London

Antisemitismus-Vorwürfe: Britische Grüne suspendieren jüdischen Anti-Zionisten

Tony Greenstein (Aufnahme von 2018) Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Die britische Green Party hat den jüdischen Anti-Israel-Aktivisten Tony Greenstein vorläufig suspendiert. Medienberichten zufolge begründete die Partei den Schritt mit einer »dokumentierten Geschichte des Antisemitismus, einschließlich jüngster Terrorismus-Anklagen«. Die Entscheidung soll laut den Berichten mit elf zu einer Stimme gefallen sein.

Greenstein, der erst im März der Partei beigetreten war, weist die Vorwürfe zurück. In einer E-Mail an Parteivertreter schrieb er: »Ich bin nicht überrascht, dass ihr einen prominenten jüdischen Anti-Zionisten suspendiert habt.«

Zudem behauptete er, in der Partei würden Antisemitismus-Beschuldigungen nun nach dem »Corbyn-Drehbuch« eingesetzt. Eine Anspielung auf Jeremy Corbyn, den ehemaligen Chef der britischen Labour-Partei. Während dessen Amtszeit gab es innerhalb der Partei zahlreiche Vorwürfe des Antisemitismus gegen Parteimitglieder. Tony Greenstein, damals noch Mitglied bei Labour, wurde ebenfalls wegen Antisemitismus ausgeschlossen.

Zuvor hatte sich Greenstein in einen parteiinternen Konflikt eingeschaltet. Dabei ging es um einen Antrag, Zionismus innerhalb der Partei als rassistisch einzustufen. Nach Angaben der Berichte kam es auf dem Parteitag nicht mehr zu einer Abstimmung. Greenstein äußerte danach scharfe Kritik an der Parteiführung und sprach von einer Kampagne gegen ihn.

Äußerungen zugunsten der Hamas

Die Partei verweist demgegenüber auf frühere Vorfälle. Greenstein erhielt 2023 eine Bewährungsstrafe, nachdem er gemeinsam mit der Gruppe Palestine Action ein Werk des Rüstungsunternehmens Elbit Systems angegriffen hatte. Zudem muss er sich wegen eines mutmaßlichen Verstoßes gegen britische Terrorgesetze verantworten. Hintergrund sind Äußerungen in sozialen Netzwerken zugunsten der Hamas, die in Großbritannien verboten ist. Greenstein plädiert auf nicht schuldig.

Lesen Sie auch

Laut »The Jerusalem Post« fiel Greenstein wiederholt mit extremen Aussagen auf. So verglich er Israelis demnach mehrfach mit Nationalsozialisten und stellte die Hamas-Verbrechen vom 7. Oktober infrage. Erst vor wenigen Tagen schrieb er in Reaktion auf einen Gedenkbeitrag für ein von Hamas ermordetes Opfer, er erinnere lieber an »die tausenden Kinder, die ihr in Gaza getötet und ausgehungert habt«.

Tatsächlich hat Israel während des Krieges in Gaza für die Einfuhr von über zwei Millionen Tonnen an Hilfsgütern für die Bevölkerung gesorgt und Zivilisten so gut es ging geschützt, während die Hamas systematisch zivile Gebäude für Angriffe nutzte. Terroristen verschanzten sich in Schulen, Krankenhäusern und Wohnblocks.

Nicht der erste Parteiausschluss

Die Suspendierung erfolgt in einer Phase, in der mehrere Green-Politiker wegen antisemitischer oder extremistischer Online-Beiträge unter Druck geraten sind. Die Parteiführung erklärte zuletzt, es gebe einen »klaren Unterschied« zwischen scharfer Kritik an Israel und Antisemitismus.

Für Greenstein ist es nicht der erste Parteiausschluss. Wie »The Jewish Chronicle« bereits 2018 berichtete, wurde er damals nach einem Disziplinarverfahren aus der Labour-Partei ausgeschlossen. Das zuständige Gremium sah mehrere Verstöße wegen beleidigenden und einschüchternden Verhaltens als erwiesen an. Labour erklärte damals, Greensteins Mitgliedschaft sei beendet worden. im

Handelte es sich beim Nationalsozialismus um eine linke Ideologie?

Ein Faktencheck

 23.10.2026

Justiz

Ermittler: Ahmetovic kooperierte nicht bei Durchsuchungen

Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt im Zusammenhang mit der Ausschreibung eines früheren Klinikgeländes in Lehrte bei Hannover gegen den SPD-Politiker

 23.10.2026

Berlin

Umfrage: Mehrheit lehnt rot-grün-rote Koalition ab

Linke, SPD und Grüne verhandeln derzeit über eine gemeinsame Landesregierung. Eine solche Koalition stößt auf Skepsis - auch unter Anhängern von SPD und Grünen

 23.10.2026

Warschau

Polen rügt Ehrung für ukrainische Nationalisten in Lwiw

Erst ein Ehrentitel für eine ukrainische Einheit, nun ein Gedenkjahr für nationalistische Untergrundkämpfer: Der Geschichtsstreit zwischen Polen und der Ukraine flammt erneut auf

 23.10.2026

Umfrage

Umfrage: So würde Deutschland abstimmen, wenn am Sonntag Wahlen wären

 23.10.2026

München

Aigners Befund zu Judenhass: »Das ›Nie wieder!‹ ist tot«

Die bayerische Landtagspräsidentin gibt eine schonungslose Analyse zum Antisemitismus in Deutschland. Doch sie sieht auch hoffnungsvolle Ansätze, um gegenzusteuern

 23.10.2026

Deutschland

Wie hält es die CDU in Sachsen-Anhalt mit der AfD?

AfD-Politiker Siegmund braucht drei Stimmen aus anderen Reihen, um Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt zu werden. Ein CDU-Abgeordneter stellt sich nun gegen die CDU-Fraktionslinie

von Christopher Kissmann  22.10.2026

Debatte

Wahl in Israel: Star-Dirigent Lahav Shani meldet sich ausführlich zu Wort

In der Vergangenheit war der Musiker mehrmals im Visier radikaler Israelfeinde

 22.10.2026

Berlin

Zentralrat der Juden warnt vor rot-grün-roter Koalition

Schuster: »Im Kampf gegen Judenhass ist dieses Schauspiel ein echter Offenbarungseid«

 22.10.2026 Aktualisiert