Erinnerung

Leerstellen im Gedächtnis

Es sind nur noch wenige. Und bald werden auch die Stimmen der letzten Holocaust-Überlebenden für immer verstummt sein. Keiner mehr, der vor dem erlauchten Publikum des Deutschen Bundestages aus Anlass des Schoa-Gedenktags authentisch Zeugnis ablegt, so wie an diesem Mittwoch der Israeli Schimon Peres und der Pole Feliks Tych. Keiner mehr, der das in vielen Ohren abgedroschen klingende »Nie wieder!« kraft seiner Erlebnisse mit Leben, sprich Sinn füllt. Nirgends mehr einer, der generationsübergreifend vermitteln kann, warum die Nazizeit und die Ermordung der Juden in ihrer ganzen menschenverachtenden Grausamkeit singulär bleiben. Die Überlebenden, sie werden uns fehlen. Als Menschen und – im besten Sinne des Wortes – Sachverständige. Das kollektive deutsche Gedächtnis muss ohne ihren Beitrag auskommen. Welchen Verlust das bedeutet, kann man wohl erst in zehn, zwanzig Jahren wirklich ermessen. Dann beginnt sich die Erinnerungskultur grundlegend zu verändern. Das Gedenken wird entmenschlicht und damit abstrakt, die Vergangenheit historisiert. Ein biologischer Kollateralschaden namens Normalität? Schon möglich. Gerade deshalb ist es unerlässlich, die Opfer zu Wort kommen zu lassen, ihnen zuzuhören und das Gesagte zu verinnerlichen. Es bleibt kaum noch Zeit. Nutzen wir sie.

Berlin

Remmo: Koçak hat bei mir im Büro gesessen

Wie eng war der Kontakt des Linken-Bundestagsabgeordneten Koçak zur Großfamilie Remmo? Nach der Berliner Wahl kamen Chatnachrichten ans Licht, die er als Fehler bezeichnete. Gab es auch ein Treffen?

 16.10.2026

Berliner Sondierungen

Özdemir: Berliner Linke hat sich »radikalisiert«

Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir schaut mit Sorge auf die politischen Geschehnisse in der Bundeshauptstadt. Seiner Ansicht nach hat sich die Berliner Linke radikalisiert

 16.10.2026

Kommentar

Deutsche Iran-Politik: Urkomische Dinge und pure Realitätsverweigerung

Der neue Botschafter der Bundesrepublik in Teheran, Axel Dittmann, produziert mit seinen Instagram-Videos unfreiwillig Realsatire

von Saba Farzan  16.10.2026

Meinung

Keine Wahlen in Palästina: Armutszeugnis für den Westen

Mahmud Abbas hat die Wahlen in den Palästinensergebieten erneut um ein Jahr verschoben und bricht damit seine Zusagen. Wann zieht man in Europa endlich Konsequenzen?

von Jacques Abramowicz  16.10.2026

Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD)

Rede des Bundesratspräsidenten

Bovenschulte zu AfD-Verbot: »Prüfen heißt nicht verbieten«

Seine letzte Rede als Bundesratspräsident nutzt Andreas Bovenschulte für einen Appell. Es geht darum, wie weit die Demokratie im Umgang mit der AfD gehen sollte – und warum kein Fehler passieren darf

 16.10.2026

München

Oberrabbiner Goldschmidt: »Wir können nicht immer wegrennen«

Jüdisches Leben in Europa hat eine Zukunft, aber nicht von allein. Dafür braucht es nach den Worten des Oberrabbiners Pinchas Goldschmidt Partner in den Regierungen und in der Zivilgesellschaft

von Barbara Just  16.10.2026

Steffen Alisch

Meinung

Die Berliner Linke und ihr DDR-Vorleben

Linker Antisemitismus, Israelfeindschaft und Genozid-Vorwurf – all das gab es bereits in der DDR unter dem Regime der Linkspartei-Vorläuferin SED

von Steffen Alisch  16.10.2026

Staatsanwaltschaft

Der Bundestag hebt die Immunität von SPD-Abgeordnetem Adis Ahmetovic auf

Ermittler durchsuchen sein Büro und Wohnungen wegen des Verdachts verbotener Absprachen

von Leonard Fischer  16.10.2026

Annäherung

Warum die FPÖ auf ein Gütesiegel aus Israel hofft - Österreichs Rechte knüpfen Verbindungen zum Likud

Noch stehen in Österreich keine Wahlen an. Dennoch will die rechte FPÖ ihr aktuelles Umfrage-Hoch mit einer Strategie untermauern, die verwundert: Die einstige Altnazi-Partei sucht Unterstützung aus Israel

von Markus Schönherr  16.10.2026