Terror

Rechtsextreme in der Bundeswehr

Im Aufenthaltsraum des Jägerbataillons 291 der Bundeswehr in Illkirch bei Straßburg. Dort war der terrorverdächtige Oberleutnant Franco A. stationiert. Foto: dpa

Während Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Israel versicherte, bei Rechtsextremismus in der Bundeswehr handele es sich um »Einzelfälle«, die »nichts über den Zustand der Bundeswehr aussagen«, kündigte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) einen »Säuberungsprozess« an. »Es wird noch viel hochkommen«, so die Ministerin.

Am Dienstag wurde mit Oberleutnant Maximilian T. schon der zweite Bundeswehroffizier festgenommen. Wie auch seinem Kameraden Franco A. wird ihm die Vorbereitung eines rechtsterroristischen Anschlags vorgeworfen. Sie seien bereit, »für ihre Sache zu töten«, zitiert Spiegel-Online einen Fahnder. Auf einer gefundenen Liste möglicher Anschlagsziele finden sich der Zentralrat der Juden und die Berliner Amadeu Antonio Stiftung.

durchsuchung Eine von Generalinspekteur Volker Wieker befohlene Kasernendurchsuchung brachte etliche Hinweise auf der Wehrmacht verhaftetes rechtsradikales Denken in der Truppe zutage.

Am Dienstag wurde darüber hinaus ein Fall bekannt, wonach ein Kölner AfD-Politiker, der als Hauptmann für den Militärischen Abschirmdienst (MAD) arbeitet, Losungen wie »Deutschland erwache« verbreitet haben soll. Auch wurde publik, dass 2012 Soldaten ein vier Meter großes Hakenkreuz auf den Boden einer Kaserne gemalt haben sollen.

Unbekannt können rechtsextreme Vorfälle der Bundeswehrführung nicht sein. Allein im Jahr 2016 berichtete der Wehrbeauftragte von 63 Fällen aus dem Bereich »Extremismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit«. Die häufigsten Vergehen sind »Sieg Heil«-Rufe, das Zeigen des Hitlergrußes und Verbreitung von NS-Propaganda in sozialen Netzwerken. Aus den Unterlagen des Wehrbeauftragten geht hervor, dass nur 19 der 63 Fälle als »schwerwiegend schuldhafter Verstoß gegen die politische Treuepflicht« gewertet wurden.

demokratie Eine Studie aus dem Jahr 2001 zeigte, dass 25 Prozent der Offiziersstudenten sich als nationalkonservativ bezeichnen würden, ein großer Teil davon stünde »außerhalb der demokratischen Prinzipien«. Die Zahl ist seit Jahrzehnten konstant.

Michael Berger, damaliger Vorsitzender des Bundes jüdischer Soldaten, hatte 2015 in einer Studie vermerkt, dass bei allem Optimismus in die demokratische Anbindung der Armee »ein gewisser Zweifel im Einzelfall« bestehen bleibe.

Warschau

Polen rügt Ehrung für ukrainische Nationalisten in Lwiw

Erst ein Ehrentitel für eine ukrainische Einheit, nun ein Gedenkjahr für nationalistische Untergrundkämpfer: Der Geschichtsstreit zwischen Polen und der Ukraine flammt erneut auf

 23.10.2026

Umfrage

Umfrage: So würde Deutschland abstimmen, wenn am Sonntag Wahlen wären

 23.10.2026

Handelte es sich beim Nationalsozialismus um eine linke Ideologie?

Ein Faktencheck

 22.10.2026

Justiz

Ermittler: Ahmetovic kooperierte nicht bei Durchsuchungen

Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt im Zusammenhang mit der Ausschreibung eines früheren Klinikgeländes in Lehrte bei Hannover gegen den SPD-Politiker

 22.10.2026

Deutschland

Wie hält es die CDU in Sachsen-Anhalt mit der AfD?

AfD-Politiker Siegmund braucht drei Stimmen aus anderen Reihen, um Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt zu werden. Ein CDU-Abgeordneter stellt sich nun gegen die CDU-Fraktionslinie

von Christopher Kissmann  22.10.2026

Debatte

Wahl in Israel: Star-Dirigent Lahav Shani meldet sich ausführlich zu Wort

In der Vergangenheit war der Musiker mehrmals im Visier radikaler Israelfeinde

 22.10.2026

Berlin

Zentralrat der Juden warnt vor rot-grün-roter Koalition

Schuster: »Im Kampf gegen Judenhass ist dieses Schauspiel ein echter Offenbarungseid«

 22.10.2026 Aktualisiert

Cyberkriminalität

Hacker greifen Mail-Konten der AfD an

Die AfD ist Opfer eines Hackerangriffs geworden. Im Netz brüsten sich Unbekannte, rund 421.000 AfD-E-Mails veröffentlicht zu haben. Ob die Dateien echt sind, ist aber noch unklar

 22.10.2026

Straßburg

Europäisches Parlament ehrt Internationalen Strafgerichtshof mit Sacharow-Preis

Das Haager Gericht ist umstritten: Zuletzt wurde es von den USA mit Sanktionen belegt. Doch am Donnerstag bekam der IStGH die Rückendeckung der Europaabgeordneten

 22.10.2026