Der Präsident des Zentralrats der Juden zweifelt an der Glaubwürdigkeit der Berliner Linken in Bezug auf die Bekämpfung von Antisemitismus. Er hätte erwartet, dass die Abgeordneten Vanessa Emde und Ferat Koçak nicht mehr Mitglieder im Berliner Abgeordnetenhaus und im Bundestag sein könnten, sagte Josef Schuster der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung«.
Mit der Erklärung zum Nahostkonflikt und Antisemitismus, die von den Fraktionsmitgliedern der Linken in Berlin unterschrieben werden musste, habe die Linke keine klaren Fakten geschaffen. »Ich nehme ihr die Abkehr vom Antisemitismus nicht ab.« Er befürchte, dass die Berliner Spitzenkandidatin Elif Eralp nicht in der Lage sei, ihre Einstellung in der Partei entsprechend durchzusetzen.
Die Berliner Linken-Abgeordnete Vanessa Emde hatte wegen ihrer israelfeindlichen Positionen mehrfach Diskussionen ausgelöst. Emde vertrat unter anderem die These, dass es kein Existenzrecht für Staaten gebe, sondern nur für Menschen. Kritiker sehen darin einen Zweifel am Existenzrecht Israels. Ihr droht der Ausschluss aus der Linken-Fraktion.
Der Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak war unter Druck geraten, weil er freundschaftliche Chatnachrichten mit einem Mitglied der Remmo-Großfamilie ausgetauscht hatte. Koçak selbst hatte das als Fehler bezeichnet und um Entschuldigung gebeten. Ihm sei zunächst nicht bekannt gewesen, wer der Mann sei.
Nach der Wahl zum Abgeordnetenhaus verhandeln die Wahlsiegerin Linke sowie Grüne und SPD über ein Regierungsbündnis. Grüne und SPD haben dem Beginn von Koalitionsverhandlungen trotz zahlreicher Antisemitismus-Skandale bei der Linken bereits zugestimmt. dpa/ja