Einspruch

Versöhnte Verschiedenheit

Micha Brumlik Foto: dpa

Einspruch

Versöhnte Verschiedenheit

Micha Brumlik erklärt, warum er als Jude am Evangelischen Kirchentag mitwirkt

von Micha Brumlik  29.04.2013 18:03 Uhr

Ich nehme am Evangelischen Kirchentag in Hamburg teil. Dieses alle zwei Jahre stattfindende Treffen ist mit etwa 100.000 Besuchern und Mitwirkenden die größte Zusammenkunft evangelischer Christen. Was ein Jude dort tut? Mit einem Pastor deute ich in einer Hamburger Messehalle gemeinsam die Bibel. Und dazu noch nicht einmal ein Stück aus dem Tanach, der Hebräischen Bibel, sondern aus dem Neuen Testament.

Das christlich-jüdische Gespräch fand in der Bundesrepublik von Anfang an statt, zunächst, um dem Antijudaismus und Antisemitismus, wie er auch von den Kirchen mehr oder minder subtil verbreitet wurde, etwas entgegenzusetzen. Dann aber ging es darum, den Glauben der jeweils anderen Seite besser kennenzulernen, Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu verstehen.

Leo baeck Es war immerhin Rabbiner Leo Baeck, der letzte Repräsentant des klassischen deutschen Judentums, der es wagte, 1938 in Deutschland ein Buch unter dem Titel Das Evangelium als Urkunde der jüdischen Glaubensgeschichte zu publizieren. Leo Baeck hatte recht: Das, was als Neues Testament gilt, wurde zur römischen Kaiserzeit zunächst von Juden für Juden, dann auch für andere geschrieben, aber vor allem: Die ersten Christen waren gar keine Christen, sondern Juden, die der Meinung waren, dass der von den Römern hingerichtete Jesus von Nazareth ihr Moschiach war.

Juden und evangelische Christen trennt vieles, verbindet aber auch Wesentliches, vor allem ein – wenn auch unterschiedlich gedeutetes – Buch: die Hebräische Bibel. Diese Gemeinsamkeit schafft eine Intimität, die im Laufe der letzten 2000 Jahre zu einer eifersüchtigen Nähe geführt hat, bei der meist die Juden das Nachsehen hatten.

Warum ich also am Kirchentag teilnehme? Um jenen Prozess versöhnter Verschiedenheit, der inzwischen auf vielen Feldern zwischen Juden und evangelischen Christen erreicht wurde, zu sichern. Vor allem aber, um mein Judentum im Lichte der anderen besser zu verstehen.

Der Autor ist Erziehungswissenschaftler und Publizist.

Bundesrat

Länder: Aufrufe zur Vernichtung Israels sollen strafbar werden

Der Bundesrat hat am Freitag einen Vorschlag Hessens gebilligt, wonach die öffentliche Leugnung des Existenzrechts Israels bestraft werden soll. Ob ihn die Bundesregierung aufgreift, ist noch unklar

von Michael Thaidigsmann  10.07.2026

Warschau

Vor 85 Jahren wurden die Juden von Jedwabne ermordet

Ein Massaker 1941 belastet das Verhältnis von Juden und Polen: Anstifter waren Deutsche, doch die Täter waren Polen. Ein Ex-Präsident hat zu dem Gedenktag eine klare Botschaft

 10.07.2026

Ramallah

Abbas kündigt Wahlen an

Der Chef der Palästinensischen Autonomiebehörde legt den 28. November als Termin für die Neuwahl des Parlaments fest, 2027 soll auch über die Präsidentschaft neu abgestimmt werden.

 10.07.2026

Großbritannien

»Wir haben das nicht richtig gemacht«

Andy Burnham, designierter Nachfolger von Keir Starmer als Labour-Chef und Premierminister, kündigt eine Kurskorrektur in der britischen Nahostpolitik an

von Michael Thaidigsmann  10.07.2026

Hamburg/Haifa

Netanjahu bremst Milliarden-Fusion von Hapag Lloyd und Zim

Hapag-Lloyd würde die israelische Reederei gerne übernehmen. Doch der israelische Ministerpräsident hat Sicherheitsbedenken

 10.07.2026

Hamburg

Ein Jahr nach Beginn des Block-Prozesses kein Ende in Sicht

Am 11. Juli 2025 startete am Landgericht der spektakuläre Prozess um die Entführung der Block-Kinder. 63 Verhandlungstage gab es seither. Was ist noch offen?

 10.07.2026

Tirana

Albaniens Premier gibt Millionen für Kanye-Konzert aus

Ein geplanter staatlich geförderter Auftritt spaltet das Land – und verstärkt die ohnehin seit langem wachsende Kritik an Ministerpräsident Rama. Die jüdische Gemeinde will eine Absage

 10.07.2026

New York

Bericht: Israel warnte USA vor neuem iranischem Anschlagsplan gegen Trump

Seit der Tötung des iranischen Generals Qassem Soleimani Anfang 2020 droht der Iran Trump mit Vergeltung

 10.07.2026

Islamabad/Doha

Vermittler wollen Atomgespräche zwischen USA und Iran retten

Pakistan, Katar und andere Staaten bemühen sich laut einem amerikanischen Pressebericht, die jüngste Eskalation einzudämmen

 10.07.2026