Meinung

Und noch ein Boykott

Sprache verrät mitunter mehr über Sprecher, als diese wollen: Eine internationale Israel-Boykott-Kampagne kürzt sich BDS ab und schreibt das auf ihrer deutschen Website sehr verquast aus: »Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen für Palästina«. Was die Aktivisten wollen, formulieren sie in sehr schlichten Worten: Sie bekämpfen »die menschen- und völkerrechtswidrige Apartheid- und Unterdrückungspolitik der israelischen Regierung gegen die palästinensische Bevölkerung«. Auf der Internationalen Tourismusbörse, die derzeit in Berlin stattfindet, versuche der jüdische Staat, »die internationale Öffentlichkeit von der israelischen Kolonial-, Apartheid- und Besatzungspolitik abzulenken«.

Das ist die Sprache einer Sekte. Weil die Autoren nicht auf genügend Fakten zählen können, die ihre Sicht auf Israel und die palästinensischen Gebiete wirklich belegen, stimmen sie ein paranoides Tremolo an: Ihnen kommt das Wort »Apartheidpolitik« nicht unterdrückerisch genug vor, also muss es noch um »Unterdrückungs- politik« gesteigert werden, die – anders offenbar als andere Apartheid – nicht nur »menschenrechts-« sondern auch »völkerrechtswidrig« ist. Und damit die These wirklich festgenagelt wird, schiebt man noch eine »Kolonial-« und »Besatzungspolitik« hinterher! Sitzt, passt, wackelt und hätte sogar noch Luft für einen Nazivergleich.

Produkte Auch für Menschen, die den Anliegen der BDS-Aktivisten nicht ganz fernstehen, etwa wenn es um mehr Rechte für Palästinenser oder um die Kritik an der Siedlungspolitik geht, gilt: Was bei BDS verzapft und praktiziert wird, ist weniger tolerabel als ein noch so unverhältnismäßiger Militäreinsatz der Zahal. BDS-Mahnwachen vor Supermärkten etwa spielen bewusst mit der historischen Assoziation des »Kauft nicht bei Juden!«. Und die immer wieder in BDS-Erklärungen auftauchende Rede von »israelischen Produkten«, die boykottiert werden sollen, dementiert jede gewundene Formulierung, es ginge doch nur um Produkte aus genau definierten Herkunftsregionen.

Man könnte über Kennzeichnungspflicht von Waren sprechen, wie es die EU mitunter tut und wie es derzeit die östereichischen Sozialdemokraten sogar fordern – wenn, ja wenn nicht diese Kampagne, wie jede andere bislang bekannte, so eindeutig antiisraelisch wäre. Von solchen Leuten muss man sich einfach distanzieren.

Brüssel

Pride Parade nimmt Auflagen für jüdische Teilnehmer zurück

Eine Gruppe war mitgeteilt worden, ihre Mitglieder dürften weder Davidsterne noch das Wort »jüdisch« auf Bannern oder Symbolen zeigen

 12.05.2026

New York

Festnahmen bei Zusammenstößen vor Synagoge in Brooklyn

Israelfeindliche Demonstranten skandieren »Palästina gehört nur uns« und »Fuck Israel«. Es kommt zu Rangeleien mit Gegendemonstranten

 12.05.2026

Meinung

Wer definiert das Judentum?

Die Theologische Fakultät der Universität Freiburg im Üechtland verleiht dem messianischen Rabbiner Mark S. Kinzer die Ehrendoktorwürde. Das belastet das jüdische Verhältnis zu einem katholischen Partner

von Zsolt Balkanyi-Guery  12.05.2026

Nahost

Bericht: Vereinigte Arabische Emirate griffen den Iran heimlich an

Eine der Attacken soll Anfang April ein großes Feuer auf einer Raffinerie auf der iranischen Insel Lavan verursacht haben

 12.05.2026

Washington D.C.

Trump erwägt neue Militärschläge gegen Iran

Der US-Präsident bezeichnete die Antwort Teherans auf seinen jüngsten Vorschlag für eine dauerhafte Waffenruhe als »Müll«

 12.05.2026

Essay

Warum ich Zionist bin

Heute ist Zionismus für viele ein Schimpfwort und gleichbedeutend mit Rassismus. Da muss eine Verwechslung vorliegen. Antizionismus ist Rassismus. Der Zionismus ist die selbstverständlichste Antwort auf zweitausend Jahre Verfolgung, Vertreibung und Völkermord

von Mathias Döpfner  12.05.2026

Berlin

Mehr Straftaten gegen Gedenkstätten im vergangenen Jahr

Sachbeschädigung, Volksverhetzung, Diebstahl, Hausfriedensbruch: Die Zahl der Straftaten in und gegen Gedenkstätten ist im vergangenen Jahr gestiegen

 11.05.2026

Brüssel

EU beschließt Sanktionen gegen Israel

Die Europäische Union hat eine politische Einigung für Strafmaßnahmen gegen israelische Siedler erzielt

von Michael Thaidigsmann  11.05.2026 Aktualisiert

Stuttgart/Ulm

Antrags-Scharmützel im Prozess um Angriff auf israelische Rüstungsfirma

Die Verteidigung geht im Prozess um den Angriff auf das Unternehmen Elbit weiter auf Konfrontation zur Richterin. Die Verlesung der Anklage lässt auf sich warten

 11.05.2026