Sportfest

Team und Geist

Medaillensegen: Die Sportler aus Deutschland sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Foto: Rafael Herlich

Sonntagmittag, Beachvolleyballplatz am Wiener Hakoah-Gelände. Die Sonne brennt, es sind mehr als 30 Grad im Schatten. Die US-Herren spielen gegen die Ukraine. Die Tribüne ist locker gefüllt, die Mehrheit der meist jugendlichen Zuschauer sitzt lieber im schattigen Gras. »Oskar, ich brauche deine Hilfe«, ruft der Betreuer des US-Teams und Oskar Deutsch, Vizepräsident der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Wien und Vorsitzender der 13. Europäischen Makkabi-Spiele, bleibt stehen.

Die Matches der US-Spieler seien zu knapp hintereinander angesetzt, man brauche längere Pausen. Deutsch greift zum Telefon und regelt das. Der Betreuer kann entspannt das weitere Spiel verfolgen. Die USA gewinnen das Turnier, Gastgeber Österreich wird Zweiter.

historisch Das erste Mal in der Nachkriegsgeschichte wurden die Spiele, die am Mittwoch zu Ende gingen, im deutschsprachigen Raum ausgetragen. Diese besondere politische Bedeutung versuchte man auch in der Eröffnungszeremonie am Wiener Rathausplatz einzufangen: Dem Thema Holocaust wurde mit Film- und getanzten Sequenzen breiter Raum gegeben.

Zu breiten, meinte mancher Besucher. »Wir wollten die Zeit von Herzls Ableben bis heute dokumentieren, in Österreich und in Israel«, betont dazu Deutsch. »Ich finde, das ist uns sehr gut gelungen, die Eröffnung war spektakulär. Aber natürlich ist es schwierig für die Sportler, die insgesamt fünfeinhalb Stunden stehen mussten.«

Peter Guttmann, Präsident von Makkabi Deutschland, Vizepräsident der IKG München und Chef der deutschen Delegation: »Ich fand es absolut notwendig, den Bogen von der Vergangenheit in die Zukunft zu schlagen, aber es war zu lange.«

Event Voll des Lobes zeigte sich Guttmann indessen über die Organisation der Spiele, die Dienstagabend mit einer Israel-Party in der Eventlocation Pyramide in Vösendorf im Süden von Wien abschließend gefeiert wurde. »Das ist mit das Beste, was wir bei europäischen Spielen bisher erlebt haben.

Man könnte schon fast sagen: typisch Deutsch.« Was ja auch passe, denn der Vorsitzende der Spiele heiße ja auch Deutsch. Dieser zeigte sich denn auch »mehr als zufrieden«. Das Wetter habe bis zuletzt gehalten, die Sportler hätten sich rundherum wohlgefühlt.

Tatsächlich sind es die Spiele der kurzen Wege geworden. Vom Areal des neu erbauten IKG-Campus im Prater, der den Hakoah-Sportclub, die jüdische Schule und das Altersheim beherbergt, waren die Trainingsplätze des nahen Fußballstadions, das Hockeystadion, das Stadionbad in wenigen Fußminuten zu erreichen. Nur wenige Sportler mussten die Stadt verlassen.

An den Spielen beteiligten sich Sportler aus 39 Ländern. Sie traten in 17 Disziplinen – von Fuß- bis Basketball, von Bridge bis Schach, von Schwimmen bis Squash – gegeneinander an. Knapp unter 2.000 Sportler, Funktionäre und Coaches waren insgesamt nach Wien gekommen, sagt Deutsch. Das ist leider keine Rekordteilnahme.

Verpflegung Problematisch waren die hohen Kosten: Die meisten Teilnehmer mussten sowohl Reisekosten als auch das 920-Euro-Package für Unterkunft, Verpflegung, Wettkämpfe selbst tragen. Für die deutschen Sportler kamen das Bundesinnenministerium sowie der Zentralrat für einen großen Teil der Ausgaben auf: der einzelne Spieler musste lediglich 400 Euro selbst beisteuern.

203 Teilnehmer waren denn auch aus Deutschland angereist – und sammelten Medaille um Medaille. 23 Mal Gold, 29 Mal Silber und 19 Mal Bronze lautet die eindrucksvolle Abschlussbilanz. Im Medaillenspiegel reihte sich Deutschland hinter den USA und Großbritannien an dritter Stelle ein.

Zum ersten Mal gelangte zudem die deutsche Fußballherrenmannschaft ins Finale: Sie spielte Dienstagnachmittag gegen Großbritannien – verlor aber 0:4. Und erstmals war auch ein Damenfußballteam am Start.

Die Liste der erfolgreichen Sportler bei den Wiener Spielen ist lang und reicht unter anderem von Jonathan Ben Schlomo und Daniil Fissenko bei den Schwimmern, Georg Meier und Mark Kvetny im Schach, Netaniel Wewa im Tischtennis, Vered Zur beim Target-Schießen, dem Fechter Alexander Medowoi über die Fußballfrauen bis zum Frauen-Hockeyteam.

Nationalteam Deutlich erkennbar war bei diesen Spielen auch ein starkes deutsches Selbstbewusstsein. Die Trikots waren nicht nur in den klassischen Makkabi-Farben Blau und Weiß gehalten: Auf Wunsch einiger Sportler wurden manche auch in den Farben des deutschen Nationalteams, Schwarz und Weiß, gestaltet, erzählt Guttmann.

»Deutschland, Deutschland« rief ein Teil der deutschen Mannschaft beim Einzug der Nationen laut. »Wir Älteren haben da zum Teil noch gemischte Gefühle, wenn wir das hören«, sagt Guttmann. »Aber es ist ein Zeichen, dass sich das normalisiert, und es ist ja auch vernünftig, dass man die Vergangenheit nicht vergisst, aber auch in die Zukunft guckt.«

Der nächste Schritt ist nun, dass sich auch Deutschland um die Austragung der Europäischen Makkabi-Spiele bewirbt. »Beim kommenden Mal sicher noch nicht, aber um die übernächsten Spiele werden wir uns bemühen«, kündigt Guttmann an. Welche Stadt es werden solle, dazu gibt es allerdings noch keine Entscheidung. Damit würde in der Geschichte des jüdischen Sports ein neues Kapitel geschrieben.

Ugandische Truppen

Nahost

Ugandas Parlament billigt Truppenentsendung nach Gaza

Auf US-Anfrage soll sich ein Kontingent der ugandischen Armee der geplanten internationalen Stabilisierungstruppe anschließen. In Afrika zählt das Land zu den größten Truppenstellern für Friedensmissionen

 07.08.2026

Meinung

Wie Georg Restle die Glaubwürdigkeit des ÖRR untergräbt

Nach dem X-Post des Journalisten hat sich Felix Schotland, Vorstand der Synagogen-Gemeinde Köln, an WDR-Programmdirektorin Andrea Schafarczyk gewandt. Wir dokumentieren das Schreiben im Wortlaut

von Felix Schotland  07.08.2026

Justiz

Israelischer Siedler wegen Tötung eines Palästinensers angeklagt

Der getötete Aktivist setzte sich gegen Siedlergewalt ein und war an dem Oscar-prämierten Film »No Other Land« beteiligt. Jetzt steht der mutmaßliche Täter vor Gericht

 07.08.2026

Dublin

Wegen Israel-Boykott: Irisches Regierungsflugzeug kann nicht mehr im Nebel landen

Beim Kauf der Maschine wurde bewusst auf das System »FalconEye« verzichtet, weil der israelische Rüstungskonzern Elbit Systems an dem Produkt beteiligt ist

 07.08.2026

AfD-Verbot

»Wachkitzeln von Gewalt- und Mordphantasien«

Der Historiker und NS-Forscher Götz Aly, der mit Blick auf die AfD bislang vor überzogenen Vergleichen mit dem Nationalsozialismus und der NSDAP gewarnt hatte, hat offenbar seine Position revidiert

 07.08.2026

Kanada

Bericht: Jüdische Studenten erleben Antisemitismus als alltägliche Realität

Fast alle befragten jüdischen Studenten geben an, innerhalb der vergangenen zwölf Monate mindestens einen antisemitischen Vorfall erlebt oder beobachtet zu haben

 07.08.2026

Miami

Antisemitischer Angriff in Starbucks-Filiale

Laut Polizei schlug eine Frau ihr Opfer mit einem Mobiltelefon. Dann habe sie mit einem Metallstuhl auf den Mann, der eine Kippa trug, losgehen wollen

 07.08.2026

Berlin

Klingbeil: AfD-Verbotsverfahren ernsthaft prüfen

Die Diskussion um ein AfD-Verbotsverfahren erhält neue Dynamik. Was sagt SPD-Chef Klingbeil und wie reagiert die Linke auf seinen Vorstoß?

 07.08.2026

Teheran/Maskat/Washington D.C.

Iran und Oman arbeiten an Hormus-Regelung – Teheran stellt Bedingungen an die USA

Iranischer Vertreter sagen, ein Rahmenabkommen für den Schiffsverkehr sei weit fortgeschritten. Eine sofortige Wiederöffnung der Wasserstraße sei damit jedoch nicht verbunden

 07.08.2026