Erinnerung

Leerstellen im Gedächtnis

Es sind nur noch wenige. Und bald werden auch die Stimmen der letzten Holocaust-Überlebenden für immer verstummt sein. Keiner mehr, der vor dem erlauchten Publikum des Deutschen Bundestages aus Anlass des Schoa-Gedenktags authentisch Zeugnis ablegt, so wie an diesem Mittwoch der Israeli Schimon Peres und der Pole Feliks Tych. Keiner mehr, der das in vielen Ohren abgedroschen klingende »Nie wieder!« kraft seiner Erlebnisse mit Leben, sprich Sinn füllt. Nirgends mehr einer, der generationsübergreifend vermitteln kann, warum die Nazizeit und die Ermordung der Juden in ihrer ganzen menschenverachtenden Grausamkeit singulär bleiben. Die Überlebenden, sie werden uns fehlen. Als Menschen und – im besten Sinne des Wortes – Sachverständige. Das kollektive deutsche Gedächtnis muss ohne ihren Beitrag auskommen. Welchen Verlust das bedeutet, kann man wohl erst in zehn, zwanzig Jahren wirklich ermessen. Dann beginnt sich die Erinnerungskultur grundlegend zu verändern. Das Gedenken wird entmenschlicht und damit abstrakt, die Vergangenheit historisiert. Ein biologischer Kollateralschaden namens Normalität? Schon möglich. Gerade deshalb ist es unerlässlich, die Opfer zu Wort kommen zu lassen, ihnen zuzuhören und das Gesagte zu verinnerlichen. Es bleibt kaum noch Zeit. Nutzen wir sie.

Berlin

»Wenn Alice Weidel Kanzlerin wird, bin ich weg!« 

Der Kabarettist Dieter Nuhr sagt, er halte es für einen Fehler, die AfD politisch konsequent auszuschließen. Die Dämonisierung der Partei habe ihr eher genützt

 10.06.2026 Aktualisiert

Berlin

Dieter Nuhr erhält den Leo-Baeck-Preis

Der Kabarettist ist mit dem Leo-Baeck-Preis ausgezeichnet worden. Zentralratspräsident Josef Schuster würdigte den Kabarettisten für seinen entschiedenen Einsatz gegen Antisemitismus

von Detlef David Kauschke  10.06.2026

Leo-Baeck-Preis

»Seine Arbeit hat rettende Relevanz«

Ahmad Mansour lobte in seiner Laudatio auf Dieter Nuhr den Mut und die intellektuelle Unbestechlichkeit des Kabarettisten. Eine Dokumentation

von Ahmad Mansour  10.06.2026

Rede

»Sie beweisen Zivilcourage und folgen mit ihrem Mut dem Beispiel von Leo Baeck«

Zentralratspräsident Schuster hob bei der Vergabe des Leo-Baeck-Preises Dieter Nuhrs ebenso fairen wie kompetenten Blick auf den jüdischen Staat hervor

von Josef Schuster  10.06.2026

Berlin

»Ich bin stolz! Sehr stolz«

Dieter Nuhr ist mit dem Leo-Baeck-Preis des Zentralrats der Juden geehrt worden. Wir dokumentieren hier exklusiv seine Rede im Wortlaut

von Dieter Nuhr  10.06.2026

Krieg

»Jetzt müssen sie die Konsequenzen tragen!«

Der US-Präsident sieht die iranischen Streitkräfte am Boden und droht dem Land einmal mehr. Teheran habe die Chance für einen Deal verpasst

 10.06.2026

München

Anklage nach Angriff auf israelisches Konsulat

Ein 24-Jähriger wirft Steine auf die Einrichtung und löst mit einem verdächtigen Rucksack einen größeren Polizeieinsatz aus. Weshalb ihn Ermittler vor Gericht sehen wollen

 10.06.2026

Brandenburg

Goebbels-Villa könnte Zentrum gegen Extremismus werden

Das alte Haus nördlich von Berlin verfällt seit Jahren. Jetztsoll daraus ein Ort gegen Antisemitismus werden

 10.06.2026

Meinung

So macht man Stimmung

Die deutsche Berichterstattung über den Krieg zwischen Israel und der Terrormiliz Hisbollah ist unterkomplex und einseitig. Über die wahren Interessen der Libanesen wird dabei hinweggegangen

von Ahmad Mansour  10.06.2026