Berlin

So verlief die Anti-Israel Demo vor der Freien Universität

Etwa 80 Demonstranten haben sich am Donnerstagmittag zu einem Anti-Israel-Protest vor der großen Mensa der Freien Universität im Berliner Ortsteil Dahlem versammelt. Propalästinensische und linksradikale Gruppen hatten die Kundgebung um 12 Uhr angekündigt, zu der rund 100 Teilnehmer erwartet wurden. Auch etliche Medienvertreter und Polizisten waren vor Ort.

Nur einer der Redner erwähnte den brutalen Überfall auf den jüdischen FU-Studenten Lahav Shapira, der erst am vergangenen Wochenende von einem mutmaßlichen Kommilitonen krankenhausreif geschlagen und getreten wurde. »Wir wissen nicht, was am Freitag passiert ist, aber wir wissen, dass Lahav Shapira ein Zionist ist«, sagte er. Dann beschrieb er, dass er selbst miterlebt habe, dass Shapira bei der Hörsaalbesetzung gestört und provoziert habe. Er beendete seine Rede mit der terrorverherrlichenden Parole: »Intifada bis zum Sieg!«

Worte des Beileids fielen in den gut zwei Stunden, die ins Mikrofon gesprochen wurde, nicht. Auch wurde die Gewalttat nicht verurteilt.
Auf den antisemitischen Angriff angesprochen, entgegneten einzelne Demonstranten, sie hätten nichts mit dem Vorfall zu tun, und verwiesen auf die Tatsache, dass noch nicht klar sei, dass der Student überhaupt an der FU studiere oder an der auch von ihnen organisierten Hörsaalbesetzung beteiligt gewesen sei.

Spontane Gegendemo

Wenige Minuten nach Protestbeginn bildete sich auch eine kleine Gegendemo mit etwa 20 Personen. Sie schwenkten zwei Israel-Fahnen und sangen »Am Israel Chai«. Von der Polizei wurden die pro-israelischen Studenten gebeten, sich etwa 50 Meter entfernt aufzustellen, damit es nicht zu Streitereien kommt.

Es gab jedoch immer wieder verbale Auseinandersetzungen und Provokationen zwischen den Teilnehmern beider Demonstrationen. Während die einen »Free Palestine« riefen, entgegnen die Teilnehmer der Pro-Israel-Demo: »From Hamas«. Später skandierten die propalästinensischen Demonstranten: »Zionisten sind Faschisten, morden Kinder und Zivilisten.« Einer von ihnen rief in Richtung der Gegendemo: »Wie viele Kinder habt ihr heute getötet?«

Auch ein pro-israelischer Demonstrant störte und provozierte. Auf einem Video ist zu sehen, wie er auf Hebräisch singt: »Hört zu ihr Terroristen, euer Dorf wird brennen.« Er war Mitgründer des Bündnis »Jewish Life Berlin«. Die Gruppe distanzierte sich zwei Tage darauf von ihm.

Kurz vor Ende der Demonstration wurde eben jener pro-israelischer Störer von einem propalästinensischen Demonstrant als »Hurensohn« beschimpft, die Polizei ging dazwischen und führte den Rufer ab. Die Universität kündigte auf Instagram an, auch gegen die gesungene Hetze des pro-israelischen Demonstranten eine Anzeige erstatten zu wohl.

Nach Beendigung der Demo griffen propalästinensischen Demonstranten einen Polizisten verbal an, dem sie vorwarfen, einer Demonstrantin mit einem Finger an den Mund gedeutet zu haben, still zu sein. Die Demonstranten warfen ihm vor, rassistisch und faschistisch zu sein, und schrien: »Ganz Berlin hasst die Polizei«.

Hörsaalbesetzung im Dezember

Der Aufruf zur Demonstration war auch durch Gruppen erfolgt, die bereits bei der Hörsaalbesetzung im Dezember involviert waren. Bei der Besetzung kam es zu Rangeleien zwischen dem nun verletzten Lahav Shapira und den propalästinensischen Besetzern, die ihm den Zutritt zum Saal verweigerten. Ein Video davon führte zu Hetze gegen den jüdischen Studenten, der nach dem Angriff auf ihn immer noch mit schweren Gesichtsfrakturen im Krankenhaus liegt.

»Die Demo wurde nicht auf unserem Campus angemeldet, sondern soll auf der Straße stattfinden. Daher können wir sie auch nicht untersagen«, sagte FU-Präsident Günter Ziegler der Jüdischen Allgemeinen am Mittwochabend. »Sollten Demonstranten in unsere Gebäude kommen, werde ich die Polizei bitten, diese des Gebäudes zu verweisen.« Genau dies kritisierten die Demonstranten am Donnerstagmittag. Sie fühlten sich »kriminalisiert«. Mehrmals bezeichneten die Redner Präsident Ziegler als rassistisch. Er sei ein Unipräsident, der sich, so wörtlich, nur um seine »arischen« Studenten schere.

Die Demo-Plakate, die in den letzten Tagen an der FU verteilt wurden, hatten eine Karte in den Grenzen des Mandatsgebiets Palästina vor 1948 gezeigt. Darüber stand die Aufforderung, ganz Palästina zu befreien. Dies negiert das Existenzrecht Israels. Die Universitätsleitung hatte die Plakate bereits im Vorfeld zur Anzeige gebracht. mma

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