Meinung

NPD: Horch, sie lebt!

Nach der Landtagswahl in Niedersachsen ist zu hören, dass die NPD eine sterbende Partei sei. Was in der großen Draufsicht stimmen mag, trifft nicht mehr zu, wenn man genau hinschaut. In unserem Ort, der kleinen Stadt Lübtheen in Mecklenburg-Vorpommern, spielt die NPD eine große Rolle, und Lübtheen ist in unserem Bundesland kein Einzelfall. Ich plädiere also weiterhin für ein Verbot dieser verfassungsfeindlichen Partei.

Es ist leider richtig, dass rechtes Gedankengut nicht durch ein Parteiverbot verschwindet. Aber die NPD unternimmt gerade mit den finanziellen Mitteln, die sie durch ihre Landtagsmandate in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen bezieht, vieles, um das rechte Gedankengut zu stärken. Ein Verbot würde die Strukturen dieser Partei nachhaltig schwächen. Wenn gesagt wird, dass die NPD weniger gefährlich sei als etwa rechtsextreme Kameradschaften, dann mag das richtig sein.

unerklärlich Aber zum einen ist sie deswegen nicht ungefährlich, und zum anderen sind die Behörden mit oder ohne NPD gefordert, bei den nicht in einer Partei organisierten Nazis genau hinzuschauen. Die juristischen Schwierigkeiten, die es angeblich macht, diese Partei endlich zu verbieten, sind auch nicht sehr glaubwürdig, wenn man sich vergegenwärtigt, wie schnell im Jahr 1956 die KPD verboten wurde. Um so unerklärlicher ist es, dass die NPD überhaupt zugelassen wurde. Es zeigt sich wieder einmal, dass man in Deutschland, besonders in den alten Bundesländern, den rechten Rand der Gesellschaft gerne ignoriert oder kleinredet.

In unserer Stadt gibt es die Bürgerinitiative »Wir für Lübtheen«, die gerade mit dem Paul-Spiegel-Preis geehrt wurde. Gegen uns hetzt die NPD Mecklenburg-Vorpommern derzeit, weil angeblich ein Werbeschild der Partei beschädigt wurde – das sei Ausweis »linken Terrors«. Dabei ist »Wir für Lübtheen« kein linkes Projekt, sondern der vom gesunden Menschenverstand getragene Wunsch der Menschen hier, dass es die NPD nicht geben darf. Unser Bündnis lebt von Spendengeldern. Die NPD hingegen bezieht mehr als eine Million Euro jährlich vom Staat. Das sind Steuergelder, die die Menschen zu zahlen haben, die unsere Initiative mit wesentlich weniger Geld unterstützen. Die NPD zu verbieten, heißt auch, es den Nazis schwerer zu machen, die Demokratie zu stören.

Die Autorin ist Bürgermeisterin der Stadt Lübtheen.

Interview

»Es fehlte am fußballerischen Können, nicht am Glück«

Sportreporter-Legende Marcel Reif über das WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft, Jürgen Klopp und die Zukunft von Julian Nagelsmann als Bundestrainer

von Michael Thaidigsmann  02.07.2026 Aktualisiert

Augsburg

Neue »Initiative Antisemitismuskritik & Theater« gegründet

Rund 60 Theaterschaffende haben in Augsburg ein neues Netzwerk gegen Judenfeindlichkeit ins Leben gerufen. Ihnen geht es etwa darum, antisemitismuskritische künstlerische Werke zu entwickeln. Und sie wollen expandieren

von Christopher Beschnitt  02.07.2026

Protest

Zehntausende Gegner des AfD-Bundesparteitags in Erfurt erwartet

Erfurt hofft auf ein gewaltfreies Wochenende: Zum AfD-Bundesparteitag in der Stadt werden zehntausende Demonstranten erwartet. Kirchen, Parteien und Bündnisse rufen zu friedlichem Protest auf. Die Polizei bereitet sich auf mögliche Störungen vor

von Matthias Thüsing  02.07.2026

Nahost

Iran besteht auf militärische Kontrolle der Straße von Hormus

Die iranische Armee verlangt, dass Schiffe nur die vom Iran festgelegte Route durch die Meerenge nutzt

 02.07.2026

Diplomatie

USA und Iran sollen Fortschritte bei indirekten Gesprächen gemacht haben

Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran erschweren eine Lösung der komplexen Konfliktlage im Nahen Osten. Nach indirekt geführten Gesprächen in Doha melden die Vermittler Fortschritte

 02.07.2026

Meinung

Was Deutschland von Albanien lernen kann

Wer immer noch überrascht tut und nicht konsequenter gegen die Mullahs vorgeht, handelt nicht nur fahrlässig, sondern lädt ihre Killer geradezu ein

von Ralf Balke  02.07.2026

Analyse

Vorteil Putin?

Früh hieß es, Russland sei einer der Profiteure des Iran-Kriegs und die Ukraine ein Verlierer. Doch das greift zu kurz

von Alexander Friedman  02.07.2026

Hintergrund

Wenn Juden- und Israelfeindlichkeit Extremisten aller Couleur vereint

Der Verfassungsschutzbericht 2025 verdeutlicht einmal mehr: Antisemitismus und Antizionismus sind der Bindekitt zwischen ansonsten inkompatiblen extremistischen Strömungen

von Michael Thaidigsmann  01.07.2026

Meinung

Warum Hessens Vorstoß mit der Meinungsfreiheit vereinbar ist

Die Landesregierung will die Leugnung des Existenzrechts Israels unter Strafe stellen. Mit einer veränderten Begründung und anderen leichten Modifikationen wäre der umstrittene Entwurf grundgesetzkonform

von Fiete Kalscheuer  01.07.2026