Pittsburgh

»Mitten ins Herz«

Rabbinerin Gesa Ederberg Foto: Uwe Steinert

Frau Rabbinerin, die Synagoge »Tree of Life«, wo am Schabbat elf Menschen ermordet wurden, gehört zur Masorti-Strömung – wie Ihre Synagoge in Berlin. Haben Sie Kontakte nach Pittsburgh?
Ich kenne den früheren Rabbiner der Synagoge, Alvin Berkun, er war auch schon in der Oranienburger Straße zu Besuch. Eigentlich geht er jede Woche zum Gottesdienst in Pittsburgh und sitzt in der Reihe der elf Menschen, die ermordet wurden. Das waren die Minjan-Leute der Synagoge, die alten Herrschaften, die nicht nur am Schabbat kommen, sondern auch unter der Woche. Er war aber an diesem Schabbat nicht in der Synagoge, weil seine Frau wegen einer Operation im Krankenhaus liegt.

Konnten Sie mit ihm sprechen? Wie geht es ihm?
Ich habe mit seinem Sohn gesprochen. Der Rabbiner ist natürlich völlig am Boden. Die Opfer waren seine Freunde, seine täglichen Mitbeter. Das trifft mitten ins Herz der Gemeinde.

Wie kommt dieser Schock auf unserer Seite des Atlantiks an?

Das betrifft auch uns. Auf jeden Fall. Ich gehe davon aus, dass viele Menschen am Schabbat auch in Deutschland eine Synagoge aufsuchen werden, um Trost und Gemeinschaft zu finden.

Sie haben eine Zeit in den USA gelebt und noch viele Kontakte. Ist dort jetzt eine Diskussion darüber in Gang gekommen, ob Synagogen stärker gesichert werden sollten, so wie in Europa?
Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich US-Synagogen in »Festungen« verwandeln. Bei den Gedenkveranstaltungen, zur Hawdala oder danach, waren Synagogen teilweise so voll, dass Leute bis auf die Straße standen, wo auch gebetet wurde. Ich höre von meinen Kollegen, dass sie zu diesen Veranstaltungen ihre christlichen und muslimischen Partner aus dem interreligiösen Dialog und der Nachbarschaft einladen. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass man angesichts dieser Solidarität die Türen schließt.

Der Attentäter hatte vor dem Anschlag gepostet, Juden brächten Flüchtlinge ins Land, die angeblich Landsleute »töten«. Befürchten Sie Konsequenzen solcher Verschwörungstheorien auch bei uns?
Irre, die Juden für irgendetwas verantwortlich machen, gibt es ständig. Wenn Hass und Fremdenfeindlichkeit um sich greifen, dann ist der Antisemitismus nicht weit.

Auch die Orthodoxe Rabbinerkonferenz Deutschland (ORD) hat ihr Mitgefühl mit den Opfern ausgedrückt, die in der Synagoge ermordet wurden. Israels Oberrabbiner David Lau äußerte sich zuvor betroffen, nannte aber »Tree of Life« einen »Ort mit klarer jüdischer Richtung« ...
Es ist völlig egal, um welche Richtung im Judentum es ging – der Täter hat Juden gemeint. Ich habe mich über die Reaktion der Kollegen von der ORD sehr gefreut.

Mit der Berliner Gemeinderabbinerin sprach Ayala Goldmann.

Justiz

Meinungsfreiheit ist kein Freibrief: Zur Leugnung des Existenzrechts Israels

Eine Klarstellung von Nathan Gelbart

von Nathan Gelbart  01.09.2026

Kommentar

Intifada-Party bei der Linken

Für Elif Eralp, die Spitzenkandidatin der Linken bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl, kommt der jüngste Antisemitismus-Skandal ihrer Partei zur Unzeit. Doch ihre Empörung wirkt unglaubwürdig

von Ralf Balke  01.09.2026

Karlsruhe

Mutmaßliche Unterstützer rechtsextremer Terrorgruppe angeklagt

Zwei Jugendliche stehen im Verdacht, die »Letzte Verteidigungswelle« unterstützt und einen Anschlag auf eine Asylunterkunft versucht zu haben. Die Bundesanwaltschaft will sie in Jena vor Gericht sehen

 01.09.2026

Helsinki/Genf

Finnland beendet UNRWA-Finanzierung

Die Regierung in Helsinki will die Hilfsgelder für die palästinensischen Gebiete nicht streichen, sondern künftig über Organisationen weiterleiten, die nicht von der Hamas unterwandert sind

 01.09.2026

Tino Chrupalla, Bundesvorsitzender der AfD, spricht bei dem Wahlkampfauftritt in Grimmen (Mecklenburg-Vorpommern), 28. August

Berlin/Heidelberg

Verdacht der Volksverhetzung: Dachorganisation der Sinti und Roma zeigt Tino Chrupalla an

Es geht um eine Äußerung des AfD-Chefs bei einer Wahlkampfveranstaltung in Mecklenburg-Vorpommern

 01.09.2026

Madrid

Ceuta-Ansturm: Spanien erhebt Vorwürfe in Richtung Moskau und Jerusalem

Der spanische Regierungschef beschuldigt Netzwerke mit »Verbindungen zu Russland und Israel«, mit Falschmeldungen den Massenandrang auf die Nordafrika-Exklave angeheizt zu haben

 01.09.2026

New York

Met-Gala: Ausstellung mit umstrittenem Designer Galliano abgesagt

Das Event sollte eine Ausstellung zu Ehren des Designers eröffnen. Doch nach der Ankündigung hagelte es wegen des jüngsten Antisemitismus-Vorfalls Kritik

 01.09.2026

Berlin

Grünen-Politiker antisemitisch beschimpft und angegriffen

Daniel Eliasson sagt, der Täter habe versucht, ihn ins Gesicht zu boxen und ihn als »scheiß Juden« beschimpft

 01.09.2026 Aktualisiert

Berlin

Neuer Antisemitismus-Eklat: Zentralrat der Juden übt scharfe Kritik an Linkspartei

Knapp drei Wochen vor der Wahl zum Berliner Angeordnetenhaus sorgt der jüngste Skandal nun auch bei den möglichen Koalitionspartnern SPD und Grünen für Unruhe

 01.09.2026