Wer eine differenzierte Haltung zu Israel vertritt, geht nach Worten von Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) nicht selten ein Risiko ein. »Wenn man heute abends in einer Berliner Kneipe sitzt und sich als Jude zu erkennen gibt oder auch nur eine differenzierte Haltung zu Israel vertritt, dann kann das durchaus ein Wagnis sein«, sagte Prien im Interview der »Welt am Sonntag«.
»Nicht unbedingt, weil man körperliche Gewalt befürchten müsste, aber weil man sehr schnell mit seiner Meinung in der Minderheit ist. Das ist jetzt sicher etwas zugespitzt formuliert«, räumte die Ministerin ein. Es sei aber zu beobachten, dass jemand mit einer klar proisraelischen Haltung sogar häufig ziemlich allein dastehe.
»Propagandistische Offensive«
Der Anschlag der palästinensischen Terrororganisation Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 sei nicht auf diesen Tag beschränkt. »Er war zugleich der Auftakt zu einer propagandistischen Offensive, die bis heute andauert. Ich glaube, viele unterschätzen das«, so Prien. Die Hamas sei mit dieser Strategie am Ende erfolgreich gewesen.
Dazu gehöre allerdings auch, dass die Reaktion der israelischen Regierung »in gewisser Weise« vorhersehbar gewesen sei. Es sei abzusehen gewesen, dass Israel einen solchen Angriff nicht hinnehmen und militärisch hart reagieren würde – »zunächst aus dem legitimen Recht auf Selbstverteidigung heraus, später aber auch mit Maßnahmen, über deren Angemessenheit bis heute gestritten wird«, so Prien.
Das Leid der Palästinenser und insbesondere der Kinder im Gazastreifen sei »immens«, betonte die Ministerin, die jüdische Wurzeln hat. »Ob sich diese Eskalation irgendwann noch hätte aufhalten lassen, müssen Historiker beurteilen.« kna