Berlin

Jungpolitiker gegen Antisemitismus

Beim Thema Iran wird die Debatte hitzig. Es sei »schlichtweg nicht erklärbar, wie wenig die Bundesregierung da gerade macht«, sagt Finn Wandhoff vom Bundesvorstand der Jungen Union (JU) mit Blick auf die Proteste gegen das iranische Regime.

Provozierend fragt er die anwesenden Vertreter der Jungparteien von FDP, SPD und Grünen: »Wo bleibt da die feministische Außenpolitik?« Das lässt Alice Schmidt von den Jungen Liberalen (JuLis) nicht auf sich sitzen. Ihre Replik: »Schön, dass die Union die wertebasierte Außenpolitik für sich entdeckt hat.«

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Wandhoff und Schmidt kamen am Montagabend mit Manon Luther, Mitglied im Vorstand der Jungsozialisten (Jusos), und Timon Dzienus von der Grünen Jugend in Berlin zusammen, um über das Thema »Nie Wieder! – Floskel oder Programm? Parteien und ihr Umgang mit Antisemitismus« zu diskutieren. Im Publikum: 45 engagierte junge Erwachsene zwischen 18 und 35, die meisten von ihnen jüdisch.

Sie wollten von den Referenten unter anderem erfahren, wie sie es in ihren eigenen Organisationen mit Israel, dem Iran, der dem jüdischen Staat immer wieder mit Vernichtung droht, oder mit der Boykott-Bewegung BDS halten – und wie sie ihre Mutterparteien zu mehr Einsatz im Kampf gegen Judenhass bewegen wollen.

Bildungsreise Für sie war es bereits der zweite Tag der dreitägigen »Bildungsreise ins Politische Berlin«, organisiert von der Nichtregierungsorganisation »WerteInitiative«, der Jüdischen Studierendenunion Deutschland (JSUD) und dem jüdischen Studierendenwerk Ernst Ludwig Ehrlich (ELES).

Nach Stationen unter anderem in der US-Botschaft und dem Bundestag sowie Treffen mit Vertretern von Presse und Zivilgesellschaft trafen die Teilnehmer gestern schließlich in einem Restaurant in Berlin-Mitte die vier Nachwuchspolitiker. Nach einer gemeinsamen Mahlzeit wurde die Podiumsdiskussion eröffnet.

Es ist wichtig, Antisemitismus überall, »auch in unseren eigenen Reihen«, zu bekämpfen, sagte Juso-Mitglied Manon Luther.

Leonard Kaminski, Sprecher der »WerteInitiative«, moderierte den Abend und legte gleich den Finger in die Wunde: Unter einem SPD-Bürgermeister sei auf der documenta in Kassel der größte Antisemitismus-Skandal des Jahres möglich gewesen.

»Wie geht ihr als Jusos damit um?«, fragte er die Jungsozialistin Luther zu seiner Linken. Die gibt ohne Umschweife zu, dass die Stadt im Umgang mit dem Fall versagt habe. »Die Jusos haben Geselle zum Rücktritt aufgefordert«. Es sei wichtig, so Luther, Antisemitismus überall, »auch in unseren eigenen Reihen«, zu bekämpfen.

Das ist eine Haltung, die auch die anderen Diskutanten teilen. »Wir alle sollten maximal selbstkritisch sein«, sagte JU-Mitglied Wandhoff. Alice Schmidt nahm für ihre JuLis in Anspruch, auch beim Thema Antisemitismus der »Stachel im Fleisch der FDP« zu sein, und der junge Grüne Dzienus kritisierte deutlich den europäischen Verband der grünen Jungparteien, der immer wieder mit antiisraelischen Positionen auffalle.

Konflikt Während sich die Vertreter der drei Jungparteien, deren »erwachsene« Pendants gemeinsam die Bundesregierung stellen, wenig Reibungsfläche boten, suchte der JU-Repräsentant immer wieder den Konflikt. »Bei BDS ist es schwierig, mit den Parteien links der Mitte auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen«, behauptete Wandhoff.

Juso Luther widersprach: »Wir haben eine klare Haltung zu BDS.« Worin sich alle vier während der Diskussion einig waren: Antisemitismus, auch der israelbezogene, ist eine große Herausforderung für Politik und Gesellschaft und sollte entschlossen bekämpft werden.

»Hört auf jüdische Stimmen!«

elio adler, Vorstandsvorsitzender der »WerteInitiative«

Das letzte Wort des Abends gehörte Elio Adler, dem Vorstandsvorsitzenden der »WerteInitiative«. »Hört auf jüdische Stimmen«, sprach der den Nachwuchspolitikern ins Gewissen. Juden seien bei bestimmten politischen Entwicklungen, nicht zuletzt in Bezug auf den Iran, sensibler als andere. Dass die Jungparteien darauf Rücksicht nehmen, sei wichtig, da sie »die Politik maßgeblich treiben« könnten.

Die »WerteInitiative« beschreibt sich selbst als »jüdische NGO«, die antritt, »um eine jüdische Zukunft in Deutschland zu sichern«. Eines ihrer Ziele sei es, »den Dialog zwischen der jüdischen Bevölkerung und der Politik zu fördern und zu vertiefen«.

Es war das zweite Mal, dass die »WerteInitiative« eine Bildungsreise nach Berlin für politische interessierte junge Jüdinnen und Juden organisiert hat. Die Podiumsdiskussion mit den Vertretern der Jungparteien fand im Rahmen des Programms »Nie wieder!?« von ELES statt.

Krieg

USA starten neue Angriffswelle gegen Iran

Die Vereinigten Staaten greifen das Mullah-Regime die zehnte Nacht in Folge an

 20.07.2026

CSD

Berlin: Antisemitismus in der queeren Szene nimmt zu

Erst nach parlamentarischen Anfragen veröffentlicht der Senat eine schon seit Monaten fertige Untersuchung zu Judenhass in der LGBTIQ-Community

von André Anchuelo  20.07.2026

Bericht

Brandenburg zählt 461 antisemitische Vorfälle im vergangenen Jahr

Sachbeschädigung, Bedrohung und Gewalt: In Brandenburg gibt es immer wieder antisemitische Vorfälle. Laut einem neuen Jahresbericht stagnieren diese Fälle auf einem hohen Niveau - doch die Enthemmung nehme zu

von Benjamin Lassiwe  20.07.2026

Photo by Al-Aqsa TV/UPI Photo via Newscom picture alliance

Gaza

Khalil al-Hayya wird neuer Hamas-Führer

Knapp zwei Jahre nach der Tötung ihres Anführers Yahya Sinwar durch die israelische Armee hat die radikalislamistische Hamas mit Khalil al-Hayya offenbar einen neuen Chef

 20.07.2026

New York/Jerusalem

Scharfe Kritik an Mamdani nach Ankündigung, Netanjahu festnehmen zu lassen

Aus dem Büro des israelischen Ministerpräsidenten heißt es, Mamdani solle ich lieber »auf die Behebung des Schadens konzentrieren, den seine Politik New York zugefügt hat«

 20.07.2026

Washington D.C.

Demokraten kritisieren Trump nach Tod von US-Soldaten scharf

Erstmals seit Monaten verzeichnen die USA nach eigenen Angaben wieder Tote nach iranischem Beschuss. Die US-Demokraten reagieren darauf mit Kritik an Trump, doch der verteidigt seinen Krieg

 20.07.2026

Berlin

Humboldt-Universität will weiter mit Israel kooperieren

Die Berliner Humboldt-Universität ist gegen einen Boykott israelischer Hochschulen. Das Studierendenparlament hatte zuletzt einen Abbruch der Beziehungen gefordert

 20.07.2026

Terror

Ermittlungen enthüllen Hamas-Netzwerk in Europa

Das Geflecht erstreckt sich von Griechenland und Zypern über Österreich und Skandinavien bis nach Deutschland

 20.07.2026

Budapest

Premier Peter Magyar will Schachlegende Judit Polgár als Präsidentin

»Für mich persönlich wäre es ein großes Privileg und eine enorme Ehre, wenn sie diese Bitte annehmen würde«, sagt der Regierungschef

 20.07.2026