Ein Musik- und Kulturfestival im irischen County Kerry hat aktive und ehemalige Angehörige der israelischen Streitkräfte (IDF) von der Teilnahme ausgeschlossen. Die Entscheidung fiel nach einem Bericht der britischen Publikation »Jewish News« nach Protesten in sozialen Medien gegen den angekündigten Besuch eines ehemaligen israelischen Soldaten und löste scharfe Kritik jüdischer Organisationen aus.
Die Veranstalter des eintägigen Rewild Festivals erklärten kurz vor Beginn der Veranstaltung, ihnen sei bekannt geworden, dass ein früheres Mitglied der israelischen Armee als zahlender Gast teilnehmen wolle. In einer Stellungnahme bezeichneten sie die IDF als »Israeli Occupation Forces (IOF)« (»Israelische Besatzungskräfte«) und erklärten, das Festival solidarisiere sich mit den Palästinensern. Deshalb seien aktive und ehemalige Angehörige der israelischen Streitkräfte auf der Veranstaltung nicht willkommen.
Auslöser der Kontroverse war nach Medienberichten die geplante Teilnahme des Israelis Yonatan Prigozin, der früher in der IDF gedient haben soll. Aktivisten hatten daraufhin Künstler und Händler aufgefordert, ihre Teilnahme am Festival abzusagen, falls die Organisatoren ehemaligen oder aktiven israelischen Soldaten weiterhin Zutritt gewährten. Mehrere Künstler sollen sich daraufhin tatsächlich zurückgezogen haben.
Öffentlicher Druck
Nach Angaben des irischen Portals »Aontacht Media« hatten Festivalverantwortliche den Besuch zunächst verteidigt. Demnach hieß es in Nachrichten aus einer WhatsApp-Gruppe der Organisatoren zunächst, der Besucher sei willkommen. Erst nach anhaltendem öffentlichem Druck änderte das Festival seine Haltung und veröffentlichte die neue Ausschlussregelung.
Umstritten ist die Entscheidung auch, weil der Militärdienst für die meisten jüdischen Staatsbürger Israels verpflichtend ist. Die Regelung betrifft damit einen großen Teil der israelischen Bevölkerung, unabhängig davon, welche Aufgaben die Betroffenen während ihres Wehrdienstes ausgeübt haben.
Die britische Organisation Campaign Against Antisemitism verurteilte den Ausschluss scharf. Ein Sprecher erklärte: »Rewild behauptet, ein Ort zu sein, an dem alle zusammenkommen können. Offenbar gilt das jedoch nicht für Israelis, die ihren verpflichtenden Wehrdienst geleistet haben. Da die Wehrpflicht in Israel obligatorisch ist, wirkt dieses Verbot wie Fremdenfeindlichkeit, die als Progressivität getarnt wird.«
Ideologische Haltung
Auch Irlands Oberrabbiner Yoni Wieder kritisierte die Entscheidung. Bereits die Verwendung der Bezeichnung »IOF« zeige die ideologische Haltung der Veranstalter, sagte er. Israel sei aufgrund der Bedrohung durch dschihadistische Terrororganisationen gezwungen, eine allgemeine Wehrpflicht aufrechtzuerhalten.
Wieder sieht den Vorfall als Teil einer größeren Entwicklung. Seit mehreren Jahren hätten viele Juden in Irland zunehmend den Eindruck, ihre gesellschaftliche Akzeptanz hänge davon ab, keine erkennbare Verbindung zu Israel zu haben. Er verwies unter anderem auf Bestrebungen, den nach dem früheren israelischen Präsidenten Chaim Herzog benannten Herzog Park in Dublin umzubenennen, sowie auf Anfeindungen gegen Menschen, die Hebräisch sprechen.
Auch jüdische Gedenkveranstaltungen seien zuletzt wiederholt Ziel von Protesten geworden. Für viele jüdische und israelische Familien in Irland werfe dies die Frage auf, welchen Platz sie künftig noch in der irischen Gesellschaft hätten. im