Castrop-Rauxel

Kam der Hinweis auch vom israelischen Geheimdienst Mossad?

Spezialkräfte der Polizei in Schutzanzügen am Montag in Castrop-Rauxel. Ein Iraner soll einen Giftanschlag geplant haben. Der 32-jährige und sein Bruder waren in der Nacht zum Sonntag bei einem Großeinsatz der Polizei festgenommen worden. Foto: picture alliance/dpa

Bei einer Durchsuchung von Garagen in Castrop-Rauxel am Montagvormittag, auf die zwei am Wochenende wegen des Verdachts der Vorbereitung eines Giftanschlags festgenommene Brüder Zugriff hatten, wurden laut einem Bericht der Deutschen Presse-Agentur keine Giftstoffe gefunden.

»Im Ergebnis haben wir nichts Beweisrelevantes gefunden«, teilte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf der dpa mit.

Es sei ein Paket gefunden worden, das man zunächst habe untersuchen müssen. Darin befand sich aber offenbar nichts Gefährliches. Zuvor waren umliegende Häuser evakuiert worden, um eine mögliche Gefährdung der Anwohner auszuschließen. Die Garagen lagen in der Nähe der Wohnung des 32-Jährigen. Laut dem Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft war er nicht Mieter der Garagen, soll aber Zugriff auf sie gehabt haben.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Die beiden Brüder sollen sich laut der Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf seit 2015 in Deutschland aufhalten und versucht haben, die Giftstoffe Cyanid und Rizin zu beschaffen, um »eine unbestimmte Anzahl von Personen« zu töten.

CYANID UND RIZIN Am Sonntagabend wurde gegen beide Haftbefehl erlassen, wie die dpa aus Ermittlerkreisen erfuhr. Die Ermittler sehen den Verdacht der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat und der Verabredung zu einem Verbrechen, nämlich Mord. Das hochgiftige Rizin wird nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) in der Kriegswaffenliste unter »Biologische Waffen« aufgeführt. Cyanid ist ebenfalls hochgiftig, bereits kleinste Mengen wirken bei Menschen tödlich.

Zunächst hatte sich der Verdacht nur gegen den 32-Jährigen gerichtet. In seiner Wohnung hielt sich bei dem Einsatz in der Nacht zum Sonntag aber auch der 25-Jährige auf. Wie konkret die möglichen Anschlagspläne fortgeschritten waren und was ein mögliches Ziel gewesen wäre, blieb zunächst unklar.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Laut dpa vermuten die Ermittler, dass der Ältere der beiden Anhänger einer sunnitischen islamistischen Terrorgruppe ist. Er soll aber nicht im Auftrag staatlicher iranischer Behörden gehandelt haben. Der 25 Jahre alte Bruder war der Polizei demnach zwar zuvor bekannt, allerdings aus Gründen, die nicht mit islamistischem Terror zusammenhängen.

VORSTRAFE Der jüngere der beiden Brüder wurde 2019 unter anderem wegen versuchten Mordes zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren verurteilt. Zum Zeitpunkt seiner Festnahme in der Nacht zum Sonntag im Ruhrgebiet war er noch nicht auf freiem Fuß, sondern in einer Entziehungsanstalt in Hagen untergebracht. Der Mann durfte aber angesichts einer Lockerung am Wochenende teils bei Familienangehörigen übernachten. Das teilte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Dortmund am Montag mit.

Einem Bericht der Nachrichtenseite »Ynet« zufolge trugen auch israelische Geheimdienste zu den Ermittlungen in Nordrhein-Westfalen bei.

Der heute 25-Jährige hatte laut Staatsanwaltschaft im Juli 2018 im betrunkenen Zustand einen großen Ast von einer Autobahnbrücke geworfen und ein Auto getroffen. Eine Fahrerin wurde durch Glassplitter verletzt. Ein Gericht ordnete ferner 2019 an, den Mann nach Verbüßung von 18 Monaten in Haft in einer Entziehungsanstalt unterzubringen.

Die deutschen Ermittler waren wegen eines Tipps von Kollegen aus den USA aktiv geworden. Laut dem Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft hatte es einen Hinweis einer US-amerikanischen Sicherheitsbehörde auf den 32-Jährigen gegeben. Einem Bericht der Nachrichtenseite »Ynet« zufolge trugen auch israelische Geheimdienste zu den Ermittlungen in Nordrhein-Westfalen bei.

Geprüft werde nun auch, ob die beiden Verdächtigen einen Anschlag auf jüdische oder israelische Ziele planten, so »Ynet«.

Namentlich nicht genannte Quellen bestätigten gegenüber »Ynet« die Beteiligung des Auslandsgeheimdienstes Mossad. Dieser habe wichtige Informationen an die deutschen Ermittler geliefert. Geprüft werde nun auch, ob die beiden Verdächtigen einen Anschlag auf jüdische oder israelische Ziele planten, so »Ynet«.

KARLSRUHE Die für Terrorismus-Ermittlungen zuständige Bundesanwaltschaft hat den Fall bislang nicht übernommen. »Wir stehen mit den zuständigen Behörden in Düsseldorf und Nordrhein-Westfalen in Kontakt und beobachten die Entwicklungen«, sagte eine Sprecherin der Karlsruher Behörde am Montag auf Anfrage der dpa.

Die Staatsanwaltschaft des Bundes ist für die Verfolgung bestimmter Staatsschutz-Delikte unmittelbar zuständig. Dazu gehört die Mitgliedschaft in einer Terrorvereinigung.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Außerdem kann sie unter bestimmten Voraussetzungen die Strafverfolgung in weiteren Fällen übernehmen, zum Beispiel, wenn der Verdacht der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat im Raum steht. Dafür muss die Tat allerdings von »besonderer Bedeutung« sein.

Vor Kurzem hatte die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe bekanntgegeben, dass sie im Fall der möglichen Anschläge auf jüdische Einrichtungen in Essen, Dortmund und Bochum, bei denen ebenfalls Iraner verdächtigt werden, die Ermittlungen an sich gezogen hat. dpa/ja

Kommentar

UNRWA: Fakten statt Tabus

Warum Kritik am Palästinenserhilfswerk auf Schweigen und Ablehnung stößt

von Duki Dror  12.08.2026

Nordhessen

Vier Meter großes Hakenkreuz in Asphalt gebrannt

Die Polizei sucht nun nach den Täter, der Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen

 12.08.2026

Judenhass

Tourist mit Kippa in Rom zweimal attackiert

Antisemitische Vorfälle in Italien nehmen seit Jahren zu. Nun wurde ein junger Tourist in der Hauptstadt gleich zweimal angegriffen. Er trug eine Kippa

von Severina Bartonitschek  12.08.2026

Vorfall

»Hitler« und »Freies Palästina«: Jüdisches Gebetbuch antisemitisch beschmiert

Ein Mitarbeiter des deutsch-jüdischen Vereins »WerteInitiative« bestellte einen Machsor für die anstehenden Feiertage – doch als er ihn zu Hause öffnete, fand er darin eindeutige Schmierereien

von Mascha Malburg  12.08.2026

Tel Aviv/Gaza/Brüssel

Israel verlängert zwei EU-Missionen in Palästinensergebieten

Die EU hilft bei der Ausbildung palästinensischer Polizisten und der Überwachung des Rafah-Grenzübergangs. Beide EU-Missionen können nun aus Sicht Israels bis 2027 weitergehen

von Cindy Riechau  12.08.2026

Nahost

Abbas zu Gesprächen mit Erdoğan in Ankara

Der Palästinenserpräsident will sich zwei Tage in der Türkei aufhalten. Israels Finanzminister Smotrich fordert Netanjahu auf, Abbas die Rückkehr zu verweigern

 12.08.2026

Iran

Wegen des AMIA-Anschlags gesucht: Der neue Sicherheitschef in Teheran

Mohsen Rezaei übernimmt eine der wichtigsten sicherheitspolitischen Positionen des Landes. Argentinische Ermittler bringen ihn mit dem Terroranschlag in Verbindung, bei dem 85 Menschen ermordet wurden

 12.08.2026

New York

Widersprüchliche Angaben zu Syrien-Reise von Mamdanis Ehefrau

Ob die Bürgermeistergattin bei ihrer privaten Nahostreise vom Steuerzahler finanzierten Polizeischutz bekommt oder nicht, ist umstritten

 12.08.2026

New York

Rabbiner äußern sich nach Treffen mit Bürgermeister Mamdani

Die Geistlichen erklären, der Bürgermeister habe sich ernsthaft auf den Austausch eingelassen und in guter Absicht zugehört

 12.08.2026