Stefan Hensel

Lieber Meron Mendel, das ist keine Politik mit Kettensäge. Das nennt man Demokratie!

So viel ist klar: Wenn Meron Mendel, Leiter der Bildungsstätte Anne Frank, die Politik von Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) kritisiert und vor der »Zerstörung von Abwehrdämmen« warnt, ist ihm Aufmerksamkeit sicher. Als »Politik mit der Kettensäge« bezeichnete der Frankfurter Pädagoge die Entscheidung von Prien, das Förderprogramm »Demokratie leben« umzubauen und mehrere Projekte nicht mehr zu fördern. Die Argumentation ist vertraut - Kürzungen seien ein falsches Signal, gewachsene Strukturen würden beschädigt, Präventionsarbeit geschwächt.

Man kann das so sehen. Zwingend ist es nicht. Nicht selten ist solche Kritik vielmehr ein Hinweis darauf, dass eine überfällige Korrektur tatsächlich ansetzt oder, wie in diesem Fall, ein Kompliment ist.

Die eigentliche Frage wird dabei selten gestellt: Seit wann gibt es ein Recht auf Förderung? Vieles, was heute als unverzichtbar gilt, ist Ergebnis gewachsener Praxis, nicht aber eines garantierten Anspruchs. Die Dauer eines Programms ersetzt keine Begründung.

Lesen Sie auch



Die Empörung wirkt deshalb maßlos überzogen. Es geht nicht darum, Zivilgesellschaft zu schwächen, sondern sie einer kritischen Prüfung zu unterziehen. Gerade dort, wo sich Projekte inhaltlich verengen oder sich von ihrem ursprünglichen Auftrag entfernen, ist diese Prüfung geboten.

Demokratie lebt von der Möglichkeit zur Korrektur. Politische Prioritäten verändern sich, staatliche Förderung folgt diesen Veränderungen.

Im Kern geht es nicht um Verstaatlichung, sondern um Überprüfung. Öffentliche Mittel müssen sich daran messen lassen, ob sie wirken und denjenigen zugutekommen, die von Antisemitismus betroffen sind.

Öffentliche Mittel sind an Wirkung gebunden. Maßnahmen müssen überprüfbare Ergebnisse erzielen; bleibt diese Wirkung aus, endet ihre Legitimation. Das ist kein Angriff auf Zivilgesellschaft, sondern ihr Ernstnehmen.

Die entscheidende Frage ist daher schlicht: Handelt es sich bei Förderung um einen Anspruch oder um eine politische Entscheidung?

Der Autor ist ehemaliger Antisemitismusbeauftragter von Hamburg und Mitglied der Jüdischen Gemeinde Hamburg.

Brandenburg

Brandanschlag: Jüdische Gemeinden stellen sich hinter Büttner

Im Fall des Brandanschlags auf das Anwesen des brandenburgischen Antisemitismusbeauftragten gibt es viele offene Fragen. Die örtliche jüdische Gemeinde solidarisiert Sicherheit mit Andreas Büttner

 15.05.2026

Belgien

Uni-Rektorin: »Haben bereits viele Partnerschaften verloren«

Die Besetzer verlangen einen vollständigen Boykott Israels und wollen weitermachen - obwohl die Uni-Leitung ihnen nun erneut entgegenkam

von Michael Thaidigsmann  15.05.2026

USA

Gericht setzt Sanktionen gegen Francesca Albanese aus

Ein Richter in Washington hat Sanktionen der Trump-Regierung gegen die UN-Berichterstatterin vorerst gestoppt. Die USA werfen ihr Voreingenommenheit und Antisemitismus vor

 15.05.2026

London

König Charles besucht Opfer der Messerattacken in Golders Green

Der Monarch spricht auch mit dem 76-jährigen Norman Shine, der im April bei einer antisemitisch motivierten Mersserattacke an einer Bushaltestelle am Hals verletzt worden war

 15.05.2026

Würzburg

Schuster sieht Gleichgültigkeit bei Judenhass - Zivilcourage gefragt

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, warnt vor einem Wegsehen bei Antisemitismus in Deutschland. Und gibt konkrete Tipps, wie man auf judenfeindliche Sprüche reagieren sollte

 15.05.2026

Peking

Trump erhöht Druck auf Iran

»Ich werde nicht mehr besonders lange geduldig sein«, sagt der amerikanische Präsident

 15.05.2026

Spanien

FC Barcelona distanziert sich von Jungstar Yamal – Entschuldigung an israelische Fans

»Wir möchten betonen, dass der betreffende Moment im Vorfeld von keiner mit dem FC Barcelona verbundenen Partei geplant war«, schreibt der Verein auf Hebräisch

 15.05.2026

Bern

Mengele-Akten endlich öffentlich

Der Schweizer Nachrichtendienst blockierte den Zugang zu diesen Unterlagen jahrzehntelang. Nun wird diese Sperre aufgehoben

von Nicole Dreyfus  14.05.2026

Mittelmeer

Gaza-Hilfsflotte sticht von Türkei aus erneut in See

Israel wirft einigen Aktivisten Verbindungen mit der islamistischen Terrororganisation Hamas im Gazastreifen vor

 14.05.2026