ZDF-Politbarometer

Auf Bundesebene: AfD erstmals stärkste Kraft

Tino Chrupalla, Vorsitzender der AfD-Bundestagsfraktion, und Co-Vorsitzende Alice Weidel nach der Klausurtagung im Bundestag Foto: picture alliance / Metodi Popow

Die schwarz-rote Koalition hat mit ihren angekündigten Maßnahmen gegen hohe Energiepreise und für Sozialreformen einer neuen Umfrage zufolge die Menschen im Land bisher nicht überzeugen können. Im neuen ZDF-»Politbarometer« werden die Arbeit von Regierung und Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) überwiegend negativ bewertet. Die AfD ist erstmals im »Politbarometer« stärkste Kraft. 

Für die repräsentative Umfrage wurden vom 14. bis 16. April 1.355 Wahlberechtigte befragt. Der Befragungszeitraum liegt damit nach den Ankündigungen der Koalitionäre vom Montag. Wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre, kämen CDU/CSU laut Forschungsgruppe Wahlen nur noch auf 25 Prozent (minus 1 Prozentpunkt im Vergleich zu Ende März). Die AfD läge unverändert bei 26 Prozent. Die SPD würde nur noch zwölf Prozent (minus 1) erreichen und damit auf ihren Tiefstwert in dieser Umfrage fallen. Damit hätte Schwarz-Rot keine parlamentarische Mehrheit mehr. 

Die Grünen könnten mit 14 Prozent (minus 1) rechnen, die Linke würde auf 11 Prozent (plus 1) zulegen. Die FDP, die in den vergangenen Monaten mangels ausreichender Nennungen nicht einzeln ausgewiesen wurde, käme auf drei Prozent.

Die Forschungsgruppe Wahlen ist nicht das erste Institut, das die AfD vor der Union sieht. Auch in aktuellen Umfragen von YouGov, Insa und Forsa ist die Partei stärkste Kraft, bei Insa und Forsa liegt sie jedoch eher knapp vorn. Wahlumfragen sind generell mit Unsicherheiten behaftet. Unter anderem erschweren nachlassende Parteibindungen und immer kurzfristigere Wahlentscheidungen den Meinungsforschungsinstituten die Gewichtung der erhobenen Daten. Grundsätzlich spiegeln Umfragen nur das Meinungsbild zum Zeitpunkt der Befragung wider und sind keine Prognosen auf etwaige Wahlausgänge. 

Die Spitzen der Koalition hatten am vergangenen Wochenende zwei Tage hinter verschlossenen Türen in der Villa Borsig im Norden von Berlin beraten. Beschlossen wurden eine auf zwei Monate befristete Senkung der Steuern auf Diesel und Benzin um rund 17 Cent pro Liter. Beschäftigte sollen zudem eine steuerfreie 1.000-Euro-Prämie von ihren Arbeitgebern bekommen können. Zur Gegenfinanzierung soll die Tabaksteuer schon im Jahr 2026 erhöht werden. Daneben kündigten die Koalitionsspitzen umfassende Reformen etwa bei der Gesundheit an.

Den Tankrabatt finden 47 Prozent der Befragten gut, 48 Prozent hingegen nicht. Dass dieser an die Kunden weitergegeben wird, glauben 91 Prozent nicht. Die mögliche Arbeitgeberprämie heißen 53 Prozent gut, 43 Prozent aber nicht. Dass die Reformvorhaben der Regierung einen wichtigen Beitrag zur Lösung der Probleme in Deutschland leisten werden, glauben nur 22 Prozent, 73 Prozent verneinen dies. 

Zugleich fällt die Zufriedenheit mit Bundesregierung und Bundeskanzler im ZDF-»Politbarometer« auf ein Rekordtief. Nach 34 Prozent Ende März zeigen sich jetzt nur noch 27 Prozent der Befragten insgesamt zufrieden mit der Arbeit der Regierung. 63 Prozent stellen ihr ein schlechtes Zeugnis aus. Nur noch 18 Prozent halten die Kooperation innerhalb der Koalition für gut, 73 Prozent nehmen sie dagegen als schlecht wahr. 

Auch die Unzufriedenheit mit der Arbeit von Bundeskanzler Merz hat weiter zugenommen. 65 Prozent bescheinigen ihm schlechte Arbeit (Ende März: 57 Prozent), nur 30 Prozent gute Arbeit (März: 38 Prozent), darunter mehrheitlich die Anhängerschaft der CDU/CSU. Die Zusammenarbeit zwischen Union und SPD ist aus der Sicht von 73 Prozent der Befragten eher schlecht, im August 2025 waren noch 61 Prozent dieser Ansicht. 

Ebenfalls viel Kritik gibt es an Finanzminister Lars Klingbeil (SPD), dessen Leistung 29 Prozent als gut und 58 Prozent als schlecht beurteilen, sowie an Wirtschaftsministerin Katherina Reiche, die nur für 19 Prozent einen guten Job macht (schlecht: 64 Prozent). Klingbeil und Reiche hatten öffentlich über Maßnahmen gegen die hohen Energiepreise gestritten. dpa

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