US-Präsident Donald Trump gibt sich im Konflikt mit dem Iran nach außen kämpferisch, soll intern jedoch zunehmend mit Sorgen über Verlauf und Folgen des Krieges ringen. Das berichtet das »Wall Street Journal« unter Berufung auf Regierungsvertreter und Personen aus dem Umfeld des Präsidenten.
Demnach schwankt Trump seit Beginn der militärischen Auseinandersetzung zwischen harten Drohungen und dem Wunsch nach einer schnellen diplomatischen Lösung. Öffentlich trete er oft maximalistisch auf, hinter verschlossenen Türen stelle er jedoch immer wieder Fragen nach Risiken, politischen Schäden und möglichen Fehlschlägen.
Besonders nervös soll Trump gewesen sein, nachdem ein amerikanisches Flugzeug über dem Iran abgeschossen worden war und zwei Besatzungsmitglieder vermisst wurden. Laut Bericht habe er seine Mitarbeiter stundenlang angeschrien und sofortige Rettungsmaßnahmen verlangt. Gleichzeitig habe ihn die Erinnerung an die Geiselkrise von 1979 beschäftigt, die maßgeblich zum Scheitern von Präsident Jimmy Carter beigetragen hatte.
»Was für ein Chaos«
Bereits im März habe Trump gesagt: »Wenn man sich anschaut, was mit Jimmy Carter passiert ist … mit den Hubschraubern und den Geiseln, dann hat es ihn die Wahl gekostet. Was für ein Chaos.«
Die Rettung eines Soldaten gelang offenbar rasch, der zweite wurde erst deutlich später in einer riskanten Operation geborgen. Damit sei ein mögliches politisches Desaster für Trump zunächst abgewendet worden.
Nur wenige Stunden später griff der Präsident erneut zu drastischer Rhetorik. In sozialen Medien schrieb er: »Macht die verdammte Straße von Hormus auf, ihr Verrückten, sonst lebt ihr in der Hölle.« Dem Beitrag habe er zudem ein islamisches Gebet hinzugefügt.
Beleidigender Ton
Berater berichteten dem Blatt, Trump habe bewusst provozieren wollen. Er habe geglaubt, ein unberechenbarer und beleidigender Ton könne Teheran an den Verhandlungstisch zwingen. Später habe er dennoch gefragt: »Wie kommt das an?«
Auch eine weitere Drohung soll improvisiert entstanden sein. Trump habe erklärt, falls es binnen zwölf Stunden keine Einigung gebe, werde »eine ganze Zivilisation sterben«. Intern sei diese Eskalation weniger als Militärplan verstanden worden, sondern als Versuch, Verhandlungen zu erzwingen und den Krieg zu beenden.
Nach Angaben des Berichts zögert Trump zugleich bei militärischen Großoperationen mit hohen Risiken. So habe er sich gegen einen Angriff auf die iranische Insel Kharg gesträubt, über die ein Großteil der iranischen Ölexporte läuft. Obwohl ihm Erfolgsaussichten geschildert worden seien, habe er hohe amerikanische Verluste befürchtet.
Schaden für die Zwischenwahlen
Der Präsident messe den Erfolg des Krieges stark an der Zahl zerstörter iranischer Ziele. Gleichzeitig beobachte er Benzinpreise und Finanzmärkte genau. Steigende Energiekosten hätten ihn ebenso beschäftigt wie Umfragen, wonach der Krieg republikanischen Kandidaten für die Kongresswahlen am 3. November schade.
Laut »Wall Street Journal« überrascht Trumps Kriegsentscheidung manche langjährige Weggefährten. In seiner ersten Amtszeit habe er den Nahen Osten abfällig als »Blut und Sand« bezeichnet und deutlich gemacht, dass er sich nicht in neue Konflikte hineinziehen lassen wolle.
Im Weißen Haus wächst demnach zudem Frust über europäische Verbündete. Mehrere NATO-Staaten hätten sich geweigert, sich dem amerikanischen Vorgehen gegen den Iran anzuschließen. Trump habe sich darüber wiederholt verärgert gezeigt.
Widersprüchliche Aussagen
Trotz der Krise verliere Trump zeitweise den Fokus, heißt es in dem WSJ-Bericht weiter. Während über Waffenruhe und Militäreinsätze beraten worden sei, habe er sich mit Spendensammlungen für den Wahlkampf, Kryptowährungen, künstlicher Intelligenz und dem geplanten Ballsaal auf dem Gelände des Weißen Hauses beschäftigt.
Mitarbeiter hätten ihn mehrfach gebeten, spontane Interviews zu reduzieren, weil seine Aussagen widersprüchlich wirkten. Kurzzeitig habe er zugestimmt, später aber wieder regelmäßig mit Journalisten gesprochen.
Nach außen stellt das Weiße Haus den Präsidenten dagegen als entschlossenen Krisenmanager dar. Sprecherin Karoline Leavitt sagte laut Bericht, Trump habe im Wahlkampf versprochen, dem Iran den Weg zur Atomwaffe zu versperren. Genau das erreiche die aktuelle Operation. im