Interview

»Ich wünsche ihm, dass er überlebt«

Alexej Nawalny mit seiner Frau am Sonntagabend kurz nach seiner Ankunft in Russland Foto: imago images/Russian Look

Herr Lagodinsky, Alexej Nawalny ist gestern aus Deutschland nach Moskau zurückgekehrt. Wie bewerten Sie seinen Entschluss, nach dem Giftanschlag trotz allem nach Russland zurückzukommen?
Es ist absolut konsequent, wenn man ihn und seine Positionen kennt. Ich habe persönlich nie daran gezweifelt, dass er zurückkehrt. Das hat er nach dem früheren Anschlag mit Brillantgrün im Jahr 2017 getan. Damals kehrte er aus Spanien zurück. Ob nach Anschlägen, in Gefängnissen oder vor Gericht: Es hieß immer bei ihm, dass er dort sein will, wo er politisch seine Leidenschaft und seine Mission zu erfüllen hat: nämlich in seiner Heimat, in Russland.

Nawalny wurde gestern sogleich verhaftet. Was sagt das über die Haltung der russischen Machthaber zu Nawalny aus?
Ich glaube, das zeigt, dass sie sauer, verärgert und genervt sind. Und es zeigt, dass sie in diesem Zustand des Ärgers auch nicht ganz rational handeln. Sie verschaffen Nawalny dadurch mehr Öffentlichkeit, als er ohne sie gehabt hätte. Sie werden auf diese Art und Weise zu Akteuren in dieser tragischen Geschichte. Sie erzählen praktisch die Geschichte für ihn mit. Das ist das Blödeste, was man machen kann.

Wie wird es Alexej Nawalny in den nächsten Wochen und Monaten ergehen?
Es ist bereits ein Gerichtstermin für den heutigen Montag angesetzt. Ich kann mir vorstellen, dass er in Haft bleibt und Ende des Monats das Gericht entscheidet. Da war ein Termin für die Umwandlung der Bewährungszeit in Gefängnisstrafe auch sowieso angesetzt.

Lässt sich eine Haftstrafe noch verhindern?
Ich glaube schon, dass wenn genug Druck aus der internationalen Gemeinschaft kommt, dass es sich noch verhindern ließe.

Was kann Ihrer Meinung nach das Europäische Parlament tun?
Wir, die Grünen im Europaparlament, haben gestern eine Plenardebatte und eine Resolution vorgeschlagen. Die Debatte wird am Dienstagabend stattfinden. Es braucht politischen Druck.

Sind auch weitere Sanktionen gegen Russland denkbar?
Selbstverständlich wird es eine Diskussion um neue Sanktionen geben. Ich finde es auch in Ordnung, wenn es schnell passiert und effektiv eingesetzt wird. Ich glaube, dass wir nicht umhin kommen, die Frage der großen Wirtschaftsprojekte, insbesondere von Nord Stream 2, aufzuwerfen. Der Umgang mit Nawalny ist schon eine deutsche und auch europäische Angelegenheit.

Warum?
Erstens, weil diese Verhaftung gegen das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte stattfindet. Das Gericht hatte gesagt, dass das Urteil, auf dem die Verhaftung basiert, politisch motiviert und somit eigentlich gegenstandslos ist.

Warum sollte sich die Bundesregierung einbringen?
Ein Land, das Nawalny zusammengeflickt hat, steckt schon mit drin. Es geht nicht nur um Freiheitsentzug. Ein System, das Nawalny umbringen wollte, kann erst recht alles mit ihm tun, wenn er im Gefängnis sitzt. Insofern ist die Lebensgefahr, die von der deutschen Bundesregierung mit viel Mühe behoben wurde, jetzt wieder da. Insofern muss auch die Bundesregierung über informelle Kanäle, aber auch durch große, starke, symbolische Entscheidungen liefern.

Was verbindet Sie persönlich mit Alexej Nawalny?
Wir kennen uns seit zehn Jahren, seitdem wir an der Yale University zusammen ein Stipendienprogramm absolviert haben. Ich kenne ihn, seine Frau und seine Familie gut.

Was wünschen Sie persönlich Herrn Nawalny für die nächsten Wochen und Monate?
Dass er überlebt.

Mit dem Europaabgeordneten der Grünen und stellvertretenden Vorsitzenden des Rechtsausschusses im Europäischen Parlament sprach Eugen El.

Washington

Berichte: Iran bricht Kontakt mit US-Seite ab

Wenige Stunden vor Ablauf seines Ultimatums droht US-Präsident Trump dem Iran mit harschen Worten. Laut Berichten zieht Teheran daraus Konsequenzen

 07.04.2026

New York

Russland und China stimmen gegen UN-Resolution zur Straße von Hormus

Seit dem Beginn der amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran ist die Meerenge für die Handelsschifffahrt weitgehend blockiert. Eine UN-Resolution zur Entschärfung der Lage ist nun gescheitert

 07.04.2026

Washington

Trump: »Eine ganze Zivilisation wird heute Nacht untergehen«

Mit Drohungen hat der US-Präsident bereits in den Tagen vor Ablauf seiner Frist versucht, den Druck auf den Iran zu erhöhen. Nun legt er noch einmal nach

 07.04.2026

Berlin

Antisemitismusbeauftragter gegen »Kufiyas in Buchenwald«

Vor dem Gedenken an die Befreiung des früheren NS-Konzentrationslagers wird über angekündigten propalästinensischen Protest gestritten. Felix Klein solidarisiert sich mit der Gedenkstättenleitung

 07.04.2026

Teheran

Landesweite Angriffe auf Verkehrsinfrastruktur im Iran

Mehrere Autobahnen und Eisenbahnbrücken wurden angegriffen. Israels Premierminister Netanjahu bestätigt die Angriffe und sagt, dass die Ziele von den Revolutionsgarden genutzt würden

 07.04.2026 Aktualisiert

Teheran

Iran meldet Angriff auf Eisenbahnbrücke

Israels Militär droht mit Angriffen auf das iranische Schienennetz. Nur wenige Stunden später meldet der Iran die Bombardierung einer Eisenbahnbrücke

 07.04.2026

Israel

Zeit, Zionist zu sein!

Fünf Gründe, den jüdischen Staat zu lieben – mit all seinen Stärken und Schwächen

von Daniel Neumann  07.04.2026

Iran-Krieg

Medien: USA greifen Dutzende Ziele auf Ölinsel Charg an

Bereits Mitte März hat das US-Militär die Insel Charg im Persischen Golf bombardiert. Nun berichten US-Medien über neue Angriffe

 07.04.2026 Aktualisiert

Türkei

Schüsse vor Israels Konsulat in Istanbul – Ein Angreifer tot

Vor dem israelischen Konsulat in Istanbul sind Schüsse gefallen. Einer von drei Angreifern wird nach offiziellen Angaben getötet. Was steckt dahinter?

 07.04.2026 Aktualisiert