Nahost

Israel vermutet Verlagerung von Uran-Zentrifugen in unterirdische Anlage

Eine Satellitenaufnahme des »Pickaxe Mountain« vom 7. März 2026 Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Nach Erkenntnissen israelischer Geheimdienste soll der Iran nach dem Krieg mit Israel im Juni 2025 mehrere tausend Urananreicherungs-Zentrifugen in ein weit verzweigtes Tunnelsystem unter einem Berg nahe der Atomanlage Natans gebracht haben. Das berichtet das »Wall Street Journal« (WSJ) unter Berufung auf israelische und amerikanische Regierungsvertreter.

Demnach wurden die Informationen an die USA weitergegeben. Die israelische Einschätzung lautet, dass die Zentrifugen in eine unterirdische Anlage im »Pickaxe Mountain« verlegt wurden. Während des zwölftägigen Krieges im vergangenen Jahr hatten israelische und amerikanische Luftangriffe die drei wichtigsten iranischen Nuklearstandorte ins Visier genommen.

Ein ranghoher israelischer Militärvertreter sagte dem »Wall Street Journal«, die damaligen Angriffe hätten die für ein mögliches Atomwaffenprogramm relevanten Einrichtungen nicht vollständig ausgeschaltet. »Es gibt noch mehr zu tun«, erklärte er mit Blick auf die unterirdische Anlage.

Verzögerung des Wiederaufbaus

Wie das Blatt weiter berichtet, bemühte sich Ministerpräsident Benjamin Netanjahu angesichts unterschiedlicher strategischer Vorstellungen zwischen Jerusalem und Washington darum, US-Präsident Donald Trump von einer Fortsetzung umfangreicher Angriffe auf iranische Ziele zu überzeugen. Ziel sei gewesen, den Wiederaufbau des iranischen Atomprogramms weiter zu verzögern.

In den vergangenen zehn Tagen haben die USA ihre Militärschläge gegen den Iran ausgeweitet. Trump hatte in der vergangenen Woche erstmals öffentlich erklärt, dass auch die Anlage am »Pickaxe Mountain« ein mögliches Angriffsziel sei. »Pickaxe ist ein mögliches Ziel für einen schönen, großen Schlag direkt vor der Eingangstür«, sagte er im Gespräch mit dem konservativen Radiomoderator Hugh Hewitt.

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Die unterirdische Anlage, die im Iran als Kolang Gaz La bekannt ist, wird nach Angaben des Berichts seit Jahren von israelischen und amerikanischen Nachrichtendiensten beobachtet. Experten gehen davon aus, dass sich die Tunnel rund 90 bis 137 Meter unter massivem Fels befinden und Platz für mehrere nukleartechnische Einrichtungen bieten.

Verstärkte Sicherheitsmaßnahmen

Das in Washington ansässige Institute for Science and International Security berichtet von anhaltenden Bauarbeiten in den vergangenen 15 Monaten. Demnach seien Lastwagenbewegungen, der Ausbau von Tunnelanlagen sowie verstärkte Sicherheitsmaßnahmen beobachtet worden. Außerdem werde an einem älteren, ursprünglich 2007 errichteten Tunnelsystem gearbeitet.

Institutspräsident David Albright sagte dem WSJ: »Es ist wahrscheinlich, dass der Iran Zentrifugen in die Tunnel gebracht hat.« Gleichzeitig betonen Experten, dass dies nicht zwangsläufig bedeute, dass dort bereits eine Urananreicherungsanlage betrieben werde. Möglich sei auch, dass Teheran die verbliebenen Zentrifugen nach den Angriffen des vergangenen Jahres lediglich an einen besser geschützten Ort verlegt habe.

Besondere Sorgen bereitet westlichen Experten die Möglichkeit geheimer Nuklearaktivitäten. Nate Swanson, früher Mitglied des Nationalen Sicherheitsrats der USA, warnte: »Ein heimlicher Durchbruch ist das schlimmste Szenario.« Er fügte hinzu: »Wir wissen nicht, welche Absichten der Iran verfolgt. Aber die Tatsache, dass wir nicht überprüfen können, was an diesem Standort geschieht, zeigt, wie problematisch der derzeitige Zustand ist. Wir brauchen Inspektionen der Internationalen Atomenergiebehörde an diesen Orten.«

Zugang verweigert

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) beklagt nach eigenen Angaben, dass der Iran ihren Inspektoren den Zugang zu der Anlage verweigert und keine Informationen über die dortigen Aktivitäten bereitstellt. IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi hatte bereits im März erklärt, Teheran habe der Behörde 2021 seine »Absicht, an diesem Standort nukleare Aktivitäten durchzuführen«, mitgeteilt.

Der Iran weist weiterhin zurück, Atomwaffen entwickeln zu wollen. Nach Angaben westlicher Experten verfügt das Land inzwischen jedoch über rund 450 Kilogramm Uran mit einem Anreicherungsgrad von 60 Prozent und damit nahe an waffenfähigem Material. im

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