Meinung

Urania: Israelhass zur Untermiete

Wer den Nahen Osten befrieden will, dem stehen vermeintlich viele Wege offen. »Informierte Kaufentscheidungen« im Supermarkt sind populär, ebenso wie Besuche bei Demos und Vorträgen. Aktuell bietet sich aber auch eine Veranstaltung in Berlin an, wo demnächst nicht nur Frieden, sondern gar »Frieden auf Basis von Gerechtigkeit« für Palästina geschaffen werden soll. Und zwar gemeinsam mit der Kulturabteilung der iranischen Botschaft in Deutschland, die unter diesem Motto am 16. August zu einem Symposium in der Berliner Urania lädt.

Denn schließlich leide Palästina laut Programmheft »seit fast sieben Jahrzehnten unter einer völkerrechtswidrigen Besatzung« – also seit dem Bestehen Israels. Entsprechend gestaltet sich auch die Riege der Referenten. Da wäre etwa Yavuz Özoguz, Betreiber des Onlineportals »Muslim-Markt«, wo sich die Elite der angewandten »Israelkritik« trifft, genauso wie die Sachbuchautorin Petra Wild, die gerne mal von der »Überwindung der rassistischen zionistischen Ideologie« im Sinne einer Einstaatenlösung (»Entzionisierung«) spricht. Ebenfalls mit von der Partie: Raif Hussein, Vorsitzender der deutsch-palästinensischen Gemeinschaft, deren Verlautbarungen sich nur in Nuancen von den Tönen der restlichen Redner unterscheiden.

bühne Ein Schauspiel, das eigentlich schon bizarr genug ist. Wäre da nicht noch die Bühne, auf der es stattfindet. Denn die 1888 gegründete Urania, die von einem gemeinnützigen Verein getragen und auch durch Vermietungen finanziert wird, ist im Grunde als renommierte Institution bekannt. Dass sie nun, ebenso wie schon im Jahr 2006, Räume an die iranische Botschaft vermietet, wirft allerdings moralische Fragen auf. Auch Kunden kann man sich aussuchen. Muss es also unbedingt ein menschenverachtendes Regime sein, das unter einem »gerechten Frieden« die Vernichtung Israels versteht? Offenbar.

Allerdings sollte sich die Leitung der Urania im Klaren darüber sein, dass sie damit nicht nur antisemitischer Propaganda eine Plattform bietet. Zugleich verhilft sie auch dem iranischen Regime zu mehr Prestige, wertet es geradezu auf – denn letztlich ist die Urania durchaus eine angesehene Institution. Aber nun eben auch eine Institution, die anscheinend beide Augen zudrückt, solange Hass auf Israel mit den Etiketten »Kritik« und »Kultur« versehen ist.

Die Autorin ist Politikwissenschaftlerin und freie Journalistin.

Schweiz

Gewalt-Demo gegen Israel in Basel verboten

Die Polizei hält die geplante Anti-Israel-Demo, bei der die Organisatoren »Tod dem Zionismus« wünschen, für nicht bewilligungsfähig

von Nicole Dreyfus  26.08.2026

RIAS-Jahresbericht

Mehr antisemitische Vorfälle in Thüringen

Gewaltandrohungen und Angriffe gab es vor allem im öffentlichen Raum

 26.08.2026

Kiel

Schleswig-Holstein setzt Zeichen gegen Antisemitismus

Jüdinnen und Juden im nördlichsten Bundesland sind verunsichert. Die Landesregierung beschließt nun einen Aktionsplan gegen Judenhass

 26.08.2026

Interview

»Der politische Islam will die Gesetze im Sinne der Scharia verändern«

Der Investigativjournalist Sascha Adamek über die stetige islamistische Unterwanderung der Gesellschaft

von Ninve Ermagan  26.08.2026

Kommentar

Die verlorene Mitte

Beim Betrachten des Wahlkampfs zu den Landtagswahlen im Herbst muss man feststellen: Judenhass ist in Deutschland längst kein Ausschlusskriterium mehr für die Parteien der sogenannten politischen Mitte

von Benjamin Graumann  26.08.2026

Exklusiv-Interview

»Anders als Hitler ist die AfD nicht kriegslüstern«

Der Historiker und Bestsellerautor Götz Aly über die Radikalisierung des NS-Regimes, Vergleiche zwischen dem Ende der Weimarer Republik mit der heutigen Zeit und die Sinnhaftigkeit eines AfD-Verbots

von Michael Thaidigsmann  25.08.2026

Parteien

Umfrage: So denken die Deutschen über die AfD

Brandmauer? Parteiverbot? Das Insa-Institut hat nachgefragt

 25.08.2026

Washington D.C./Teheran

Iran soll Kopfgeld auf Barron Trump ausgesetzt haben

Unter dem Titel »Wo kann man Barron Trump töten?« widmete das iranische Staatsfernsehen dem 20-Jährigen einen dreiminütigen Beitrag

 25.08.2026

Frankreich

Raphaël Glucksmann will Präsident werden – und spaltet die Linke

Der jüdische Europaabgeordnete stammt aus einer politisch und intellektuell geprägten Familie

 25.08.2026