Vereinte Nationen

»Völlig absurde Situation«

Hillel Neuer, Geschäftsführer von »UN Watch« Foto: privat

Herr Neuer, Sie haben am Montag mit anderen Organisationen vor dem UN-Gebäude in Genf eine Demonstration für Israel veranstaltet. Was war der Anlass?
Diese Woche hat der UN-Menschenrechtsrat getagt. Gleich sieben israelkritische Resolutionen wurden da beraten – ein neuer Rekord. Israel wird ungefähr 20-mal so oft in Entschließungen verurteilt wie Syrien oder der Iran. Das ist eine völlig absurde Situation.

Was sind die Gründe dafür?
Ich sehe ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Viele muslimische Länder betreiben seit Jahrzehnten in den UN-Gremien eine gezielte Kampagne gegen Israel. Dann ist da der übliche Stimmenhandel, nach dem Motto: Stimmst du meinem Projekt zu, stimme ich für deins. Es gibt auch handfeste wirtschaftliche Interessen, Stichwort Öl. Aber es geht um mehr als Realpolitik. Da ist auch etwas Irrationales, das immer wieder dazu führt, dass Israel zum Sündenbock gemacht wird. Selbst die europäischen Länder sind dagegen nicht immun.

Was sollte man tun?
Unsere Aufgabe ist es, immer wieder den Kampf für die Wahrheit zu führen, zuallererst in unseren Heimatländern und auch in den Medien, die leider oft verzerrt berichten, wenn es um Israel geht. Es kann doch nicht sein, dass die UN keine einzige Erklärung zu den Staaten mit den schlimmsten Menschenrechtsverletzungen abgibt. Wir können natürlich immer mit dem Finger auf die muslimischen Länder zeigen, oder auf die Diktaturen. Aber wenn wir es nicht einmal schaffen, die Regierungen in unseren westlichen Demokratien zu überzeugen, wird die Dämonisierung Israels nie aufhören.

Haben Sie Verbündete innerhalb der UN?
Länder wie Australien und Kanada sind prinzipienfest. Auch die Europäer verhalten sich ab und an richtig, nur leider viel zu selten. In der UN-Verwaltung – die eigentlich neutral sein müsste – gibt es hoch qualifizierte Leute. Aber wenn es um den Nahen Osten geht, werden fast immer Personen engagiert, die Israel gegenüber voreingenommen sind, ja, ihm feindselig gegenüberstehen. Da fehlt es eindeutig an Objektivität.

Der Bundestag hat am vergangenen Donnerstag einen FDP-Antrag abgelehnt, der forderte, das deutsche Verhalten bei UN-Voten in Bezug auf Israel zu ändern.
Das bedauere ich sehr. Es gibt mutige Leute in Deutschland, nicht nur in der FDP. Leider konnten sie sich nicht durchsetzen.

Bringt es etwas, sich in dieser Frage bei den Vereinten Nationen zu engagieren?
Wir von »UN Watch« ergreifen regelmäßig das Wort im Menschenrechtsrat, übrigens nicht nur beim Thema Israel. Wir ermöglichen auch Menschen aus der ganzen Welt, die Opfer von Diktatur und Unterdrückung geworden sind, vor den Vereinten Nationen ihre Geschichte zu erzählen. Es braucht hier eine Stimme der Vernunft.

Mit dem Geschäftsführer von »UN Watch« sprach Michael Thaidigsmann.

Kommentar

»Wir sind keine Juden«: Die hässliche Fratze der französischen Krawalle

Es zeigt sich eine Querfront der Aggression, bei der sozialer Frust, postkolonialer Opfermythos und tiefsitzender Judenhass verschmelzen

von Ute Cohen  19.10.2026

Analyse

Hält Israels Brandmauer zur AfD?

Die deutsche Rechtsaußen-Partei wird von der israelischen Regierung boykottiert. Ein prominenter AfD-Politiker versucht nun, das zu ändern

von Joshua Schultheis  18.10.2026

JU-Deutschlandtag

Brandmauer nach links: Union attackiert Rot-Grün-Rot

Die Vorbereitung eines Linksbündnisses in Berlin wird von CDU und CSU scharf kritisiert. Auf dem Deutschlandtag der Jungen Union werden konkrete Konsequenzen gefordert - auch die nach einer neuen Brandmauer

 18.10.2026

Grüne

Banaszak: Rot-Grün-Rot braucht klare Absprachen vor Start

Grünen-Chef Felix Banaszak sieht Risiken für das geplante Bündnis aus Linken, Grünen und SPD in Berlin. Er warnt vor ungelösten Problemen

 18.10.2026

Meinung

Flugabwehr bei VW? Aber ja!

Volkswagen, Rafael und die deutsch-israelische Rüstungskooperation

von Jan-Philipp Hein  18.10.2026

JU-Deutschlandtag

Söder fordert Brandmauer nach links

Der Begriff Brandmauer wurde in der Union bisher vor allem für die Abgrenzung nach rechts verwendet. CSU-Chef meint, sie sollte jetzt eher an anderer Stelle eingezogen werden

 18.10.2026

IWF-Tagung

KfW-Chef: »Demokratie ist ein harter Standortfaktor«

Auch aus der Finanzwelt kommen nach den Wahlerfolgen der AfD für Deutschland ungewohnte Fragen: Ist der Standort noch so verlässlich wie bekannt? Für Investitionsentscheidungen kann das wichtig sein

 18.10.2026

Iran-Krieg

Irans Parlament stimmt für neuen Verteidigungsminister

Das Verteidigungsministerium im Iran wurde mehr als ein halbes Jahr kommissarisch geleitet. Nun übernimmt ein erfahrener Funktionär aus der Rüstungsbranche das Amt

 18.10.2026

Leitantrag für Parteitag

CSU-Parteitag: Klare Kante gegen AfD und Linkspartei

Kommende Woche steht bei der CSU ein großer Parteitag an. Als Gast wird Kanzler Merz erwartet. Inhaltlich setzt die Partei auf neue Geschlossenheit durch die Benennung klarer Feindbilder

 18.10.2026