Berlin

»Kevin, wir würden dich gerne klonen«

Auf dem Podium: Melody Sucharewicz, Gil Yaron und Kevin Kühnert (v.l.) Foto: Marco Limberg

»Die deutsche Staatsräson mehr als nur ein Lippenbekenntnis? Was ist die Israel-Solidarität noch wert?«, fragte der Journalist Gil Yaron den Juso-Vorsitzenden Kevin Kühnert und die Politikberaterin Melody Sucharewicz. Die Zuhörer mussten nicht lange auf Antworten warten.

In einer Klarheit, die bei vielen Gemeindetagsteilnehmern lautstarke Erleichterung auslöste, sagte SPD-Politiker Kühnert: »In einer Zeit in der die Vereinten Nationen als Schutzmacht für den Staat Israel ausfallen – nicht, weil da alle antisemitisch wären, sondern weil es einen Kreis von Staaten und Regierungen gibt, die auf eine obsessive Art die Bühne der UN nutzen, um dort auch von ihren eigenen Menschenrechtsverstößen abzulenken mit dem immer wiederkehrenden Blick auf Israel –, ist die innenpolitische Diskussion in Deutschland eine Stellvertreterdiskussion für den globalen Umgang mit dem Staat Israel.«

»Die innenpolitische Diskussion in Deutschland ist eine Stellvertreterdiskussion für den globalen Umgang mit dem Staat Israel«, sagte Kühnert.

Denn in dem Moment, wo Politiker in der politischen demokratischen Mehrheit in Deutschland erkennen lassen, »dass es da eine Unklarheit im Verhältnis zu Israel gibt und die Staatsräson vielleicht doch nicht ganz von allen geteilt wird, würden andere feststellen: «Wenn selbst Deutschland aus seiner Verantwortung heraus sich so verhält, dann ist das eine Einladung dafür, jetzt auch mal ordentlich draufzuhauen.»

Allein während dieser paar Sätze gab es fünfmal Applaus. «Es wäre für die jüdische Gemeinschaft in Deutschland ein großer Wunsch, dich zu klonen», sagte Melody Sucharewicz, die in ihrer Replik noch einmal auf die Symbolkraft in der Aussage Angela Merkels zur Staatsräson einging. In diesem Zusammenhang kam sie auf das Paradox zu sprechen – das eben nicht mit der Staatsräson zusammenpasse –, auch mit Regimen zu reden und Wirtschaftsbeziehungen zu pflegen, die Israels Existenzrecht infrage stellen.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

naivität Doch aus ihren vielen Gesprächen mit deutschen Politikern und Bundestagsabgeordneten sei sie sicher: «Das hat nichts mit Antisemitismus zu tun, sondern mit der tiefsitzenden Überzeugung, man müsse sich nur an einen Tisch setzen und könne über alles reden, und einer völlig verfehlten Wahrnehmung der Situation im Nahen Osten», wo Naivität und Schwäche nicht zielführend seien.

Die Bedrückung über diese Haltung teile er, sagte Kevin Kühnert. Zugleich wies er darauf hin, dass die Jusos als Jugendorganisation mit einem Bildungsauftrag bereits seit 25 Jahren einen regen Austausch mit Israel pflegen, indem sie so viele Mitglieder wie möglich nach Israel bringen. Eine Arbeit, die heute, wo es notwendiger denn je sei, Früchte trägt. Denn viele von ihnen haben heute politische und gesellschaftliche Verantwortung übernommen oder würden heute als Abgeordnete im Bundestag sitzen – und hätten unter anderem Verantwortung für den Anti-BDS-Beschluss mitgetragen.

Inwieweit ist die Staatsräson möglicherweise darauf konditioniert, dass Israel ein prowestlicher, liberaler, säkularer Staat ist, wollte Gil Yaron wissen.

Inwieweit ist die Staatsräson möglicherweise darauf konditioniert, dass Israel ein prowestlicher, liberaler, säkularer Staat ist, wollte Gil Yaron wissen. «Israel ist ein Schutzraum und nicht infrage zu stellender Anlaufpunkt für Juden in aller Welt», sagte Kühnert. Und es sei Kern der Frage nach einer Staatsräson, was sie eigentlich wert sei bei einer ernsthaften Meinungsauseinandersetzung. Hat sie auch unter Druck Bestand?

Seine Solidarität gelte immer Menschen und nicht Regierungen, sagte Kühnert. «Erst recht nicht, wenn die Menschen, denen ich dort einen Schutzraum ermöglichen und sichern möchte, keinen zweiten davon auf der Welt haben.» Denn die Menschen, denen diese Staatsräson zugesichert wurde, seien nach der nächsten Wahl ja noch dieselben. Staatsräson sei ein exklusiver Begriff, eine Besonderheit innerhalb des deutsch-israelischen Verhältnisses, die auch unter Druck standhalten können sollte.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

In eigener Sache

»Jüdische Allgemeine« reagiert auf Rüge des Deutschen Presserats

19 Rügen verteilt der Presserat an die deutsche Medienlandschaft. Eine davon geht an die »Jüdische Allgemeine« - wegen angeblicher gravierender Ehrverletzung eines in Gaza getöteten Journalisten

 23.03.2026

Gedenken

Zwei Buchenwald-Verbände gegen Auftritt von Wolfram Weimer

In der Gedenkstätte Buchenwald wird am 12. April an die Befreiung des Konzentrationslagers erinnert. Geplant ist ein Grußwort von Kulturstaatsminister Weimer. Zwei Verbände haben damit ein Problem

 23.03.2026

Krieg

Merz begrüßt vorläufigen Verzicht auf US-Kraftwerksangriffe im Iran

US-Präsident Donald Trump nimmt scharfe Drohungen gegen den Iran vorerst vom Tisch. Die Bundesregierung begrüßt das und bietet Mithilfe bei anderen Bemühungen an

 23.03.2026

Nahost

G7 verurteilen iranische Angriffe scharf und warnen vor Eskalation

In einer gemeinsamen Erklärung der G7-Außenminister ist von »nicht zu rechtfertigenden Angriffen« und einer Gefahr für die Stabilität die Rede

 23.03.2026

Schutz jüdischer Studenten

Klage von Lahav Shapira gegen FU Berlin abgewiesen

Der Gaza-Krieg sorgt auch an Berliner Hochschulen regelmäßig zu Protesten. Ein jüdischer Student fühlt sich nicht mehr sicher und zieht vor Gericht. Was sagen die Richter?

 23.03.2026

Berlin

Außenministerium stellt sich hinter Botschafter Seibert

Israels Außenminister kritisiert den deutschen Botschafter wegen Aussagen zur Siedlergewalt. Außenminister Wadephul telefoniert mit seinem Kollegen - und wiederholt die Kritik

 23.03.2026

Teheran

Können iranische Raketen nun Europa erreichen?

Nach dem Raketenangriff auf einen Militärstützpunkt auf der Insel Diego Garcia rückt auch Europa in den potenziellen Zielkorridor iranischer Raketen. Muss man sich in Berlin nun Sorgen machen?

von Arne Bänsch  23.03.2026

Griechenland

US-Flugzeugträger legt für Reparaturen auf Kreta an

Brand in der Bordwäscherei, Probleme mit Toiletten: Die »USS Gerald R. Ford« macht auf Kreta Halt. Ermittler der US-Marine gehen der Ursache des Feuers nach

 23.03.2026

Nahost

Iran dementiert Verhandlungen mit den USA

US-Präsident Donald verschiebt ein Ultimatum und verweist auf »produktive Gespräche« mit dem Iran. Aus Teheran kommt ein Dementi

 23.03.2026