Olympische Winterspiele

»Ganz Israel kann stolz sein«

Herr Edelman, zum ersten Mal nimmt ein israelisches Bob-Team an Olympischen Winterspielen teil. Was bedeutet das für Sie – und wer gehört zur Mannschaft?
Das Team besteht aus Menachem Chen, Ward Fawarseh, Omer Katz, Itamar Shprinz, Uri Zisman und mir. Es ist wundervoll, historisch und ein spektakulärer Moment. Der Weg hierher war schwierig. Als neue Nation in einer Wintersportart bei Olympischen Spielen anzutreten, gilt fast als unmöglich. Doch wir haben es als Team gemeinsam geschafft!

Was sind Ihre sportlichen Ziele bei diesen Wettkämpfen?
Wir starten mit einem riesigen Nachteil. An den ersten beiden Trainingstagen waren wir nicht auf der Bahn. Während andere Teams rund 50 Trainingsläufe absolvierten, kamen wir auf neun. Aber auf dieser Bahn zu fahren, ist so besonderes. Unser Ziel ist es, unter die Top 20 zu kommen oder nah dran. Wir wollen, dass Kinder zuschauen und denken: »Das können wir auch, und sogar besser.« Wir sind die Ersten – aber wir wollen nicht die Einzigen bleiben.

»Was wir mit gerade einmal sechs Trainingsläufen erreicht haben, hat so noch niemand geschafft.«

Die Bahn in Cortina D’Ampezzo gilt als besonders schwierig. Was sind die Hürden?
Der größte Gegner ist unsere fehlende Erfahrung. Jede Runde macht einen besser, doch die zwei Trainingstage fehlen uns. Wir versuchen das mit Teamgeist zu kompensieren. Andere Teams haben etwa zehn Trainer und Mechaniker, bei uns übernehmen die Athleten diese und andere Rollen. Wir filmen uns gegenseitig, geben uns Feedback, diskutieren jede Kurve. Ich sitze oft bis spät in die Nacht und studiere die Bahn.

Wie erleben Sie die Atmosphäre der Spiele und das Olympische Dorf als israelische Teilnehmer?
Das Olympische Dorf ist für uns ein Ort zum Entspannen, die meiste Zeit arbeiten wir aber sehr hart. Man kann sagen, wir seien im Zweierbob als Letzte ins Ziel gekommen – aber wir sind die Letzten unter den Allerbesten der Welt! Das allein ist eine verrückte Leistung. Unser Team hat olympisches Niveau. Was wir mit gerade einmal sechs Trainingsläufen erreicht haben, hat so noch niemand geschafft. Mit denselben Ressourcen wie alle anderen würden wir diese Bahn rocken. Ich bin so stolz – und ganz Israel kann ebenfalls stolz sein.

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Erleben Sie Anfeindungen oder Antisemitismus?
Es gab Sportler, die uns während der gesamten Saison extrem feindlich begegnet sind, doch wir lassen uns davon nicht bestimmen. Wir konzentrieren uns auf die Rennen und haben nur das Positive im Blick: Wir sind glücklich, für Israel anzutreten.

Wie ist die Unterstützung aus der Heimat?
Die Unterstützung ist überwältigend. Es fühlt sich an wie eine Explosion der Begeisterung. Die Menschen verstehen, dass das, was wir erreicht haben, phänomenal ist. Wir spüren diesen Rückhalt. Wir fühlen uns gesegnet.

Mit dem Piloten des israelischen Bob-Teams sprach Sabine Brandes.

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