Gaza

Wie die Hamas Hilfsorganisationen gefügig machte

Ein Mitglied der Qassam-Brigaden der Hamas im Gespräch mit Mitarbeitern des Roten Kreuzes Foto: IMAGO/Anadolu Agency

Die Organisation »NGO Monitor« hat hunderte Dokumente des Sicherheitsapparats der Hamas in Gaza ausgewertet, die von den israelischen Streitkräften seit Beginn des Militäreinsatzes 2023 sichergestellt worden waren. Die Unterlagen belegen nach Ansicht von NGO Monitor, dass die Terrororganisation zwischen 2018 und 2022 systematisch ausländische Hilfsorganisationen und -projekte im Gazastreifen infiltrierte, überwachte und für ihre Zwecke instrumentalisierte.

Ein am Donnerstag veröffentlichter Bericht von NGO Monitor zieht daraus eine eindeutige Schlussfolgerung: »NGOs agieren in Gaza weder unabhängig noch neutral. Vielmehr sind sie in einen institutionalisierten Rahmen aus Zwang, Einschüchterung und Überwachung eingebettet, der den Terrorzielen der Hamas dient.«

So habe Hamas ausländische Hilfsorganisationen gezwungen, mit örtlichen »Vertrauensleuten« zusammenzuarbeiten. Bei diesen Personen habe es sich meist um hochrangige Hamas-Mitglieder oder Sympathisanten gehandelt. Dadurch habe die Terrororganisation direkten Einfluss auf das von den jeweiligen Organisationen beschäftigte Personal und die Projektgestaltung ausgeübt.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Der Bericht nennt zahlreiche Beispiele. In der Nähe der Grenze zu Israel sei ein Wasserprojekt über ein mit der Hamas verbundenes Unternehmen abgewickelt worden, um so die »Widerstandsaktivitäten« in der Region nicht zu gefährden. Zudem sei der Verwaltungschef der britischen Hilfsorganisation Medical Aid for Palestinians (MAP-UK) Mitglied der Qassam-Brigaden, des militärischen Arms der Hamas, gewesen.

Auch der örtliche Leiter des Norwegian Refugee Council sei bei der Regierung von Gaza angestellt gewesen und habe den Rang eines Hauptmanns bei den Qassam-Brigaden innegehabt. Der Chef der El Baraka Association for Charitable and Humanitarian Work in Gaza habe in Vergangenheit auch beim Hamas-Sender »Al-Aqsa TV« als Buchhalter gearbeitet.

Lesen Sie auch

Die islamistische Terrororganisation, die 2007 die Macht im Gazastreifen an sich gerissen hatte, sammelte zudem detaillierte Informationen über die NGO-Mitarbeiter, setzte sie unter Druck und zwang ihre jeweiligen Organisationen zur Zusammenarbeit mit den Behörden in Gaza. Wer sich weigerte, seine Finanzen offenzulegen, riskierte den Stopp der Hilfsprojekte und die vorübergehende Schließung des eigenen Büros im Gazastreifen. Zudem seien Berichte von Hilfsorganisationen von der Hamas systematisch zensiert worden, um zu verhindern, dass dort Hinweise auf Tunnels oder militärische Aktivitäten enthalten seien.

Die gesichteten Unterlagen zeigen nach Ansicht von NGO Monitor, wie Hamas ausländische Hilfe stillschweigend umfunktionierte, um ihre Kämpfer zu decken, Tunnelsysteme zu verstecken und so ihre Herrschaft über den Gazastreifen zu verfestigen. »Die Beweise bestätigen, dass NGOs in Gaza weder unabhängig noch neutral agieren. Vielmehr sind sie eingebettet in einen institutionalisierten Rahmen aus Zwang, Einschüchterung und Überwachung, der den Terrorzielen der Hamas dient«, schlussfolgert der Bericht.

Militärischer Arm von Hamas diente der Durchsetzung der Vorgaben

Alle in Gaza tätigen NGOs müssten sich an strenge Sicherheitsprotokolle der Hamas halten, einschließlich jener, die unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen stattfänden. Ohne die Zustimmung der Hamas und eine kontinuierliche Abstimmung mit dem von ihr kontrollierten Verwaltungsapparat sei es unmöglich, in Gaza Dienstleistungen zu erbringen oder Projekte durchzuführen.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Die von NGO Monitor ausgewerteten arabischsprachigen Dokumente stammen vom Ministerium für Inneres und Nationale Sicherheit (MoINS) der Hamas. Sie wurden im Zuge der israelischen Militäroperation in Gaza entfernt und zuletzt von den israelischen Streitkräften freigegeben.

Das Sicherheitsministerium befehligte die Polizei im Gazastreifen sowie andere innere Sicherheitskräfte, die für Überwachung, Spionageabwehr, politische Dissidenten, Zivilschutz, Grenzübergänge, Durchsetzung des islamischen Rechts und den Umgang mit Gefangenen im Gazastreifen zuständig sind. Nach der Machtübernahme im Jahr 2007 beauftragte die Hamas die Qassam-Brigaden mit der Überwachung der Sicherheitskräfte unter dem Ministerium.

Der Hamas-Mechanismus für innere Sicherheit ist laut NGO Monitor für die Aufdeckung, Verhinderung und Untersuchung von Straftaten zuständig, die »die nationale Sicherheit und Regierungsorgane gefährden«.

Syrien

Grossi: Von Israel zerstörter Reaktor hätte atomwaffenfähiges Material produzieren können

2007 zerstörte Israel den Atomreaktor Deir ez-Zor. 19 Jahre später bestätigt Atom-Aufseher Rafael Grossi, dass die Anlage atomwaffenfähiges Material hätte produzieren können

 11.09.2026

Rosch Haschana

Israel wächst – doch immer mehr Menschen verlassen das Land

Zum jüdischen Neujahr veröffentlicht das Statistikamt neue Zahlen. Die Geburtenrate ist mehr als doppelt so hoch wie in der OECD

von Sabine Brandes  11.09.2026

Sachsen-Anhalt

Empörung über AfD-Spitzenmann Siegmund wegen Rüstungsaussage 

Siegmund: »Weil wir bei späteren Remigrations- und Abschiebeoffensive natürlich auch entsprechende Hilfsmittel brauchen«

 11.09.2026

Neujahr

Hopfen, Malz und Honig

Zu Rosch Haschana können die Israelis nun auch passendes Bier im Supermarkt kaufen. Stilecht in der blau-weißen Dose

von Sabine Brandes  11.09.2026

Tel Aviv

Magen David Adom leistet im Jahr 5786 fast 1,9 Millionen Einsätze

Besonders stark beansprucht wurde auch die Notrufzentrale 101: Mehr als zwei Millionen Anrufe gingen innerhalb eines Jahres ein

 11.09.2026

Großbritannien

Applaus für britischen Außenminister von der Hamas

Ein hochrangiger Funktionär der Terrorgruppe begrüßt die Sanktionen, mit denen das Vereinigte Königreich Israel belegt hat. Das sei ein »wichtiger Schritt in die richtige Richtung«

 11.09.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  11.09.2026

Kommentar

Ja, du bist gemeint!

Im Leben gibt es Menschen, die erkennen, was vor sich geht, und andere, die einfach blind den Trends folgen. Warum ich an der Seite meiner jüdischen Freunde stehe

von Boy George  11.09.2026

Tel Aviv

Nach Unfall für tot erklärt - jetzt Mutter von drei Kindern

Eine Mutter in Israel, einst nach einem schweren Verkehrsunfall schon als verstorben gemeldet, bringt im Krankenhaus ihrer Rettung ihr drittes Kind zur Welt – mit Hilfe der eigenen Schwester

 11.09.2026