Marken

Schweden protestieren gegen Modekette

Endlich da! H&M hat vergangene Woche seine erste Filiale in Tel Aviv eröffnet Foto: Reuters

Marken

Schweden protestieren gegen Modekette

H&M wegen Israel-Filiale unter Druck

von Katharina Schmidt-Hirschfelder  15.03.2010 19:30 Uhr

Obwohl die schwedische Bekleidungsfirma Hennes & Mauritz (H&M) seit Jahren internationale Erfolge feiert, hat sie mit der Eröffnung ihrer ersten Filiale in Israel bis März 2010 gewartet. Zwar verneint H&M jedweden politischen Hintergrund für seine jahrelange Zurückhaltung auf dem israelischen Markt, doch dem Modehaus dürfte wohl bewusst sein, dass jeder, der dort investiert, in Schweden als »Geschäftemacher mit dem Schurkenstaat« abgestempelt wird.

Military-Look Während am vergangenen Donnerstag kauffreudige Israelis in die erste H&M-Filiale im Tel Aviver Azrieli-Einkaufszentrum strömten, hagelte es in Stockholm, Göteborg und Malmö Proteste. »H&M, kauf’ nicht Palästinas Okkupation« – unter diesem Motto war das Netzwerk »Isoliert Israel« angetreten, um potenzielle H&M-Kunden auf die »unethische Verkaufspolitik« der skandinavischen Modekette hinzuweisen. Mannequins im Military-Look schwenkten dazu Plastik-MGs und drückten jedem, der den Laden am Malmöer Gustav-Adolf-Platz betreten wollte, ein Flugblatt in die Hand.

Anders Püschel, einer der Organisatoren der Proteste, hat kein Problem damit, als Antisemit »missverstanden« zu werden. Schließlich sei Israel »seinem Wesen nach rassistisch«, meint der Palästina-Sympathisant. Und mit dieser Ansicht steht der Linksaktivist nicht allein da.

Kernland Schwedische Unternehmen, die sich auf dem israelischen Markt etablieren wollen, geraten seit Jahren immer wieder in die Kritik. Argwöhnisch beäugt von propalästinensischen Gruppen, christlichen Hilfsorganisationen und den Medien laufen Firmen ständig Gefahr, sich in »ethisch fragwürdige« Geschäfte zu verstricken, wie es heißt. Unter dem Druck der Öffentlichkeit sah sich die Firma Assa Abloy, die auf Sicherheitstechnik spezialisiert ist, vor rund einem Jahr gezwungen, ihre Fabrik im Westjordanland zu schließen. Auch der niederländisch-britische Konzern Unilever musste seine Produktion von der »grünen Grenze« ins israelische Kernland verlagern. Das Transportunternehmen Veolia verlor mit der Stadt Stockholm einen seiner größten Auftraggeber, nachdem bekannt wurde, dass man an der Planung der Jerusalemer Straßenbahn beteiligt war, die durch palästinensisches Gebiet führen sollte.

Verkaufszahlen Bereits im Jahr 2006 musste die staatliche Alkoholkette Systembolaget heftige Kritik einstecken: Ihr wurden »inkorrekte Angaben des Herkunftslandes« vorgeworfen. Kunden hatten moniert, dass koscherer Wein vom Golan lediglich das Etikett »Israel« trug. Systembolaget glättete daraufhin die Wogen des Zorns mit dem Zusatz »okkupiertes syrisches Gebiet«.

Ebenso wie Möbelgigant IKEA, der in der vergangenen Woche unbeirrt sein zweites Möbelhaus in Israel eröffnete, zeigt sich die H&M-Spitze bislang kaum beeindruckt von den schwedischen Protesten. »Wir glauben, unser Konzept ›Mode und Qualität zum besten Preis‹ kommt in Israel gut an«, sagt Håcan Andersson von H&M. Erste traumhafte Verkaufszahlen, begeisterte Kunden und unterzeichnete Verträge für sechs weitere H&M-Boutiquen, darunter in Jerusalem und Haifa, scheinen ihm recht zu geben. Allen Protesten in der schwedischen Heimat zum Trotz.

Israel

Kushner wirbt bei Netanjahu für Gaza-Friedensplan

Trumps Schwiegersohn auf schwieriger Mission: Jared Kushner will einen Kompromiss ausloten, obwohl zwischen Israel und der Hamas bei den Verhandlungen über Gazas Zukunft noch eine tiefe Kluft liegt

 17.08.2026

Studie

AfD nutzt Anfragen zur Stimmungsmache

Kleine Anfragen sind ein Mittel, mit dem besonders Oppositionsparteien Regierungshandeln hinterfragen können. Eine Untersuchung zeigt, dass die AfD dabei eher auf Skandalisierung setzt

 17.08.2026

New York

UN ehrte offenbar getöteten Hamas-Kommandeur

Die Monitoringorganisation »UN Watch« übt heftige Kritik am UN-Generalsekretär António Guterres und an der Präsidentin der UN-Generalversammlung, Annalena Baerbock

 17.08.2026

New York

Mann schlägt 63-jährige Synagogenbesucherin

Ein 46-jähriger drang am Freitag während des Schabbat-Gottesdienstes in eine Manhattaner Synagoge ein und randalierte dort

 17.08.2026

Nahost

US-Rahmenabkommen mit Iran läuft aus: Was hat es gebracht?

Die Vereinbarung mit dem Iran sollte den Krieg zu einem Ende bringen. Das Mitte Juni auf 60 Tage angelegte Abkommen hielt jedoch nicht lange. Hat US-Präsident Trump damit überhaupt etwas erreicht?

von Jürgen Bätz  17.08.2026

Extremismus

Wagenknecht an Höcke: »Warum reden wir nicht mal?«

Seit Tagen liefern sich die BSW-Gründerin und der thüringische AfD-Chef ein Fernduell mit Vorschlägen und Provokationen. Jetzt legt Sahra Wagenknecht nach

 17.08.2026

Terror

Iran bereitet sich auf Ausweitung des Krieges vor

Das Mullah-Regime soll während der 60-tägigen Frist eines mit Washington vereinbarten Memorandums für den Fall eines erneuten militärischen Konflikts vorgesorgt haben

 17.08.2026

Bern

Verantwortung lässt sich nicht neutralisieren

Die Schweiz debattiert anlässlich einer Volksabstimmung über ihre Neutralität. Ein Kommentar von JA-Schweiz-Korrespondentin Nicole Dreyfus

von Nicole Dreyfus  16.08.2026

Kairo

Jared Kushner führt Gespräche über Gaza in Ägypten

Der Schwiegersohn von US-Präsident Trump will in Ägypten Fortschritte im seit langem festgefahrenen Friedensplan für den Gazastreifen erzielen

 16.08.2026