Erinnerungskultur

Mit Hakenkreuz und Adler

In deutschen Kirchen hängen noch etwa zwei Dutzend Glocken mit Bezug zur NS-Zeit. (im Bild: die sogenannte »Hitler-Glocke« im pfälzischen Herxheim) Foto: dpa

Der Streit um die Hakenkreuz-Glocke in der evangelischen Michaelkirche im niedersächsischen Faßberg dauert an. Bei einer von rund 250 Menschen besuchten Bürgerversammlung am Freitagabend prallten in einer emotional geführten Diskussion die Meinungen aufeinander.

Hintergrund ist der Beschluss des Kirchenvorstandes, die Glocke aus dem Jahr 1938, die mit zwei Hakenkreuzen und einem Adler der Luftwaffe versehen ist, gegen eine neue Glocke auszutauschen. Daraufhin sammelte eine Initiative in der 6100 Einwohner zählenden Gemeinde 1600 Unterschriften für die weitere Nutzung der alten Glocke.

symbol Hans Stenmans, Sprecher der Gruppe Pro Glocke, forderte eine Kirchenmitgliederversammlung, in der die Teilnehmer über die Zukunft der Glocke entscheiden sollen. Im Jahr 2017 habe der Kirchenvorstand noch gesagt, dass die Glocke weiter läuten solle, kritisierte Stenmans. Rudolf Hensch von der Interessengemeinschaft Erinnerungskultur hingegen sagte, es sei unerträglich, dass unter dem Symbol einer Ideologie, die die Welt ins Verderben geführt habe, das Vaterunser gebetet werde.

Historiker betonten in Vorträgen die besondere Bedeutung Faßbergs. In unbewohnter Gegend wurden hier 1935 im Auftrag des Reichsluftfahrtministeriums ein Fliegerhorst und eine Kampffliegerschule errichtet. Erst einige Jahre später entstand für die Soldaten und ihre Angehörigen eine Siedlung, zu der auch die einzige Kirche für die NS-Luftwaffe gehörte.

Mareike Rake, Direktorin des Landeskirchlichen Archivs und der Bibliothek des Landeskirchenamtes Hannover, sagte, das wirklich Sensationelle in der Kirchengeschichte Faßbergs sei nicht die Tatsache, dass die Kirchenglocke hier ein Hakenkreuz trage. »Sensationell ist vielmehr die Tatsache, dass in der nationalsozialistischen Luftwaffensiedlung eine Kirchenglocke läutete.« Diese Glocke sei einzigartig und müsse erhalten werden – aber nicht in ihrer bisherigen Funktion, sondern beispielsweise als Ausstellungsgegenstand.

Dokument Dafür sprach sich auch der Militärhistoriker Frank Hagemann aus, Leiter der Abteilung Bildung im Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr in Potsdam. »So ein Objekt ist hervorragend geeignet, um die Geschichte Faßbergs zu zeigen«, betonte Hagemann.

Den aus dem Publikum geäußerten Vorschlag, die Glocke weiter läuten zu lassen und die Hakenkreuze zu entfernen, lehnten die Historiker ab. »So ein einmaliges Dokument darf nicht zerstört werden«, sagte Archiv-Direktorin Rake. Die hannoversche Landeskirche hatte sich bereiterklärt, die Kosten für eine neue Glocke zu übernehmen.

In deutschen Kirchen hängen Medienberichten zufolge noch etwa zwei Dutzend Glocken mit Bezug zum Nationalsozialismus. Mindestens 21 Exemplare hängen demnach in evangelischen Kirchen, zwei weitere in einer katholischen Kirche. Andernorts, wie im saarländischen Hanweiler oder im niedersächsischen Schweringen, entschied man sich dafür, die Hakenkreuz-Glocken zu entfernen.

Zentralrat Im pfälzischen Herxheim hatte im Februar der Ortsgemeinderat beschlossen, die umstrittene »Hitler-Glocke« in der evangelischen Kirche des Ortes hängen zu lassen. Dies hatte der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, scharf kritisiert. »Die Entscheidung des Gemeinderats von Herxheim macht mich fassungslos. Sie zeugt von einer tiefen Respektlosigkeit gegenüber allen Opfern des Nationalsozialismus«, sagte Schuster.

Im Laufe der Debatte hatte sich auch die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) für ein Abhängen der sogenannten Hitler-Glocke ausgesprochen. Auch die Evangelische Kirche der Pfalz befürwortet den Austausch von Glocken mit anstößigen Inschriften aus der Zeit des Nationalsozialismus. Zur finanziellen Unterstützung betroffener Gemeinden stellt die Kirche 150.000 Euro zur Verfügung. epd/ja

Washington

Berichte: Iran bricht Kontakt mit US-Seite ab

Wenige Stunden vor Ablauf seines Ultimatums droht US-Präsident Trump dem Iran mit harschen Worten. Laut Berichten zieht Teheran daraus Konsequenzen

 07.04.2026

New York

Russland und China stimmen gegen UN-Resolution zur Straße von Hormus

Seit dem Beginn der amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran ist die Meerenge für die Handelsschifffahrt weitgehend blockiert. Eine UN-Resolution zur Entschärfung der Lage ist nun gescheitert

 07.04.2026

Washington

Trump: »Eine ganze Zivilisation wird heute Nacht untergehen«

Mit Drohungen hat der US-Präsident bereits in den Tagen vor Ablauf seiner Frist versucht, den Druck auf den Iran zu erhöhen. Nun legt er noch einmal nach

 07.04.2026

Berlin

Antisemitismusbeauftragter gegen »Kufiyas in Buchenwald«

Vor dem Gedenken an die Befreiung des früheren NS-Konzentrationslagers wird über angekündigten propalästinensischen Protest gestritten. Felix Klein solidarisiert sich mit der Gedenkstättenleitung

 07.04.2026

Teheran

Landesweite Angriffe auf Verkehrsinfrastruktur im Iran

Mehrere Autobahnen und Eisenbahnbrücken wurden angegriffen. Israels Premierminister Netanjahu bestätigt die Angriffe und sagt, dass die Ziele von den Revolutionsgarden genutzt würden

 07.04.2026 Aktualisiert

Teheran

Iran meldet Angriff auf Eisenbahnbrücke

Israels Militär droht mit Angriffen auf das iranische Schienennetz. Nur wenige Stunden später meldet der Iran die Bombardierung einer Eisenbahnbrücke

 07.04.2026

Israel

Zeit, Zionist zu sein!

Fünf Gründe, den jüdischen Staat zu lieben – mit all seinen Stärken und Schwächen

von Daniel Neumann  07.04.2026

Iran-Krieg

Medien: USA greifen Dutzende Ziele auf Ölinsel Charg an

Bereits Mitte März hat das US-Militär die Insel Charg im Persischen Golf bombardiert. Nun berichten US-Medien über neue Angriffe

 07.04.2026 Aktualisiert

Türkei

Schüsse vor Israels Konsulat in Istanbul – Ein Angreifer tot

Vor dem israelischen Konsulat in Istanbul sind Schüsse gefallen. Einer von drei Angreifern wird nach offiziellen Angaben getötet. Was steckt dahinter?

 07.04.2026 Aktualisiert