Washington D.C.

Trump: Iran »bettelt« um Abkommen

Präsident Donald Trump mit Verteidigungsminister Pete Hegseth während einer Kabinettssitzung am Donnerstag (Ortszeit) Foto: picture alliance / Sipa USA

US-Präsident Donald Trump hat den Iran mit ungewöhnlich scharfen Worten unter Druck gesetzt und zugleich betont, dass Washington in möglichen Verhandlungen die Oberhand habe. Bei einer Kabinettssitzung im Weißen Haus erklärte er, Teheran dränge auf eine Einigung.

»Sie betteln darum, ein Abkommen zu schließen. Nicht ich. Sie betteln darum«, sagte Trump. Zur Begründung fügte er hinzu: »Der Grund, warum sie eine Vereinbarung wollen, ist, dass sie völlig fertiggemacht wurden.«

Zugleich wies er Berichte zurück, wonach die USA selbst unter Zeitdruck stünden. »Ich habe heute gelesen, dass ich verzweifelt sei, ein Abkommen zu erreichen«, erklärte der Präsident. »Ich bin das Gegenteil von verzweifelt. Es ist mir egal.«

15-Punkte-Plan als Grundlage

Aus dem Umfeld der Regierung wurde bekannt, dass Washington dem Iran einen detaillierten Vorschlag vorgelegt hat. Der Sondergesandte für den Nahen Osten, Steve Witkoff, bestätigte, es handle sich um eine Liste mit 15 Punkten, die als Grundlage für ein mögliches Abkommen dienen soll.

Ziel sei es, den Iran zu einer Kehrtwende zu bewegen. Es gehe darum, »den Iran davon zu überzeugen, dass dies ein Wendepunkt ist und es für ihn keine guten Alternativen außer weiterer Zerstörung und mehr Toten gibt«, sagte Witkoff.

Teheran hat den Vorschlag öffentlich bereits zurückgewiesen.

Lesen Sie auch

Parallel zu den diplomatischen Signalen setzt die US-Regierung weiter auf Druck. Trump hatte dem Iran ursprünglich mit Angriffen auf Energieanlagen gedroht, sollte es keine Bewegung geben. Diese Drohung setzte er nun vorläufig aus.

In einem Beitrag in sozialen Netzwerken kündigte der Präsident an, die Phase möglicher Angriffe auf Energieinfrastruktur bis zum 6. April auszusetzen. Die Gespräche bezeichnete er zuvor als »gut und produktiv«.

Während der Sitzung stellten sich mehrere Minister demonstrativ hinter den Präsidenten. Verteidigungsminister Pete Hegseth sprach von einer historischen Entscheidung: »Das ist Stoff für die Geschichtsbücher. Herr Präsident, Sie handeln jetzt, um sicherzustellen, dass künftige Generationen nicht unter der Bedrohung eines atomar bewaffneten Iran leben müssen.«

Wirtschaftliche Folgen

Auch Witkoff lobte den Kurs der Regierung und erklärte: »Die Politik des Friedens durch Stärke ist hier das wirksamste Instrument für eine diplomatische Lösung.«

Ungeachtet der optimistischen Darstellung im Weißen Haus zeigen sich wirtschaftliche Folgen des Konflikts bereits deutlich. Der Ölpreis legte zuletzt spürbar zu, auch die Benzinpreise in den USA sind seit Beginn der Kämpfe merklich gestiegen. Trump versuchte jedoch, die Auswirkungen herunterzuspielen und betonte, die amerikanische Wirtschaft bleibe stabil. im

Essay

Fallstricke des Wokeismus

Gegenerzählungen zur westlichen Kolonialgeschichte bilden ein berechtigtes Korrektiv, aber was über Israel verbreitet wird, bedarf grundlegender Korrekturen

von Richard Blättel  20.06.2026

Nahost

Wie der Konflikt im Libanon den US-Deal mit Iran gefährdet

Der Gesprächsbeginn zwischen Washington und Teheran in der Schweiz lässt auf sich warten. Derweil spitzt sich die Lage zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon zu. Es gibt Tote auf beiden Seiten

von Hans Dahne, Christoph Meyer, Mathis Richtmann  19.06.2026

Kommentar

Wie Holger Friedrich und seine »Berliner Zeitung« Juden instrumentalisieren

Ob in der Debatte über den Umgang mit KI oder Kreml-Diktator Wladimir Putin: Der Verleger interessiert sich nur dann für Juden, wenn es seinen Interessen dient

von Matthias Meisner  19.06.2026

Berlin

Nouripour zu Iran-Rahmenabkommen: »Weg in Normalität für Regime«

Ist das Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran ein Weg in den Frieden? Bundestagsvizepräsident Nouripour bezweifelt das. Die Übereinkunft gebe dem Iran vielmehr »eine andere Legitimität«

 19.06.2026

Bayreuth

Bayreuther Gedenkveranstaltung mit Michel Friedman soll nun doch stattfinden

Eine Gedenkveranstaltung zum Bayreuther Festspieljubiläum wird geplant, dann abgesagt. Michel Friedman und Charlotte Knobloch zeigen sich entsetzt – jetzt rudert das weltbekannte Opernfestival zurück

 19.06.2026

Washington D.C.

Republikaner kritisieren Trumps Iran-Abkommen ungewöhnlich scharf

»Die Geschichte zeigt, dass es eine außergewöhnlich schlechte Idee ist, Milliarden Dollar an theokratische Verrückte zu geben, die uns ermorden wollen«, sagt Senator Ted Cruz

 19.06.2026

Wahlkampf in Israel

Trump signalisiert Unterstützung für Netanjahu

»Ich werde mir ansehen müssen, wer kandidiert, aber ich mag Bibi sehr«, sagt der amerikanische Präsident

 19.06.2026

Genf

Absage aus Bern: Heute keine USA-Iran-Gespräche

Abkommen unterzeichnet, Treffen abgesagt: Die geplante Gesprächsrunde in der Schweiz findet heute doch nicht statt

 19.06.2026

Bayreuth

Scharfe Kritik nach abgesagter Gedenkveranstaltung

Eine Gedenkveranstaltung zum Festspieljubiläum wird geplant, dann abgesagt. Charlotte Knobloch ist entsetzt über die Bayreuther Festspiele

 19.06.2026