Leben gerufen. Ihnen geht es etwa darum, antisemitismuskritische künstlerische Werke zu entwickeln. Und sie wollen expandieren

von Christopher Beschnitt  02.07.2026

Protest

Zehntausende Gegner des AfD-Bundesparteitags in Erfurt erwartet

Erfurt hofft auf ein gewaltfreies Wochenende: Zum AfD-Bundesparteitag in der Stadt werden zehntausende Demonstranten erwartet. Kirchen, Parteien und Bündnisse rufen zu friedlichem Protest auf. Die Polizei bereitet sich auf mögliche Störungen vor

von Matthias Thüsing  02.07.2026

Nahost

Iran besteht auf militärische Kontrolle der Straße von Hormus

Die iranische Armee verlangt, dass Schiffe nur die vom Iran festgelegte Route durch die Meerenge nutzt

 02.07.2026

Diplomatie

USA und Iran sollen Fortschritte bei indirekten Gesprächen gemacht haben

Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran erschweren eine Lösung der komplexen Konfliktlage im Nahen Osten. Nach indirekt geführten Gesprächen in Doha melden die Vermittler Fortschritte

 02.07.2026

Meinung

Was Deutschland von Albanien lernen kann

Wer immer noch überrascht tut und nicht konsequenter gegen die Mullahs vorgeht, handelt nicht nur fahrlässig, sondern lädt ihre Killer geradezu ein

von Ralf Balke  02.07.2026

Analyse

Vorteil Putin?

Früh hieß es, Russland sei einer der Profiteure des Iran-Kriegs und die Ukraine ein Verlierer. Doch das greift zu kurz

von Alexander Friedman  02.07.2026

Hintergrund

Wenn Juden- und Israelfeindlichkeit Extremisten aller Couleur vereint

Der Verfassungsschutzbericht 2025 verdeutlicht einmal mehr: Antisemitismus und Antizionismus sind der Bindekitt zwischen ansonsten inkompatiblen extremistischen Strömungen

von Michael Thaidigsmann  01.07.2026

Meinung

Warum Hessens Vorstoß mit der Meinungsfreiheit vereinbar ist

Die Landesregierung will die Leugnung des Existenzrechts Israels unter Strafe stellen. Mit einer veränderten Begründung und anderen leichten Modifikationen wäre der umstrittene Entwurf grundgesetzkonform

von Fiete Kalscheuer  01.07.2026