Potsdam

Nach Gutachten: Rücktrittsforderungen gegen Homolka

Massiv in der Kritik: Rabbiner Walter Homolka Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress

Die Kritik an Rabbiner Walter Homolka wird lauter. Nachdem die Untersuchungskommission der Universität Potsdam den Vorwurf des Machtmissbrauchs gegen ihn bestätigt hat, fordern mehrere Lehrende und Studierende der Universität Homolkas Rücktritt von seiner Professur für Jüdische Philosophie.

Darüber hinaus hat sich auch der Beirat des jüdischen Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerks (ELES) von Homolka distanziert, der sein Amt als Vorsitzender des Begabtenförderwerks derzeit ruhen lässt.

Die universitäre Untersuchungskommission war im März einberufen worden, um die Vorwürfe unter anderem des Machtmissbrauchs sowie der Duldung sexualisierter Belästigung gegen Homolka zu prüfen. Das Fehlverhalten wurde Homolka im Kontext seiner Tätigkeit als Leiter des Abraham Geiger Kollegs (AGK), ein An-Institut der Universität Potsdam zur Ausbildung liberaler Rabbiner, und als Professor an der »School of Jewish Theology« vorgeworfen.

Angst In ihrem am Mittwoch vorgestellten Bericht, für den etwa 20 Personen interviewt worden waren, bestätigte die Kommission den Vorwurf des Machtmissbrauchs und sprach von einem »Klima der Angst«, das Homolka geschaffen habe.

»Trotz seiner Mängel entlastet der Bericht Homolka kaum.«

Professor jonathan schorsch

Der Verdacht der Duldung sexualisierter Belästigung, die von seinem Ehemann und damaligen Mitarbeiter des AGK ausgegangen sein soll, habe sich dagegen angeblich nicht erhärtet. Die Grundlage für ein Disziplinarverfahren gegen Homolka sehe die Kommission nicht gegeben. Damit kann Homolka weiter seinen Tätigkeiten an der Potsdamer Universität nachgehen.

Jonathan Schorsch, ebenfalls Professor an der »Jewish School of Theology« und einer der Urheber der Vorwürfe gegen Homolka, kritisiert den Bericht der Kommission. Diese habe »die Fakten über Homolkas institutionelle Manipulationen und sein Verhalten so wohlwollend wie möglich« ausgelegt, sagte er auf Anfrage der Jüdischen Allgemeinen.

Schorsch nennt Homolka eine »korrupte, eigennützige, böswillige und reuelose Person«.

»Doch trotz seiner Mängel entlastet der Bericht Homolka kaum«, so der aus den USA stammende Professor. Er finde es »empörend, dass diese korrupte [im Sinne von moralisch verwerflich; Anm. der Redaktion], eigennützige, böswillige und reuelose Person darauf besteht, dass sie qualifiziert ist, in der jüdischen Gemeinschaft zu lehren oder etwas zu leiten«. Homolka fehle »es völlig an den grundlegenden Qualitäten, die für einen Rabbiner erforderlich sind«.

Petition Schorsch gehört zu den ersten Unterzeichnern einer am Donnerstag veröffentlichten Petition, in der der Rücktritt Homolkas von seiner Professur an der Universität Potsdam gefordert wird. Darin heißt es mit Bezug auf den Kommissionsbericht: »Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit oder Studium mit Prof. Walter Homolka halten wir für unmöglich.« Das Vertrauensverhältnis sei »nachhaltig gestört«.

Unter den Unterzeichnern sind mehrere Studierende, die in Potsdam Jüdische Studien beziehungsweise am Abraham Geiger Kolleg oder dem Zacharias Frankel College, eine Ausbildungsstätte für konservative Rabbiner, der Homolka ebenfalls vorsteht, studieren.

Schorsch, der auf den Erfolg der Petition hofft, sagte der Jüdischen Allgemeinen: »Ich und viele andere freuen sich auf den Tag, an dem das deutsche Judentum frei von Missbrauchern und Betrügern wie Homolka sein wird.«

Homolka hatte nach der Veröffentlichung der Vorwürfe gegen seine Person die meisten seiner zahlreichen Ämter ruhen lassen.

Homolka hatte nach der Veröffentlichung der Vorwürfe gegen seine Person die meisten seiner zahlreichen Ämter ruhen lassen, darunter auch den Vorstandsvorsitz des Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerks. Wie der Jüdischen Allgemeinen aus ELES-Kreisen bestätigt wurde, distanzierte sich der Beirat von ELES nach Bekanntwerden des Kommissionsberichts von Homolka.

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Er sprach zudem die Empfehlung aus, ihn nicht mehr in sein Amt zurückkehren zu lassen. Die Entscheidungshoheit über den Verbleib Homolkas obliegt dem ELES-Vorstand, der sich bisher noch nicht zu dem Vorschlag seines Beirats, dem nur eine beratende Funktion zukommt, geäußert hat.

Neider In einem Interview mit der »Zeit« hatte Homolka indes jegliches Fehlverhalten bestritten. »Ja, ich war Chef und hatte Macht. Doch Machtgebrauch ist nicht schon Machtmissbrauch«, sagte er am Donnerstag der Zeitung. Er sei »kein Vertuscher und kein Belästiger«, auch wenn die Strukturen des AGK »vielleicht nicht ideal« gewesen seien.

Die Berichterstattung der Tageszeitung »Welt«, die im Mai als Erstes über die Missbrauchsvorwürfe am AGK schrieb, nannte Homolka »Rufmord«. Doch ihm sei klar: »Wenn man etwas schafft im Leben, dann hat man auch Neider.« ja

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