Kiew

Selenskyj schickt polnischen Orden zurück

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, hier Anfang April in Kyiv Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Im Geschichtsstreit zwischen Polen und der Ukraine hat der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj einen Schlussstrich gezogen und einen umstrittenen Orden nach Warschau zurückgeschickt. Er verstehe, dass der Orden des Weißen Adlers eine besondere Ehrung darstelle, schrieb Selenskyj dazu auf X. »Es ist ein Symbol des höchsten Vertrauens der Republik Polen.« Ein derartiges Symbol brauche Verdienst, aber auch Respekt für die Werte, die die Basis der Gesellschaft formen. Eine Reihe früherer Präsidenten verzichtete aus Protest ebenfalls auf den Orden.

»Wenn daher die Ansicht besteht, dass dieses besondere Symbol bei (Zarin) Katharina II., bei (Italiens Diktator) Benito Mussolini und (Ex-Bundeskanzler) Gerhard Schröder verbleiben darf, dann haben wir dem in der Ukraine nichts entgegenzusetzen«, schrieb Selenskyj weiter. Er zeigte sich zugleich versöhnlich. Die Ukraine werde weiterhin offen sein »für alle sinnvollen Formate der Zusammenarbeit«, um widersprüchliche Auslegungen der schwierigen und schmerzhaften Kapitel der gemeinsamen Vergangenheit zu vermeiden.

Hintergrund ist die Entscheidung des polnischen Präsidenten Karol Nawrocki, Selenskyj in einem Streit um Geschichte den »Orden des Weißen Adlers« abzuerkennen. »Wir hatten damals geglaubt, dass der 2023 verliehene Orden des Weißen Adlers dem ukrainischen Volk und der Armee galt«, schrieb Selenskyj. So sei es damals erklärt worden. »Heute habe ich den Orden dem polnischen Präsidenten zurückgeschickt.« Selenskyj sowie ukrainische Medien posteten Fotos aus der Poststelle des Präsidialamts in Kiew, die den verpackten und an Nawrocki adressierten Orden zeigen.

Der polnische Präsident hatte in einer Erklärung beteuert, die Aberkennung sei »nicht gegen die ukrainische Nation gerichtet« und ändere nichts an der strategischen Ausrichtung der polnischen Sicherheitspolitik.

Auch Präsidialamtschef will polnische Auszeichnung retournieren

Inzwischen will auch der ukrainische Präsidialamtschef Kyrylo Budanow eine staatliche Auszeichnung Polens zurückgeben. Er verzichte auf das Goldene Offizierskreuz des Verdienstordens der Republik Polen, mit dem er im vergangenen Jahr ausgezeichnet worden sei, schrieb er am Morgen bei Telegram. Budanow sprach von einer unfreundlichen Geste Nawrockis gegenüber dem ukrainischen Volk und einem Geschenk an den Aggressor Russland. Auch der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha hatte die Rückgabe einer Auszeichnung angekündigt.

Aus Protest gegen die Entscheidung Nawrockis verzichteten frühere ukrainische Staatschefs auf die Ehrung. Am Abend erklärte auch Ukraines Ex-Präsident Leonid Kutschma (1994-2005) nach Medienberichten seinen Verzicht auf den Orden des Weißen Adlers, den er 1997 erhalten hatte. Er gab sich überzeugt, dass dieser »unfreundliche Schritt« von Präsident Nawrocki die Freundschaft der beiden Länder nicht zunichtemachen könne. Auch Ex-Präsident Viktor Juschtschenko (2005-2010) kündigte an, er wolle auf die Auszeichnung verzichten. Der Reihe schloss sich auch Petro Poroschenko (2014-2019) an, der die Entscheidung Nawrockis als »falsch und gegenüber dem ukrainischen Volk für ungerecht« bezeichnete. 

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Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk hatte Nawrocki und Selenskyj am Freitag zur Mäßigung aufgerufen. »Der Konflikt zwischen Polen und der Ukraine freut (Kremlchef Wladimir) Putin und schockiert unsere Verbündeten«, schrieb er bei X. Der Streit eskaliert knapp eine Woche vor einer Wiederaufbaukonferenz für die Ukraine im polnischen Danzig.

Selenskyj löste Streit mit Beinamen für Armee-Einheit aus

Selenskyj hatte die höchste Auszeichnung Polens 2023 von Nawrockis Vorgänger Andrzej Duda verliehen bekommen, um die Freundschaft zwischen Polen und der Ukraine angesichts der russischen Aggression gegen Kiew zu unterstreichen. 

Selenskyj hatte den Streit Ende Mai ausgelöst, als er einer Armee-Einheit den Beinamen »Helden der UPA« verlieh. Kiew ehrt das Andenken an die Untergrundkämpfer der Ukrainischen Aufstandsarmee (UPA), weil sie nach dem Zweiten Weltkrieg Widerstand gegen die Sowjetherrschaft leisteten. Während des Krieges hatten die Bewaffneten aber Massaker an Zehntausenden Polen und Juden in der heutigen Westukraine verübt.

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