Medien

Rechtsextremes, seriös präsentiert

Screenshot der Website Foto: screenshot

Die Onlineplattform heißt »BundesPressePortal«, gehört aber keiner staatlichen Stelle, sondern dem Privatmann Jörg Müller aus Aschaffenburg. Sie veröffentlicht Pressemitteilungen von Parteien, auch der NPD. Gleichzeitig verkündet die Redaktion auf ihrer Website: »Grundsätzlich denken, handeln und arbeiten wir nach dem Presse-Kodex.« Alle eingehenden Texte würden gründlich geprüft. »Wird uns eine fragwürdige bzw. unseriöse Presse-Meldung zugesandt, werden wir selbstverständlich keine Publizierung vornehmen.«

Neben den Bundestagsparteien oder der FDP erfüllt auch die rechtsextreme NPD offensichtlich das Kriterium der Seriosität. »Wir haben lange darüber diskutiert«, begründet Jörg Müller seine kostenlose PR für die rechtsextreme Partei, über deren Verbot in Karlsruhe gerade verhandelt wird, »aber in Deutschland herrscht Meinungsfreiheit«, und die NPD sei ja nicht verboten. Nach einem Verbot würde selbstverständlich keine Pressemitteilung der Partei mehr veröffentlicht werden.

Soziale Medien Vermutlich auch keine andere mehr. Noch in der Nacht, nachdem nachmittags eine Anfrage der Jüdischen Allgemeinen das BundesPressePortal erreichte, beschloss Müller, seine Plattform zu verkaufen. Mit der Anfrage habe das nichts zu tun, vielmehr habe er sich mit dem Gedanken schon lange getragen, sagte er dieser Zeitung, er betreibe ja noch zwei andere Portale – eines für Meldungen aus der Gastronomie, eines für Soziale Medien –, und da sitze er täglich ohnehin zu lange am Computer.

Auf der Website bundespresseportal.de steht jetzt der Hinweis in eigener Sache, Interessenten an einem Portal, das monatlich bis zu 7000 Pressemitteilungen verbreite, bis zu 8500 Besucher am Tag habe und auf Twitter 21.000 Follower aufweise, sollten sich doch bei Müller melden.

Über Nacht wurde nicht nur der Verkauf beschlossen – auch Müllers zwei andere Portale sollen veräußert werden –, sondern auch ein Logo auf der Homepage des BundesPressePortals wurde entfernt: das des Deutschen Journalistenverbandes (DJV). Bislang leuchtete da gut lesbar die Information »Mitglied im DPV und DJV«. Ein Portal kann aber nicht Mitglied im DJV oder in dessen kleiner Konkurrenzorganisation Deutscher Presse-Verband (DPV) sein. Beide verstehen sich als Journalistengewerkschaften, die nur die Mitgliedschaft von Einzelpersonen zulassen.

Gewerkschaft Der DJV gab sich entsprechend irritiert, dass unter Verwendung seines Verbandslogos der Eindruck erweckt wurde, das privatwirtschaftlich betriebene Portal sei Gewerkschaftsmitglied. »Die im Impressum aufgeführten Namen stehen nicht bei uns in der Kartei«, sagte Hendrik Zörner. Jörg Müller erwiderte, er selbst sei Mitglied im DPV und ein früherer Redakteur im DJV.

Als dieser seine Mitarbeit in seiner Firma beendete, habe Müller den Webadministrator gebeten, das Logo von der Seite zu nehmen, aber der habe das wohl vergessen. In der Nacht, in der der Verkauf beschlossen wurde, verschwand auch das DJV-Logo von der Seite, obwohl der DJV selbst zu diesem Zeitpunkt noch nichts unternommen hatte.

Bei Müllers BundesPressePortal arbeiten derzeit drei Redakteure im Homeoffice, also am heimischen Rechner. Sie erhalten, so Müller, eine monatliche Pauschale, für die sie eine Rechnung stellen. So viel Arbeit sei das ja nicht, sagt Müller, »wir schreiben ja keine Meldungen, sondern veröffentlichen eins zu eins. Wir sind ja ein Verbreitungstool«. In der redaktionellen Selbstdarstellung, die unter der Überschrift »Mission« erschien, hieß es noch, man sei »beseelt von der Idee: Politische Botschaften ALLEN Bürgern auf VIELEN Wegen zugänglich zu machen«. Selbstverständlich auch die Botschaften der NPD.

Meinung

Wir haben ein Problem – und wir müssen endlich darüber reden

Ein Weckruf über verfehlte Migration, ausländische Einflussnahme und das ohrenbetäubende Schweigen der »Progressiven«

von Jacques Abramowicz  05.05.2026 Aktualisiert

Washington D.C.

Obama kritisiert Netanjahu-Kurs und warnt vor Eskalation im Nahen Osten

Der frühere Präsident sagt, vor Jahren habe Netanjahu ihm gegenüber ähnliche Argumente für ein militärisches Vorgehen gegen den Iran vorgebracht, wie später gegenüber Trump

 05.05.2026

Abu Dhabi

Emirate melden neue Angriffe Irans

Einige Wochen lang schien sich die Lage für Anwohner in den Vereinigten Arabischen Emiraten mit Blick auf Irans Angriffe zu entspannen. Kommt es jetzt zur erneuten, größeren Eskalation?

 05.05.2026

Washington

Hegseth: »Die Waffenruhe ist nicht beendet«

Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran haben am Montag wieder zugenommen. Ausgangspunkt war eine neue US-Initiative zur Öffnung der Straße von Hormus. Nun gibt der Pentagonchef ein Update dazu

 05.05.2026

Erinnerungsarbeit

Virtuelle Ausstellung mit NS-Zeitzeugen tourt durch Brandenburg

In der mobilen Ausstellung »In Echt?« berichten NS-Zeitzeuginnen und -zeugen von ihren Schicksalen. Die virtuelle Schau wurde 2023 in Potsdam entwickelt und tourt wieder durch Brandenburg

 05.05.2026

Sachsen-Anhalt

Erneut antisemitische Vorfälle an Kunsthochschule Halle

An der Kunsthochschule Halle tauchen antisemitische Aushänge auf. Die Hochschule prüft rechtliche Schritte und will den Dialog mit der Jüdischen Gemeinde stärken

 05.05.2026

London

Weiterer Brandanschlag in London - Starmer warnt den Iran

Nach mehreren antisemitischen Angriffen untersuchen die britischen Behörden mögliche Verbindungen nach Teheran. Am Morgen kommt es zu einem weiteren Zwischenfall

 05.05.2026

Erfurt

AfD-Parteitag: Protest, Sperrungen, Störaktionen erwartet

Für das AfD-Treffen in Erfurt rechnet die Polizei mit Demonstrationen. Im Vorfeld gab es bereits Kritik am Datum: Genau 100 Jahre zuvor hatte die NSDAP ihren zweiten Reichsparteitag in Thüringen abgehalten

 05.05.2026

Potsdam

Volksverhetzung: Arafat Abou-Chaker vor Gericht

»Für mich ist Adolf Hitler besser als Netanjahu«, soll der Angeklagte gesagt haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm unter anderem Volksverhetzung vor

 05.05.2026