Antisemitismus

Nicht willkommen

Der britische Musiker und Mitbegründer von Pink Floyd steht wegen zahlreicher antisemitischer und israelfeindlicher Aussagen in der Kritik. Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

In Deutschland gebe es »eine Bewegung, die verhindern will, dass ich dort Rock ’n’ Roll spiele, mit der fadenscheinigen Begründung, dass …«, sagt Roger Waters in einem kurzen Facebook-Video von vergangenem Freitag, als plötzlich das Bild einfriert und der Schriftzug »Zensiert« erscheint. Offenbar war das, was der Pink-Floyd-Mitbegründer zu sagen hatte, nicht für die Öffentlichkeit geeignet – und schlecht gelaunt dürfte der 79-jährige Musiker allemal gewesen sein.

Am selben Tag hatte nämlich der Magistrat von Frankfurt am Main verkündet, ein für Mai in der Stadt geplantes Konzert von Waters abzusagen. Grund für den Schritt sei »das anhaltend israelfeindliche Auftreten des früheren Pink-Floyd-Frontmanns, der als einer der reichweitenstärksten Antisemiten der Welt gilt«, wie es in einer Pressemitteilung der Stadt heißt. Waters sei immer wieder »wegen antisemitischer Verschwörungstheorien« aufgefallen.

stolz »Wir sind heute besonders stolz auf unser Frankfurt«, kommentierte die jüdische Gemeinde der Stadt die Entscheidung, die die »einzig richtige« gewesen sei. Das zeige ganz klar: »In Frankfurt gibt es keinen Platz für Antisemitismus!«

Noch in vier weiteren deutschen Städten – Berlin, Hamburg, Köln und München – sind Stationen von Waters’ aktueller Tour »This Is Not a Drill« geplant. Unmittelbar als Blaupause kann die Frankfurter Entscheidung jedoch nicht dienen, da sie auf einer lokalen Besonderheit beruht: Eigentümer der angedachten Veranstaltungshalle ist die Messe Frankfurt, die wiederum im Besitz der Stadt und des Landes Hessen ist.

Noch in vier weiteren deutschen Städten – Berlin, Hamburg, Köln und München – sind Stationen von Waters’ aktueller Tour geplant.

Somit konnten Stadt- und Landesregierung den Veranstalter einfach anweisen, das Konzert wieder abzusagen. In den anderen Tour-Städten, in denen die Veranstalter Privatunternehmen sind, wäre das nicht so einfach möglich; für die Waters-Kritiker ist Frankfurt dennoch ein positiver Präzedenzfall.

beschluss »Der Beschluss der Stadt Frankfurt und Hessen zeigt, dass Antisemitismus in Kunst und Kultur nicht geduldet werden muss«, schrieb Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Diese Entscheidung müsse »ein Zeichen an alle anderen Veranstaltungsorte der Tour von Roger Waters sein«.

Erste Station Waters’ in Deutschland wird laut Plan Hamburg sein. Der Antisemitismusbeauftragte der Hansestadt, Stefan Hensel, sagte der Jüdischen Allgemeinen: »Wenn wir es mit der Bekämpfung von Antisemitismus ernst meinen, muss das Konzert auch in Hamburg abgesagt werden.«

Er begrüße daher die Frankfurter Entscheidung, sei sich aber bewusst, dass in seiner Stadt die Rechtslage anders aussieht. Dennoch ist Hensel der Meinung, Hamburg müsse »alle Möglichkeiten prüfen, um dieses Konzert zu untersagen«. Die Devise solle lauten: »Roger Waters is not welcome in Hamburg.«

bündnis Elio Adler, Vorsitzender der »WerteInitiative«, findet die Entscheidung, Waters nicht am Main auftreten zu lassen, ebenfalls richtig. Zusammen mit einer Reihe weiterer Organisationen ist sein Verein Teil eines Bündnisses, das in einem 0ffenen Brief auch die Absage aller weiteren Konzerte des britischen Musikers in Deutschland fordert.

Jochen Feilcke, Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) Berlin-Brandenburg, die den offenen Brief ebenfalls unterschrieben hat, wandte sich mit dem Anliegen auch an die Berliner Parteien: »Ihre Unterschrift unter unseren offenen Brief wäre höchst willkommen und sehr hilfreich«, schrieb er. Der Jüdischen Allgemeinen bestätigte Feilcke, dass bisher nur Mario Czaja, stellvertretender Vorsitzender der Berliner FDP, seine Unterstützung des offenen Briefes angekündigt habe.

Für eventuelle weitere Konzertabsagen bleibt indes immer weniger Zeit: Das erste Konzert von Roger Waters ist für den 7. Mai in der Barclays Arena Hamburg angesetzt.

Berlin

Mehr Straftaten gegen Gedenkstätten im vergangenen Jahr

Sachbeschädigung, Volksverhetzung, Diebstahl, Hausfriedensbruch: Die Zahl der Straftaten in und gegen Gedenkstätten ist im vergangenen Jahr gestiegen

 11.05.2026

Brüssel

EU beschließt Sanktionen gegen Israel

Die Europäische Union hat eine politische Einigung für Strafmaßnahmen gegen israelische Siedler erzielt

von Michael Thaidigsmann  11.05.2026 Aktualisiert

Stuttgart/Ulm

Antrags-Scharmützel im Prozess um Angriff auf israelische Rüstungsfirma

Die Verteidigung geht im Prozess um den Angriff auf das Unternehmen Elbit weiter auf Konfrontation zur Richterin. Die Verlesung der Anklage lässt auf sich warten

 11.05.2026

Iran-Krieg

440 Kilo Uran: Zentraler Streitpunkt mit dem Iran

Es dürfte tief unter der Erde in zwei Atomanlagen lagern. Der Verbleib des hoch angereicherten Urans bleibt Hauptkonflikt mit Teheran

 11.05.2026

Wien

Eurovision-Fans werfen EBU unfairen Umgang mit Israel vor

Der Hintergrund ist diesmal eine Werbekampagne der israelischen Rundfunkanstalt KAN für den Sänger Noam Bettan und dessen Beitrag »Michelle«

 11.05.2026

Berlin

Jüdische Gemeinde übt massive Kritik an Antisemitismus-Papier der Linken

Der Gemeinde-Vorsitzende Gideon Joffe bezeichnet das Konzept der Partei als »feige« und spricht von einem »Feigenblatt«

 11.05.2026

Brandenburg

Rechtsextremistische AfD gewinnt erstmals bei Bürgermeisterwahl

In Zehdenick zieht der AfD-Kandidat René Stadtkewitz mit deutlichem Vorsprung ins Rathaus ein. Für seine Partei ist es der erste Sieg bei einer Bürgermeisterwahl in diesem Bundesland

 11.05.2026

Nahost

Drohnenangriffe in Golfstaaten verschärfen Spannungen mit Iran

Die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar und Kuwait melden Drohnenattacken, Süd-Korea einen Angriff auf ein ziviles Schiff in der Straße von Hormus

 11.05.2026

Washington D.C.

Trump weist iranisches Angebot zurück

Die Antwort des Teheraner Regimes auf einen Vorschlag der USA sei »völlig inakzeptabel!«, schreibt der amerikanische Präsident

 11.05.2026