Einspruch

Netanjahu und das Eigenlob

Martin Krauß Foto: Stephan Pramme

Niemand soll hier um irgendetwas gebracht werden. Jedem sei sein Stolz gegönnt, dass das Pariser Klimaabkommen nie ohne ihn selbst zustande gekommen wäre. Ein Beispiel, »was die amerikanische Führung erreichen kann«, sagte etwa US-Präsident Barack Obama. Und Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sprach von Israels »führender Rolle« bei der Bekämpfung des Klimawandels.

Beides mag befremdlich oder auch unangenehm formuliert sein, aber so richtig falsch ist keine dieser Einschätzungen. Allein: Das Selbstlob reicht nicht aus. Nicht nur, dass es in der Klimapolitik keine nationalstaatlichen Ausnahmen geben darf (was gewiss wieder versucht werden wird). Auch bloß staatliche, also mit Gesetzen und Höchstgrenzen operierende Regelungen genügen nicht, sondern es bedarf gesellschaftlicher Gruppen »all over the world«.

KKL Insofern ist Netanjahus großtönende Rede von Israels »führender Rolle« beinahe bescheiden: Er begründet sie nämlich nur mit den Erfolgen in der Bio- und Umwelttechnologie. Er hätte aber auch auf die Bedeutung des Umweltschutzes in Israel hinweisen können, nicht zuletzt die von JNF/ KKL. Die Organisation ist mit ihren über 100 Jahren nicht nur sympathisch modern, sondern hat im Verlauf ihrer Geschichte auch bewiesen, dass Umweltschutz den Menschen dienen kann und nicht menschlichen Bedürfnissen im Wege stehen darf: Wüstenbewässerung und Aufforstung von Wäldern ist eben Naturbeherrschung ohne Zerstörung der Lebensgrundlagen. Das ist etwas grundsätzlich anderes, als die Erde auszubeuten, bis es sich nicht mehr lohnt.

Ob der Pariser Klimakompromiss funktioniert, muss offen bleiben. Aber er verweist jetzt schon darauf, dass nicht nur die Staaten aufeinander zugehen müssen, sondern dass es auch gesellschaftlicher Kooperation bedarf. Und er zeigt, dass Länder, die das schon eine Weile lang praktizieren, durchaus zu Recht ein bisschen angeben dürfen. Besser, sie loben mit gar nicht so schlechten Argumenten ihre »führende Rolle«, als dass sie die Ziele aus den Augen verlieren.

Paris

Antisemitische Verschwörungsmythen machen Juden für Ausschreitungen verantwortlich

Die NGO Combat Antisemitism Movement untersuchte Hunderte Beiträge auf der Plattform X. Das Ergebnis ist alarmierend, aber nicht überraschend

 21.10.2026

Mirjam Zadoff

Leiterin verlässt NS-Dokuzentrum München

Die Innsbruckerin geht zum 1. März 2027 ans Haus der Geschichte Österreich in Wien

 21.10.2026

Washington D.C./Jerusalem

Trump soll Netanjahu von neuem Großangriff auf Iran abgehalten haben

Die geplante Offensive sollte umfangreicher ausfallen als der gemeinsame israelisch-amerikanische Militäreinsatz im Februar

 21.10.2026

Berlin

Demonstranten kleben sich vor Rüstungsunternehmen fest

Die Aktivisten wollen damit gegen Waffenlieferungen nach Israel protestieren

 21.10.2026

Berlin/Augsburg

Volker Beck: Agieren von Grünen und SPD »unverständlich«

»Bei der Berliner Linken hat keine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Judenhass und Antizionismus in den eigenen Reihen stattgefunden«, sagt der DIG-Präsident

 21.10.2026

Jerusalem

Schicksalswahl in Israel: Es geht um mehr als Netanjahu

Kann der heutige Ministerpräsident trotz des Versagens vom 7. Oktober und dreier harter Kriegsjahre seine Macht behaupten? Oder gelingt es der liberaleren Opposition, ihn nach Jahren an der Regierungsspitze abzulösen?

von Sara Lemel  21.10.2026

Diether Dehm

Nach Auftritt mit Höcke

Strafbefehl gegen Diether Dehm wegen SA-Parole

Björn Höcke wurde wegen der Verwendung der Parole »Alles für Deutschland« bereits rechtskräftig verurteilt. In einem Interview mit dem AfD-Mann wiederholte der frühere Linken-Politiker Diether Dehm diese Worte und soll dafür nun 9000 Euro zahlen

 20.10.2026

Reaktionen

Ein Hausmeister für die Mullahs

Die Bundesregierung habe zu lasch auf die iranischen Mordkomplotte in Deutschland reagiert, finden jüdische und pro-israelische Organisationen. Sie fordern tiefgreifende Konsequenzen

von Stefan Laurin  20.10.2026

Würzburg

Zentralratspräsident Josef Schuster kandidiert erneut

Der Würzburger Internist will auf der Ratsversammlung des Zentralrats der Juden am 29. November für weitere vier Jahre antreten

 21.10.2026 Aktualisiert