Am Freitag ist es zu einem Angriff auf einen Gottesdienst in der New Yorker Central Synagogue gekommen. Neue Einzelheiten über das Geschehen kamen nun ans Licht, während sich die Debatte über den Schutz jüdischer Einrichtungen verschärft. Gegen den 46-jährigen Larry Montes aus der Bronx wurden mehrere Anklagen wegen Hassverbrechen erhoben.
Montes soll am Freitagabend während des Schabbat-Gottesdienstes in die Synagoge in Manhattan eingedrungen sein und die Gemeinde gestört haben. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft ging er auf den Rabbiner zu, behauptete, er sei »Gott«, beschädigte Eigentum und bezeichnete die anwesenden Gläubigen als »falsche Juden«.
Anschließend soll Montes eine 63-jährige Besucherin ins Gesicht geschlagen haben. Als ein Sicherheitsmitarbeiter eingriff, um ihn aus dem Gebäude zu bringen, habe Montes den Mann angespuckt und mit dem Kopf gestoßen. Dabei soll er den schwarzen Beamten rassistisch beleidigt haben.
»Religiöse Motive«
Nach seiner Festnahme soll der Verdächtige gegenüber den Ermittlern eingeräumt haben, für den Vorfall verantwortlich zu sein. Dabei habe er angegeben, religiöse Motive zu haben und eine ausgeprägte Abneigung gegenüber Juden und Schwarzen zu empfinden.
Montes wurde am Samstag einem Richter vorgeführt. Ihm werden unter anderem Körperverletzung als Hassverbrechen sowie Sachbeschädigung als Hassverbrechen vorgeworfen. Der Richter setzte die Kaution auf 10.000 Dollar in bar beziehungsweise 30.000 Dollar als Sicherheitsleistung fest. Der nächste Gerichtstermin ist für Donnerstag angesetzt.
Der Vorfall beschäftigt inzwischen auch jüdische Sicherheitsorganisationen in New York. Mitchell Silber, Chef der Community Security Initiative (CSI), erklärte, die Organisation stehe mit den Verantwortlichen der Central Synagogue in Kontakt und arbeite an zusätzlichen Empfehlungen für jüdische Gemeinden.
Hohes Sicherheitsniveau
Eine der Schwierigkeiten bestehe darin, Synagogen für die Öffentlichkeit zugänglich zu halten und gleichzeitig ein hohes Sicherheitsniveau zu gewährleisten. Montes habe beim Betreten des Gebäudes zunächst keinen unmittelbaren Anlass gegeben, ihn aufzuhalten. Den Sicherheitskräften sei jedoch aufgefallen, dass er ihnen unbekannt war.
Silber zufolge konnte das Sicherheitsteam die Situation dennoch schnell unter Kontrolle bringen. Die CSI will nun gemeinsam mit dem New York Police Department unter anderem untersuchen, ob Datenanalysen und Karten zur Erkennung örtlicher Häufungen von Hassverbrechen eingesetzt werden können. Dadurch könnten Polizeikräfte gezielter an Orten eingesetzt werden, an denen eine erhöhte Gefahr besteht.
Auch die Ausbildung von Gemeindemitgliedern soll eine größere Rolle spielen. Die CSI empfiehlt Synagogen, verstärkt mit dem Community Security Service zusammenzuarbeiten. Geschulte Freiwillige könnten beim Empfang von Besuchern helfen und ungewöhnliches Verhalten früher erkennen.
Gottesdienste trotz des Angriffs fortgesetzt
Am Samstag wurde der Schabbat-Gottesdienst in der Central Synagogue wie geplant fortgesetzt. Viele Gemeindemitglieder wollten gerade wegen des Angriffs teilnehmen und damit ein Zeichen setzen.
Die Central Synagogue erklärte, Hass dürfe die Gemeinde nicht davon abhalten, ihren Glauben zu leben. Rabbiner Andrew Kaplan Mandel sagte laut US-Medienberichten: »Wir dürfen nicht zulassen, dass uns jemand am Schabbat unsere Aufmerksamkeit raubt.«
Der Angriff löste parteiübergreifend Reaktionen aus. New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani bezeichnete die Tat als »erschreckend« und betonte, jeder New Yorker müsse seine Religion ohne Angst vor Gewalt ausüben können.
»Anhaltende Hetzkampagne«
Auch Gouverneurin Kathy Hochul, Generalstaatsanwältin Letitia James und Senator Chuck Schumer verurteilten den Angriff. Schumer, der ranghöchste jüdische Politiker in den USA, erklärte: »Wenn amerikanische Juden sagen, dass sie sich unsicher fühlen, dann ist das der Grund: Antisemitismus ist real und nimmt von Tag zu Tag zu.«
Der israelische Generalkonsul in New York, Ofir Akunis, stellte den Vorfall unterdessen in einen politischen Zusammenhang und sprach von einer Folge der »anhaltenden Hetzkampagne« Mamdanis. im