Iran

»Israelische oder jüdische Einrichtungen mögliche Ziele von Racheakten«

Israels Botschaft in Berlin-Schmargendorf Foto: dpa

Nach der Tötung des iranischen Generals Qassem Soleimani bei einem US-Luftangriff in Bagdad aktualisiert das Bundeskriminalamt seine Einschätzung zur Sicherheitslage in Deutschland.

Das betreffe »insbesondere auch den Schutz von US-Einrichtungen und israelischen Einrichtungen in Deutschland«, zitierte die »Welt am Sonntag« das Bundesinnenministerium. Bereits am Freitag hatte ein Sprecher von Innenminister Horst Seehofer (CSU) gesagt, es werde gerade eine neue Gefährdungseinschätzung erstellt. Diese werde den Ländern übermittelt, sobald sie fertig sei.

GEFAHR Der CDU-Innenexperte Armin Schuster (CDU) sagte der Zeitung, die Tötung Soleimanis im Nahen Osten könne auch in Westeuropa Terror nach sich ziehen. »Vor allem amerikanische, israelische oder jüdische Einrichtungen sind mögliche Ziele von Racheakten.« Die iranische Führung hatte nach der Tötung Soleimanis Vergeltung angekündigt.

Die Auslöschung Israels und »die Befreiung Palästinas« sind seit fast 40 Jahren die außenpolitische Doktrin des Irans.

Unterdessen warnte US-Präsident Donald Trump mit scharfen Worten den Iran vor Racheakten. Für den Fall, dass der Iran US-Bürger oder amerikanische Einrichtungen attackieren sollte, gebe es eine Liste mit 52 wichtigen iranischen Zielen, die dann angegriffen würden, schrieb Trump am Samstag auf Twitter.

Die Führung in Teheran hatte Rache geschworen für den Tod Soleimanis, der als bekanntestes Gesicht des iranischen Militärs im Ausland galt und von vielen Landsleuten als Märtyrer betrachtet wird. Zu Trauermärschen und Zeremonien zu seinen Ehren erwarten die iranischen Revolutionsgarden am Sonntag nach eigenen Angaben Millionen Iraner.

LISTE Auf Twitter richtete Trump Worte an die Iraner, denen er dringend von Vergeltungsakten abriet: Die für die Islamische Republik und deren Kultur teils sehr bedeutsamen Orte auf der Liste würden sonst »sehr schnell und sehr hart angegriffen«, schrieb er in Großbuchstaben - ebenso wie das Wort »Warnung«. Seine Tweet-Serie schloss Trump mit den Worten: »Die USA wollen keine Drohungen mehr!«

Seit der Tötung Soleimanis durch die USA befindet sich Israel in erhöhter Alarmbereitschaft.

Laut US-Regierung erfolgte der Angriff auf Soleimani in der Nacht zum Freitag in Bagdad, um weitere von ihm geplante Attacken auf US-Diplomaten und Einsatzkräfte zu verhindern. Der Iran sprach von einem »terroristischen Akt« der USA, für den sie »einen hohen Preis zahlen« würden.

JERUSALEM In Israel wird sich der engste Kabinettskreis um Regierungschef Benjamin Netanjahu am Sonntag mit möglichen Racheangriffen des Irans auf israelische Ziele befassen.

Seit der Tötung Soleimanis durch die USA befindet sich Israel in erhöhter Alarmbereitschaft. Das Skigebiet am Berg Hermon nahe der Grenze zu Syrien ist nach einer Lageeinschätzung am Freitag geschlossen, schrieb die Armee auf Twitter.

Der Iran hat in der Vergangenheit immer wieder mit Vergeltungsschlägen gegen den US-Verbündeten Israel gedroht und Terroranschläge gegen den jüdischen Staat koordiniert.

STAATSDOKTRIN Die Auslöschung Israels und »die Befreiung Palästinas« sind seit fast 40 Jahren die außenpolitische Doktrin des Irans. Antisemitische und israelfeindliche Aussagen und Handlungen von iranischen Politikern, Klerikern und Generälen gehören ebenso zur Staatsdoktrin des Iran.

Soleimanis Armee war jüngst vor allem für Einsätze in Syrien und im Irak verantwortlich.

Der 62-jährige Generalmajor Soleimani war seit 1998 Kommandeur der Al-Quds-Brigade, einer Eliteeinheit der Revolutionsgarde, die für weltweite Spezialoperationen zuständig und direkt Irans Oberstem Führer, Ajatollah Ali Chamenei, unterstellt ist.

Soleimanis Armee war jüngst vor allem für Einsätze in Syrien und im Irak verantwortlich. Ihr Chef fungierte zudem als wichtiger militärischer Berater des syrischen Diktators Assad sowie der Hisbollah im Libanon. Soleimani nahm selbst gelegentlich an Einsätzen teil, darunter auch an dem Hisbollah-Angriff auf Israel im Jahr 2006. Er galt als »Irans gefährlichster General« und war graue Eminenz bei der Bildung einer irakischen Regierung.

AMIA Die Al-Quds-Brigade wurde Anfang der 1990er-Jahre gegründet. Argentiniens Justiz sieht es als erwiesen an, dass der erste Kommandeur der Einheit, Ahmed Vahidi, den Terroranschlag auf das jüdische Gemeindezentrum AMIA in Buenos Aires im Juli 1994 angeordnet und geplant hatte, bei dem 85 Menschen ums Leben kamen und Hunderte weitere verletzt wurden.

Die Einheit sowie die gesamte iranische Revolutionsgarde, welcher Soleimani seit 1979 angehörte, wird von den USA als terroristische Organisation eingestuft. In einer Stellungnahme sagte das US-Verteidigungsministerium, Soleimani habe Angriffe auf amerikanische Diplomaten und Soldaten im Irak und der gesamten Region geplant und sei für den Tod Hunderter Amerikaner verantwortlich.  dpa/ja

Meinungsfreiheit

Wenn Juden plötzlich Nazis sein sollen

Ein Gericht erklärt die Gleichsetzung von Hakenkreuz und Davidstern für zulässig. Kritiker sind irritiert

von Michael Thaidigsmann  13.08.2026

Sachsen-Anhalt

Polizeirabbiner vor der Wahl: Erstarken der AfD bereitet Sorgen         

Mehr Begegnung zwischen Juden und Nicht-Juden - das wünschen sich Deutschlands Polizeirabbiner. Sie bilden Polizeianwärter hierzulande fort und vermitteln jüdische Kultur. Seit fünf Jahren gibt es sie

von Nina Schmedding  13.08.2026

Hamburg

Haftbefehl gegen AfD-Politiker wegen offener Böhmermann-Kosten

Maximilian Krah bezeichnete den Satiriker als »einen Widerling« und erklärte, er zahle deshalb »nur widerwillig«

 13.08.2026

Hamburg

Gericht erklärt Kritik an Claim für zulässig: Journalist darf NGO »unsaubere« Zahlen vorwerfen

Der Investigativjournalist Sascha Adamek darf der Organisation vorwerfen, bei der Erfassung antimuslimischer Vorfälle mit »unsauber« erhobenen Zahlen gearbeitet zu haben. Die Hintergründe

 13.08.2026

Meinung

AfD als Sicherheitsrisiko

Es ist die Pflicht jedes Einzelnen, unsere Verfassung zu verteidigen und ein Überprüfungsverfahren anzustrengen. Verbieten kann nur unser freiheitlich-demokratischer Rechtsstaat

von Roderich Kiesewetter  13.08.2026

Los Angeles

Nick Reiner wegen Mordes an seinen Eltern angeklagt

Das Motiv für die Ermordung des bekannten Hollywood-Regisseurs Rob Reiner und dessen Frau Michele bleibt unklar. Welche Strafe kommt bei einer Verurteilung infrage?

 13.08.2026

Washington D.C.

Medien: CIA zweifelte an iranischer Bedrohung für Trump

Trump wechselt auf dem Heimweg vom Nato-Gipfel versteckt in einem Catering-Container den Flieger. Der einem Politthriller gleichende Vorgang schlägt international Wellen. Nun gibt es neue Informationen

 13.08.2026

Nahost

Geplante Gebühr für Straße von Hormus: Iran verweist auf Umweltschäden

Für den Iran ein Muss, für die USA ein rotes Tuch: Das Mullah-Regime will für die Passage der Straße von Hormus künftig eine Gebühr erheben. Zur Begründung führt es auch Umweltschäden an

 13.08.2026

Rom

»Jagd auf Juden«: Jüdische Organisationen verurteilen Doppel-Angriff auf Tourist mit Kippa

Einer von mehreren mutmaßlichen Tätern ist gefasst. Jüdische Organisationen in Italien zeigen Solidarität mit dem Opfer

 13.08.2026