Neujahr

Hopfen, Malz und Honig

Es muss nicht immer Kiddusch-Wein sein. Foto: Sabine Brandes

Schana towa umetuka, Kapara! So könnte es lauten, wenn man in Israel zum jüdischen Neujahr anstößt. Das hebräische Wort »Kapara« bedeutet eigentlich Sühne oder Schuldbegleichung und passt damit genau zur Jahreszeit. Im Alltag wird es heute allerdings als besonders süßes Kosewort benutzt. Dazu ist es der Name einer Festtagsidee der israelischen Boutique-Biermarke Herzl: »Schana towa Kapara«.

Der Tisch ist gedeckt, die Äpfel liegen bereit, ein Schälchen mit Honig und daneben eine blau-weiße Bierdose. Nicht festlich genug? Von wegen! Geht es nach den Machern des Gerstensaftes, ist es das perfekte Szenario am Feiertag. Tatsächlich passt das Bier bestens zum Chag: süß, fruchtig und mit einer Zutat, die auf keinem Neujahrstisch fehlen darf: Honig.

Ein neuer und ungewöhnlicher Twist

Im Judentum ist das Eintauchen des Apfels darin mit dem Wunsch, dass die nächsten zwölf Monate gut und süß werden, alter Brauch. Die Herzl-Brauerei hat dem mit ihrem Festtagsgebräu einen neuen und ungewöhnlichen Twist gegeben.

Denn neben Gerstenmalz, Hafer und reichlich Hopfen steckt auch Wildblütenhonig von den Bienenvölkern der Imkerei »Honey Hunter« aus Zentralisrael im Bier. Eine Kombination, die zunächst ungewöhnlich klingt, im Glas aber erstaunlich harmonisch und süffig daherkommt, finden die, die es probiert haben. »Sie werden wohl recht haben«, macht Brauereiinhaber Maor Helfman klar. »Das Bier ist fast überall im Land ausverkauft.«

»Honig ist eine wunderbare Zutat für Bier, weil er wie Zucker süß ist. Er dient der Hefe als Nahrung, die ihn in Alkohol umwandelt. Mit der richtigen Menge erhält man ein leckeres Bier, das nicht zu stark ist, aber trotzdem eine feine Note hat. Und für Rosch Haschana ist das natürlich perfekt«, erklärt er.

Durch das sogenannte »Dry Hopping«, bei dem der Hopfen erst während oder nach der Gärung beigefügt wird, entsteht zudem ein intensiver Duft. Und es schmeckt nach Spätsommer, der Zeit des neuen Jahres.

Absichtlich nicht klar, sondern gelblich-orange getrübt

Unter dem Namen des Gebräus steht »Honey Hazy IPA«. Für Nicht-Bierkenner sei übersetzt: IPA steht für India Pale Ale, ein Bier, das sehr fruchtig und weniger bitter ist als andere Sorten. Auch ist es absichtlich nicht klar, sondern gelblich-orange getrübt.

Helfman ist Gründer der Marke, die vor 13 Jahren in Jerusalem auf den Markt kam. Mit dabei ist auch sein Freund und einstiger Mitinhaber des Jerusalemer Restaurants »Chakra«, Moshe »Roger« Mor. Die Herzl-Brauerei gehört zu den Pionieren der israelischen Bierszene.

»Wir wollten, dass unsere Biere anders sind als das, was damals in den israelischen Kühlschränken stand.«

»Ich war tatsächlich einer der ersten Craft-Brauer in Israel, es war meine große Liebe und meine Leidenschaft für die Branche. Vor 13, 14 Jahren hinkte Israel in Sachen Bier und allem drumherum etwas hinterher«, erinnert er sich. »Wir wollten, dass unsere Biere anders sind als das, was damals in den israelischen Kühlschränken stand.« Und das sind sie.

Namen wie »Hazy Shmeizy«, »Schesch Achus Kapara« und »Dolce de Asal«

Schon die Dosen-Designs fallen auf: knallbunt in Pop-Art-Schrift mit Namen wie »Hazy Shmeizy«, »Schesch Achus Kapara« und »Dolce de Asal«. Das Wort »Asal« ist Arabisch und steht für Honig. Auch das ist typisch für Herzl: Hebräisch und Arabisch, alte Bräuche und neue Ideen – all das fließt ins Bier.

»Ich versuche, unkonventionell zu denken. So bin ich einfach«, gibt Helfman zu und lacht. »Meine Herangehensweise an Bier ist, dass es Spaß machen soll. Es muss nicht so traditionell sein, mit Gold, Kronen, Logos, Blättern und so weiter.« Keine Kompromisse mache er indes bei der Qualität. »Ich verwende die besten Zutaten, die ich finden kann. Aber unser Ansatz ist einfach ungezwungener.«

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So auch die Dose des Feiertagsbieres. Dazu ist sie ein Stück israelische Kulturgeschichte. Zwar ist ihr Design von der hellblau-weißen Delfter Keramik inspiriert, doch statt niederländischer Idylle finden sich darauf unter anderem die Glückshand Hamsa und natürlich viele Bienen, passend zum Inhalt. Alles wirkt wie mit blauen und weißen Wasserfarben gemalt, den Farben der Flagge Israels. Dazu das Wort »Kapara«. Das ist so etwas wie ein Leitmotiv der Brauerei. »Es ist einfach Straßensprache. In Jerusalem nennt sich jeder Kapara, egal, wer er ist oder woher er kommt«, so der Bierkenner.

»Hör mal, mein Junge, wenn du Erfolg haben willst, musst du es so machen wie mein Mann«

Die Geschichte, die ihn zum Namen seiner bekanntesten Sorte, dem »Schesch Achus, Kapara« inspirierte, erzählt er gern: Als er bei der Gesundheitsbehörde eine Lizenz für seine Brauerei beantragte, sagte ihm eine ältere Dame, die dort arbeitete: »Hör mal, mein Junge, wenn du Erfolg haben willst, musst du es so machen wie mein Mann.« Als Helfman fragte, was der denn gern trinke, war ihre Antwort: »Schesch Achus, Kapara.« »Es war so nett, kam wirklich von Herzen«, erinnert sich Helfman, »dabei bedeutet es nichts anderes als die Promille im Bier, also sechs«.

Doch der Satz ging ihm nicht mehr aus dem Kopf, obwohl es in korrektem Hebräisch eigentlich heißen müsste: »Schischa Achusim«. Doch ihm war klar: »Das erste Bier, das ich brauen werde, wird ›Schesch Achus Kapara‹ heißen.«

Ab und zu bekomme er Briefe von Leuten, die behaupten, er dürfe es gar nicht so nennen, weil es nicht grammatikalisch korrekt sei. »Aber das macht es ja gerade aus. Die Sprache auf der Straße – das sind wir. Und damit: Auf ein besonders süßes neues Jahr, Kapara!«

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