Julius-Hirsch-Preis

Schnell, engagiert und vom Aus bedroht

Fans des 1. FC Kaiserslautern Foto: imago

»Den Preis erhalten wir in einer Phase, in der wir um die Existenz kämpfen«, sagt Jörg Rodenbusch von der Arbeiterwohlfahrt Kaiserslautern. Die Auszeichnung, von der er spricht, ist der Julius-Hirsch-Preis des Deutschen Fußballbundes.

Der geht in diesem Jahr an das Fanprojekt des 1. FC Kaiserslautern. Organisatorisch ist dieses bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO) angesiedelt, doch die kann die Finanzierung nicht stemmen. »Wir sind drittelfinanziert«, sagt Erwin Ress, Leiter des Fanprojekts, »ein Drittel kommt vom DFB und der Deutschen Fußballliga, ein Drittel vom Land Rheinland-Pfalz und ein Drittel von der Kommune.«

Druck Doch die Stadt Kaiserslautern gibt kein Geld mehr. Sie begründet das mit dem Kommunalen Entschuldungsfonds Rheinland-Pfalz, der sie zum eisernen Sparen zwingt. Doch die Verleihung des renommierten Preises, der mit 10.000 Euro dotiert ist und mit dem Fußballinitiativen gegen Rassismus und Antisemitismus gefördert werden, hat die Stadt nun unter Druck gesetzt. Im Rathaus heißt es, man prüfe derzeit, ob man nicht »außerhalb einer finanziellen Unterstützung« das Projekt fördern könne.

Oberbürgermeister Klaus Weichel (SPD) erklärt: »Wir versuchen, mit allen Beteiligten ein tragfähiges Konzept auch unter Einbindung der benachbarten Kreise, die von dem Projekt profitieren, zu erarbeiten, um einen weiteren Fortbestand zu ermöglichen.« Jörg Rodenbusch von der AWO merkt dazu jedoch an, solange auf Seiten der Stadt null Euro stünden, könnten sich die anderen Finanziers auch zurückziehen.

»Wir sind schon seit Beginn unseres Bestehens unterfinanziert«, sagt Erwin Ress. »Wir haben jährlich 90.000 Euro zur Verfügung, uns steht aber das Doppelte zu.« Jörg Rodenbusch ergänzt, dass er jetzt auf eine Unterstützung durch die Öffentlichkeit hoffe. »Nicht nur das Preisgeld ist wichtig, sondern auch, dass jetzt andere mögliche Finanziers auf uns aufmerksam werden«, sagt er.

vorbild Geehrt werden soll das Fanprojekt für seine vorbildliche Reaktion auf Schmähungen gegen den israelischen FCK-Profi Itay Shechter. Der war im Februar 2012 von eigenen Fans bei einem öffentlichen Training als »Drecksjude« beleidigt worden. Daraufhin hatte das Fanprojekt innerhalb von nur 14 Tagen die Wanderausstellung »Tatort Stadion« im Fußball nach Kaiserslautern geholt und dazu ein ambitioniertes Veranstaltungsprogramm auf die Beine gestellt.

Die Ausstellung stammt vom Bündnis aktiver Fußballfans (BAFF) und thematisiert Rassismus und Antisemitismus im deutschen Fußball. Beim DFB ist zu erfahren, dass mit dem Julius-Hirsch-Preis vor allem das damals schnelle und effektive Handeln geehrt wird. Die gegenwärtige Unterfinanzierung, sagt DFB-Sprecher Thomas Hackbarth, sei kein Argument gewesen.

Der Julius-Hirsch-Preis wird vom DFB seit 2005 vergeben. Er erinnert an den jüdischen Nationalspieler Julius Hirsch, der in Auschwitz ermordet wurde. Neben dem Projekt in Kaiserslautern werden auch zwei Fanclubs von Eintracht Frankfurt mit 6.000 beziehungsweise 4.000 Euro geehrt. Die Verleihung findet am kommenden Dienstag in Berlin statt. Die Laudatio auf das FCK-Fanprojekt hält Otto Rehhagel, früherer Trainer des Clubs.

Berlin

Petra Pau kritisiert Ferat Koçak nach Kontakt zum Remmo-Clan

»Ich kann nicht mehr an Naivität glauben«, sagt die frühere Bundestagsvizepräsidentin

 22.09.2026 Aktualisiert

Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen)

Berlin

Özdemir: Linke muss Antisemiten notfalls rauswerfen

Nach der Abgeordnetenhauswahl können die Grünen sowohl mit SPD und Linken als auch mit SPD und CDU koalieren. Der einzige grüne Chef einer Landesregierung hat einen klaren Rat für seine Parteifreunde

 22.09.2026

Frankfurt

Vorsitzender der jüdischen Gemeinden in Hessen legt Amt bei HR nieder

Der Streit über die Höhe der Entschädigung für enteignete jüdische Grundstücke in Frankfurt am Main zieht Kreise: Daniel Neumann legt sein Aufsichtsratsmandat bei einer HR-Tochter nieder

 22.09.2026

New York

Trump: Mamdani hat Potenzial zu großartigem Bürgermeister

Politisch liegen Welten zwischen New Yorks Bürgermeister und dem US-Präsident. Doch auch nach ihrem dritten Treffen äußern sich beide erstaunlich versöhnlich

 22.09.2026

Berlin

Sergey Lagodinsky: Linke muss Antisemiten ausschließen

Die Debatte um Judenhass in der Linkspartei ebbt nicht ab. Der Grünen-Europaabgeordnete fordert nun konkrete Konsequenzen von der Parteiführung

 22.09.2026

Berlin

Merz: Jüdisches Leben in Deutschland nicht mehr sicher

Vor allem seit dem Überfall der Hamas auf Israel und dem Beginn des Gaza-Krieges kommt es in Berlin immer wieder zu Attacken auf Juden. Der Bundeskanzler erteilt jeglichem Antisemitismus eine klare Absage

 22.09.2026

Berlin

Igor Levit kritisiert Merz: Weiter-so in hübscher Verpackung

Merz’ Art der Kommunikation des CDU-Politikers wirke »losgelöst«, so der Pianist

 22.09.2026

Kanada

Schüsse vor Synagoge: Polizist und mutmaßlicher Angreifer schwer verletzt

Der Vorfall ereignete sich am Sonntagabend, während sich rund 25 Menschen in der Sons of Jacob Synagogue zum Jom Kippur versammelt hatten

 22.09.2026

Berlin

Auschwitz Komitee: Linke soll zu »Fehlentwicklungen« stehen

Nach dem Wahlsieg der Linken: Die Präsidentin des Auschwitz-Komitees kritisiert die Haltung der Partei zum Antisemitismus. Sie müsse sich »von allen Antisemiten in ihren Reihen« trennen

 22.09.2026