Frankfurt am Main

Nach Antisemitismusvorwurf gegen RTL: Experte fordert Schulungen in Medien

Foto: picture alliance / HMB Media

Nach Antisemitismusvorwürfen gegen RTL hat der Experte Samuel Stern von der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt am Main mehr Schulungen gegen Antisemitismus und Rassismus für Medienschaffende gefordert. »Das aktuelle Beispiel mit Gil Ofarim zeigt, dass sich Medien und Fernsehsender zu wenig mit dem Thema Antisemitismus auseinandersetzen«, sagte Stern. Antisemitismus sei ein gesamtgesellschaftliches Problem, davon seien Medien und auch Satire nicht ausgenommen.

Hintergrund sind Antisemitismusvorwürfe gegen RTL und den Moderator Stefan Raab. In einem Einspieler in einer Sonder-Sendung der »Stefan Raab Show« am 27. Januar soll dem jüdischen Sänger Gil Ofarim unterstellt worden sein, ein »Betrüger-Gen« zu haben, das er von seinem fiktiven »Onkel Samuel« geerbt habe. Nach Kritik stellte RTL den Einspieler offline. Den Vorwurf des Antisemitismus wies der Sender entschieden zurück, kündigte aber an, Inhalte in Zukunft noch sensibler daraufhin zu prüfen, »welche Deutungen sie ermöglichen«.

Zuerst berichtete die »Jüdische Allgemeine« darüber. Der 27. Januar ist der Internationale Holocaust-Gedenktag.

Klassisches antisemitisches Vorurteil

Stern erklärte, dass mit dem sogenannten Betrüger-Gen ein klassisches antisemitisches Vorurteil bedient werde: Ofarim werde damit unterstellt, dass er, weil er Jude ist, genetisch dazu veranlagt sei, zu lügen und zu betrügen und dies unabänderlich sei. »Wie so oft werden unter dem Vorwand der Satire antisemitische Stereotype reproduziert«, kritisierte Stern.

Lesen Sie auch

RTL hatte am Mittwoch erklärt, dass sich der Beitrag mit der Person Gil Ofarim und seinem öffentlichen Auftreten im Kontext der bekannten Betrugsvorwürfe auseinandersetze. »Anlass für die humoristisch überspitzte Befassung mit seiner Person war ausschließlich dieses Verhalten und die mediale Inszenierung der eigenen Person.«

Ofarim hatte 2021 behauptet, von einem Mitarbeiter eines Leipziger Hotels antisemitisch beleidigt worden zu sein und hielt zwei Jahre lang an der Aussage fest. Ein Strafverfahren gegen den Sänger wegen Verleumdung war 2023 nach einem Geständnis Ofarims gegen Zahlung einer Geldauflage eingestellt worden. Ofarim entschuldigte sich zudem bei dem Hotel-Mitarbeiter.

Stern sagte, dass selbst das Fehlverhalten Ofarims nicht rechtfertige, dass er antisemitisch beleidigt werde. »Gil Ofarim muss es natürlich aushalten, wenn er öffentlich für seine Taten kritisiert wird«, gab der Experte zu bedenken. Hier sei jedoch eine Grenze überschritten. »Antisemitismus ist niemals eine legitime Form der Kritik.« epd

Leer

Holocaust-Überlebender Weinberg mit 101 Jahren gestorben

Albrecht Weinberg hat drei Konzentrationslager und Todesmärsche überlebt. Für Aufsehen sorgte er mit der Rückgabe des Bundesverdienstkreuzes. Nun ist er in Leer gestorben

 12.05.2026

Berlin

Verfassungsschutz will über Antisemitismus aufklären

Wassermelone, Krake und Demo-Parolen: Der Verfassungsschutz erklärt, welche Symbole und Slogans seiner Einschätzung nach auf Extremismus und Antisemitismus hindeuten können.

 12.05.2026

Brüssel

Pride Parade nimmt Auflagen für jüdische Teilnehmer zurück

Eine Gruppe war mitgeteilt worden, ihre Mitglieder dürften weder Davidsterne noch das Wort »jüdisch« auf Bannern oder Symbolen zeigen

 12.05.2026

New York

Festnahmen bei Zusammenstößen vor Synagoge in Brooklyn

Israelfeindliche Demonstranten skandieren »Palästina gehört nur uns« und »Fuck Israel«. Es kommt zu Rangeleien mit Gegendemonstranten

 12.05.2026

Meinung

Wer definiert das Judentum?

Die Theologische Fakultät der Universität Freiburg im Üechtland verleiht dem messianischen Rabbiner Mark S. Kinzer die Ehrendoktorwürde. Das belastet das jüdische Verhältnis zu einem katholischen Partner

von Zsolt Balkanyi-Guery  12.05.2026

Nahost

Bericht: Vereinigte Arabische Emirate griffen den Iran heimlich an

Eine der Attacken soll Anfang April ein großes Feuer auf einer Raffinerie auf der iranischen Insel Lavan verursacht haben

 12.05.2026

Washington D.C.

Trump erwägt neue Militärschläge gegen Iran

Der US-Präsident bezeichnete die Antwort Teherans auf seinen jüngsten Vorschlag für eine dauerhafte Waffenruhe als »Müll«

 12.05.2026

Essay

Warum ich Zionist bin

Heute ist Zionismus für viele ein Schimpfwort und gleichbedeutend mit Rassismus. Da muss eine Verwechslung vorliegen. Antizionismus ist Rassismus. Der Zionismus ist die selbstverständlichste Antwort auf zweitausend Jahre Verfolgung, Vertreibung und Völkermord

von Mathias Döpfner  12.05.2026

Berlin

Mehr Straftaten gegen Gedenkstätten im vergangenen Jahr

Sachbeschädigung, Volksverhetzung, Diebstahl, Hausfriedensbruch: Die Zahl der Straftaten in und gegen Gedenkstätten ist im vergangenen Jahr gestiegen

 11.05.2026