Meinung

Olympia: Mehr als ein Regelbruch

Sabine Brandes Foto: privat

Der Fall des israelischen Bobteams bei den Olympischen Winterspielen scheint auf den ersten Blick klar: falsche Angaben, Disqualifikation, Konsequenzen. Regeln sind Regeln. Punkt. Doch diese nüchterne Betrachtung greift zu kurz. Denn hinter der Entscheidung stand etwas, über das im heutigen Klima selten berichtet wird: Loyalität jenseits von Identitätsgrenzen.

Bobpilot Adam Edelman bat nach der Disqualifikation seines Teams durch das eigene Land um Entschuldigung und erklärte, man habe es für den »drusischen Bruder« getan, der sich seinen Platz im Team verdient hatte. Darauf sei er stolz, sagte Edelman, und übernehme die Verantwortung. Das ist keine Ausrede, sondern ein Bekenntnis.

Ward Fawarseh wäre zum ersten Mal ein drusisch-israelischer Sportler bei Olympischen Winterspielen angetreten.

In einer Zeit wachsender internationaler Isolation Israels und zunehmender Anfeindungen gegen Israelis und Juden ist ein jüdisch-drusisches Team das Gegenteil der gängigen Narrative. Es ist gelebte Koexistenz. Mit Ersatzfahrer Ward Fawarseh wäre zum ersten Mal ein drusisch-israelischer Sportler bei Olympischen Winterspielen angetreten. Als nominierter Ersatz hätte er jedoch nur beim Ausfall eines regulär gemeldeten Bobfahrers starten dürfen. Also täuschte das Team vor, dass jemand erkrankt war. Seine jüdischen Mitathleten wollten unbedingt, dass Fawarseh startet, und riskierten dafür alles.

Umso bitterer, da sich die Olympioniken aus Israel antisemitischen Beleidigungen und feindseligem Verhalten ausgesetzt sahen. Der Sport, der sich gern als unpolitische Insel der Fairness inszeniert, zeigte erneut seine Schattenseiten. Israelische Athleten werden für politische Konflikte verantwortlich gemacht, für die sie nichts können. Wenn sie jedoch Solidarität zeigen, bleibt das Echo aus.

Lesen Sie auch

Natürlich: Eine falsche Angabe bleibt eine falsche Angabe, und Institutionen können nicht nach Sympathie entscheiden. Allerdings erschöpft sich Moral nicht in Paragrafen. Es gibt Momente, in denen Menschen Regeln brechen, weil sie höheren Werten folgen. Der Skandal des Bobteams ist deshalb weniger eine Geschichte über Täuschung als eine über Mut und Mitgefühl – und über Brüderlichkeit in einem Land, dessen Vielfalt oft übersehen wird. Dies ist nicht nur schade, sondern ganz und gar unfair.

Die Autorin ist Israel-Korrespondentin der Jüdischen Allgemeinen.

Großbritannien

Applaus für britischen Außenminister von der Hamas

Ein hochrangiger Funktionär der Terrorgruppe begrüßt die Sanktionen, mit denen das Vereinigte Königreich Israel belegt hat. Das sei ein »wichtiger Schritt in die richtige Richtung«

 10.09.2026

Sachsen-Anhalt-Wahl

Nach AfD-Sieg: Cem Özdemir rief jüdische Gemeinden an

Der Ministerpräsident versicherte, dass sie in Baden-Württemberg nicht auf gepackten Koffern sitzen müssten

 10.09.2026

Bayern

Jugendlicher bestreitet Anschlagspläne auf Synagoge

Ein 16-Jähriger steht in Augsburg wegen Planung eines Anschlags vor Gericht. Ihm werden schwere Straftaten vorgeworfen. Das Verfahren läuft unter Ausschluss der Öffentlichkeit

 10.09.2026

Rosch Haschana

Neujahrswünsche von Friedrich Merz und Johann Wadephul

Zum jüdischen Neujahrsfest schicken der Bundeskanzler und der Bundesaußenminister Grußbotschaften an die jüdischen Gemeinden

 10.09.2026

Krieg

Iran bereit für »Blitzoffensive«

Die iranische Militärführung betont ihre Bereitschaft zu schnellen Einsätzen im ganzen Land. Was Kommandeur Hassansadeh über Motivation und Strategie sagt

 10.09.2026

Erinnerung

Gedenkstätten-Leiterin wünscht sich stärkere Wirkung in Gesellschaft

Die Angebote von Gedenkstätten müssen nach Ansicht der niedersächsischen Stiftungsgeschäftsführerin Elke Gryglewski verständlicher werden. Sie fordert neue Zugänge zum Blick auf die NS-Zeit für breite Bevölkerungsschichten

von Charlotte Morgenthal  10.09.2026

Mecklenburg-Vorpommern

SPD nähert sich in Umfragen der AfD

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig präsentiert sich im Landtagswahlkampf als »die Frau gegen Blau«. In den Umfragen legt sie zu

 10.09.2026

Aufruf

Jüdische und christliche Jugendorganisationen warnen vor der AfD

Nach den Wahlen ist vor den Wahlen: Auf den AfD-Erfolg in Sachsen-Anhalt könnte bald ein zweiter in Mecklenburg-Vorpommern folgen. Die Sorge darüber vereint junge Menschen christlicher und jüdischer Herkunft

 10.09.2026

Sachsen-Anhalt

Charlotte Knobloch: »Die AfD ist rechtsextrem«

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern äußert sich »bis ins Tiefste entsetzt« über den AfD-Wahlerfolg und plädiert erneut für ein Verbotsverfahren gegen die Partei

 10.09.2026