Nahost

Unterschiedliche Erwartungen an Kriegsdauer: Israel blickt skeptisch auf Trumps Signale

Im Pentagon in Arlington (Virginia) werden offenbar andere Erwartungen gehegt, als in Jerusalem. Foto: picture alliance / REUTERS

Während die militärische Zusammenarbeit zwischen Israel und den USA im Krieg gegen das iranische Regime weiterhin eng ist, wächst in Jerusalem die Aufmerksamkeit für mögliche Unterschiede bei der Frage, wie lange der Konflikt dauern soll. Hintergrund sind jüngste Äußerungen von US-Präsident Donald Trump, die darauf hindeuten, dass Washington über ein baldiges Ende der Kämpfe nachdenkt. Mehrere israelische Publikationen berichteten.

Nach Einschätzung israelischer Regierungsvertreter könnte Trumps Verständnis eines Sieges über das iranische Regime nicht vollständig mit den Erwartungen Israels übereinstimmen. Ein ranghoher israelischer Vertreter erklärte, dies bedeute zwar nicht zwangsläufig eine große strategische Kluft zwischen beiden Ländern. Dennoch hätten die Aussagen des Präsidenten Zweifel geweckt, ob Washington bereit wäre, die militärische Kampagne früher zu beenden, als Israel es für sinnvoll hält.

Vor diesem Hintergrund prüft die israelische Führung offenbar Szenarien, in denen die USA auf ein rasches Ende der Operation drängen könnten. In einem solchen Fall könnte Israel versuchen, die verbleibende Zeit zu nutzen, um seine Angriffe auf Militär- und Regime-Ziele zu intensivieren.

Verschiedene Prioritäten

Gleichzeitig betonen israelische Sicherheitskreise, dass sich diese Sorge bislang nicht in der praktischen militärischen Zusammenarbeit widerspiegelt. Koordination, Zielauswahl und strategische Planung zwischen den Streitkräften beider Länder liefen weiterhin unverändert.

»Alles läuft wie gewohnt – Koordination, Zielauswahl und die gesamte Strategie«, sagte ein hochrangiger Militärvertreter gegenüber »Ynet«. »Es gibt keine Hinweise darauf, dass die Vereinigten Staaten kurzfristig aussteigen wollen.«

Im militärischen Vorgehen zeigen sich allerdings unterschiedliche Prioritäten. Israel verweist darauf, dass im Kampf gegen Irans ballistische Raketen bereits erhebliche Fortschritte erzielt worden seien, auch wenn weiterhin zahlreiche Ziele existieren.

Mehr Drohnen als Raketen

Amerikanische Angriffe konzentrieren sich nach Angaben von mit den Planungen vertrauten Quellen stärker auf iranische Drohnenkapazitäten – insbesondere auf Produktions- und Startanlagen. Diese Systeme nutzt Teheran regelmäßig für Angriffe auf Staaten am Persischen Golf.

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Statistiken aus mehreren Golfstaaten deuten darauf hin, dass die Zahl der von Iran abgefeuerten Raketen inzwischen deutlich zurückgegangen ist, während Drohnenangriffe weiterhin relativ häufig vorkommen.

Auch in den USA gibt es offenbar Bedenken über die weitere Entwicklung des Konflikts. Regierungsvertreter im Weißen Haus befürchten laut Berichten amerikanischer Medien, Israel könnte an einer Fortsetzung der Angriffe interessiert sein, selbst wenn Washington einen Abschluss der Operation anstrebt.

Erhöhung des Drucks

Demnach beobachtet die US-Regierung aufmerksam, dass Israel neben militärischen Einrichtungen zunehmend auch andere strategische Ziele angreift, darunter Bereiche der iranischen Ölindustrie. Einige amerikanische Beobachter interpretieren dies als Versuch, den Druck auf das Regime in Teheran so weit zu erhöhen, dass ein politischer Umbruch ausgelöst wird.

In Israel selbst hat sich die Stimmung in den vergangenen Tagen merklich verändert. Während zu Beginn der Operation »Roaring Lion« noch Optimismus herrschte, dass das iranische Regime ins Wanken geraten könnte, überwiegt inzwischen eine vorsichtigere Einschätzung.

Regierungsvertreter räumen ein, dass die Führung in Teheran bislang stabil wirkt. Gleichzeitig betonen sie, dass die militärische Kampagne Irans Fähigkeiten erheblich geschwächt habe – sowohl im Raketenprogramm als auch bei anderen strategischen Kapazitäten.

Schwer vorhersagbar

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu formulierte das Ziel dennoch weiter in politischer Hinsicht: »Wir streben danach, dem iranischen Volk zu ermöglichen, das Joch der Tyrannei abzuschütteln. Letztlich hängt das von ihnen selbst ab.«

Israelische Sicherheitskreise rechnen derzeit damit, dass der Krieg noch einige Zeit andauern wird. Interne Einschätzungen gehen davon aus, dass die militärischen Operationen noch etwa zwei Wochen fortgesetzt werden könnten – auch wenn der Verlauf eines Krieges grundsätzlich schwer vorherzusagen sei.

Fest steht aus Sicht vieler Beobachter jedoch eines: Die endgültige Entscheidung über Zeitpunkt und Bedingungen eines Endes der Kämpfe liegt letztlich in Washington. im

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