Debatte

Liberaler Rabbinerverband distanziert sich von Walter Homolka

Steht im Kreuzfeuer der Kritik: Rabbiner Walter Homolka Foto: imago/Uwe Steinert

Der Vorstand der European Rabbinical Assembly (ERA), ein Dachverband liberaler Rabbiner in Europa, hat in einer am Donnerstag veröffentlichten Stellungnahme indirekt den Rückzug von Walter Homolka als Chef des Abraham Geiger Kollegs in Potsdam gefordert.

Man betrachte »mit großer Sorge die bekannt gewordenen Missstände in der Rabbinerausbildung in Potsdam«, so die auf Englisch verfasste Erklärung der in Brüssel ansässigen ERA.

Die ERA wurde 2016 von der European Union for Progressive Judaism (EUPJ) gegründet. Vorsitzende ist die Rabbinerin Sylvia Rothschild. Aus Deutschland gehört die Hamelner Rabbinerin Ulrike Offenberg dem Vorstand an. Die EUJP wird von der Deutschen Sonja Güntner geführt.

Vergangene Woche hatte eine Untersuchungskommission der Universität Potsdam ihren vorläufigen Bericht präsentiert. Dieser belastet Walter Homolka in hohem Maße.

Der Bericht gelangt zu dem Schluss, dass sich der Vorwurf des Machtmissbrauchs gegen Homolka bestätigt hat. Das Problem sei insbesondere durch Ämterhäufung, Schaffung problematischer Arbeits- und Studienbedingungen und Beeinflussung der Karrierechancen von Studierenden entstanden, folgerte die Kommission unter anderem. Es habe am Geiger-Institut ein »Klima der Angst« geherrscht.

STANDARDS Laut der European Rabbinical Assembly müsse »eine Institution, die Rabbinerinnen und Rabbiner ausbildet, höchste ethische Standards vorleben, und wir sind der Auffassung, dass der bestätigte Machtmissbrauch in Form seiner strukturellen Ausgestaltung zeigt, dass die derzeitige Leitung nicht geeignet ist, diese Probleme anzugehen.«

Der Verband erneuerte gleichzeitig sein Angebot an Studierende und Absolventen des Abraham Geiger Kollegs, sich »in einem sicheren und fürsorglichen Umfeld« an die Institution zu wenden.

Der ERA-Vorstand wies in seiner Stellungnahme auch die Behauptung zurück, dass die Untersuchung der Vorwürfe gegen Homolka homophob motiviert sein könnte. Die Wochenzeitung »Die Zeit« zitierte Homolka vergangene Woche mit den Worten: »Mich schmerzt jedoch der homophobe Touch des ganzen Skandals.«

Die bereits sichtbar gewordenen Missstände in Potsdam seien »nicht mit den Werten des progressiven Judentums vereinbar«, so die europäische Rabbinervereinigung in ihrem Statement. Man unterstütze die umfassende Aufklärung der Vorwürfe und stehe bereit, »bei der institutionellen und programmatischen Umstrukturierung der progressiven Rabbinerausbildung in Deutschland mitzuwirken.«

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