Gemeinden

Ratsversammlung des Zentralrats der Juden tagt in Frankfurt

Die Ratsversammlung in der Jüdischen Gemeinde Frankfurt am Main Foto: EiB

Es ist ein feststehender Termin im Kalender der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland: Jeweils am letzten Sonntag im November kommen aus ganz Deutschland die Delegierten der jüdischen Gemeinschaft zusammen – an diesem Sonntag in Frankfurt am Main.

Was auf den ersten Blick aussieht wie ein großes Familientreffen, ist zugleich auch Rückblick und Ausblick auf die zurückliegenden wie die kommenden Herausforderungen für die Juden in Deutschland, Europa und der Welt.

90 Delegierte aus den 23 Landesverbänden und Groß-Gemeinden waren zur Ratsversammlung zusammengekommen. Im Mittelpunkt des jährlichen Treffens stand auch in diesem Jahr die Arbeit und die Lage der über 100 Jüdischen Gemeinden in Deutschland. Die Situation für die Gemeinden bleibt weiterhin angespannt, antisemitische Vorfälle und Straftaten verharren auf ihrem im Vergleich zu 2023 stark erhöhten Niveau.

Lesen Sie auch

Zentralratspräsident Schuster erklärte in seiner Rede: »Über zwei Jahre lang hat sich der Zentralrat der Juden gemeinsam mit seinen Gemeinden und vielen weiteren engagierten Partnern eingesetzt, um die Erinnerung an die Geiseln der Hamas wachzuhalten und für ihre Rückkehr zu kämpfen. Wir haben mit diesem Einsatz gemeinsam gezeigt, was ›Am Israel Chai‹ bedeutet! Von einer Rückkehr in die Normalität sind wir trotz ihrer Rückkehr und des Waffenstillstands in Gaza weit entfernt. Der nach dem 7. Oktober 2023 explosionsartig angewachsene Antisemitismus stellt unverändert eine akute Bedrohung für jüdisches Leben in Deutschland dar.«

Ehrengast der Ratsversammlung war der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Staatsminister Wolfram Weimer. Er hob in seinem Beitrag die neue Gedenkstättenkonzeption und den Start der Schiedsgerichtsbarkeit NS-Raubgut am 1. Dezember als zentrale Projekte hervor, in die der Zentralrat eng involviert war. Er bezeichnete diese Arbeit der Regierung als klares »Stoppschild gegen Relativierung und Verharmlosung.« Darüber hinaus unterstrich er die klare Haltung im Kampf für jüdisches Leben: »Der Bundesregierung und mir persönlich ist es nicht nur Pflicht, sondern tiefstes Bedürfnis, heutiges jüdisches Leben zu stärken und zu schützen.«

Ron Prosor, Botschafter des Staates Israel, erinnerte in seinem Grußwort an den Meilenstein von 60 Jahren diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und Israel. Er mahnte angesichts der aktuellen Herausforderungen: »Schon die Sowjets haben ›Zionisten‹ gesagt und Juden gemeint, heute beobachten wir dasselbe Muster wieder. Wenn wir gegen dieses Muster, den Antisemitismus als Antizionismus zu tarnen, heute nicht vorgehen, werden wir morgen die bitteren Konsequenzen spüren.«

Lesen Sie auch

So wie die Ratsversammlung eine Tradition in Frankfurt am Main hat, so hat auch das Abendessen nach Schabbat Tradition. Es ist Gelegenheit, nicht nur auf Events wie die Jewrovision oder Das Jewish Quiz zurückzublicken, sondern auch um Freunde und Bekannte wiederzusehen.

Lesen Sie auch

Die Ratsversammlung ist das oberste Entscheidungsgremium des Zentralrats der Juden in Deutschland und überwacht die Arbeit der Exekutive. Sie ist insbesondere zuständig für alle Grundsatzfragen der jüdischen Gemeinschaft und verabschiedet den Haushalt des Zentralrats.

Häufig sind prominente Gesprächspartner Gäste der Ratsversammlung: So besuchte 2012 die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) das Gremium. 2017 war der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer SE, Mathias Döpfner zu Gast. Im Jahr 2023, kurz nach den Terroranschlägen der Hamas am 7. Oktober, hielt der Botschafter Israels in Deutschland, Ron Prosor, ein Grußwort. ja  

Lesen Sie einen ausführlichen Bericht in unserer Printausgabe am Donnerstag.
  

Akaba/Jerusalem

Merz zu Nahost-Reise aufgebrochen: Antrittsbesuch in Israel 

Das Renten-Drama ist überstanden, jetzt geht es für den Kanzler erstmal ins Ausland. Heute und morgen steht ein besonderer Antrittsbesuch auf seinem Programm

 06.12.2025

Wien

EBU: Boykott hat keine Folgen für Finanzierung des ESC 2026

Der Gesangswettbewerb steht unter Druck. Die Boykott-Welle hat laut der Europäischen Rundfunkunion aber keine Auswirkungen auf dessen Finanzierung. Es werden aktuell rund 35 Staaten erwartet

 05.12.2025

Offenbach

Synagoge beschmiert, Kinder durch Graffiti eingeschüchtert

Rabbiner Mendel Gurewitz: »Ich war der Meinung, dass wir hier in Offenbach mehr Toleranz zwischen den unterschiedlichen Kulturen und Religionen haben als etwa in Frankfurt oder in anderen Städten.«

 05.12.2025

Gaza

Wie die Hamas Hilfsorganisationen gefügig machte

Einer Auswertung von »NGO Monitor« zufolge konnten ausländische Organisationen in Gaza nur Hilsprojekte durchführen, wenn sie sich der Kontrolle durch die Hamas unterwarfen

von Michael Thaidigsmann  05.12.2025

Washington D.C.

Trump plant Übergang in Phase II des Gaza-Abkommens

Der nächste große Schritt erfolgt dem Präsidenten zufolge schon bald. Ein »Friedensrat« soll noch vor Weihnachten präsentiert werden

 05.12.2025

Berlin

Linken-Chef empört über Merz-Reise zu Netanjahu

Jan van Aken regt sich darüber auf, dass er Bundeskanzler Ministerpräsident Netanjahu treffen wird

 05.12.2025

Köln

Trotz Kritik: Sophie von der Tann erhält Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis

»Keine Auszeichnung für Propaganda und Antisemitismus« steht während der Preisvergabe auf einem Transparent, das Demonstranten vor dem WDR-Funkhaus tragen

 05.12.2025

Genf

Entscheidung gefällt: Israel bleibt im Eurovision Song Contest

Eine Mehrheit der 56 Mitgliedsländer in der European Broadcasting Union stellte sich am Donnerstag gegen den Ausschluss Israels. Nun wollen Länder wie Irland, Spanien und die Niederlande den Musikwettbewerb boykottieren

von Michael Thaidigsmann  04.12.2025

Medien

»Die Kritik trifft mich, entbehrt aber jeder Grundlage«

Sophie von der Tann schwieg bislang zur scharfen Kritik. Doch jetzt reagiert die ARD-Journalistin auf die Vorwürfe

 04.12.2025