Beirut

Hisbollah-Chef: Angriffe haben nichts mit Iran-Krieg zu tun

Naim Qassem, Generalsekretär der Terrororganisation Hisbollah Foto: picture alliance / Anadolu

In einer Fernsehansprache am Mittwoch erklärte Naim Qassem, dass die erneuten Raketenangriffe der Hisbollah auf Israel nichts mit dem Iran-Krieg zu tun hätten, sondern eine direkte Reaktion auf die anhaltende Präsenz und Luftangriffe Israels in Libanon seit dem Waffenstillstand von November 2024 seien. Die israelische Regierung wiederrum begründet die Angriffe mit Verstößen gegen die Waffenruhe durch die Hisbollah.

»Bei Gott, wie seltsam ihr seid«, sagte Qassem, adressiert an die libanesische Regierung. »Was ist eure Antwort auf die groß angelegte Aggression?«

Der Terror-Chef betonte, die Angriffe auf Israel seien »nicht mit irgendeinem anderen Kampf verbunden. Wir wollen die Aggression stoppen.« Gleichzeitig machte er deutlich, dass die Raketenangriffe auch eine Reaktion auf »15 Monate von Verstößen gegen uns, einschließlich der gezielten Angriffe auf die große religiöse Autorität« seien – in diesem Fall Ajatollah Ali Khamenei, den iranischen Obersten Führer.

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Aus israelischer Sicht verstieß die Hisbollah immer wieder gegen die Waffenruhe, auch indem sie südlich des Litani-Flusses, in unmittelbarer Nähe zur israelischen Grenze, Waffenlager einrichtete. Die Waffenruhe war im November 2024 in Kraft getreten, nachdem die Hisbollah am 8. Oktober 2023 begonnen hatte Israel - aus Solidarität mit der Hamas - mit Raketen anzugreifen.

»Für jeden, der nach dem Zeitpunkt fragt: ›Sollten wir endlos Geduld haben?‹« sagte Qassem dennoch. »Was Israel nach dem Raketenhagel getan hat, war keine Reaktion. Es war eine Aggression, die im Voraus geplant war.«

Er verteidigte das Vorgehen seiner Gruppe: »Hisbollah und ihr islamischer Widerstand reagieren auf die israelisch-amerikanische Aggression, und das ist ein legitimes Recht. Für uns ist dies eine existenzielle Verteidigung.«

»Schwerwiegender Fehler«

Qassem kritisierte außerdem die Entscheidung der libanesischen Regierung im August, sämtliche Waffen im Land – vor allem die der Hisbollah – unter staatliche Kontrolle zu bringen. Dies sei »ein schwerwiegender Fehler, der die Position des libanesischen Staates geschwächt und Israel die Freiheit der Aggression legitimiert« habe. »Solange es eine Besatzung gibt – sind Widerstand und Waffen ein Recht«, sagte der Terrorist.

Die jüngsten Ankündigungen der libanesischen Regierung, Hisbollahs militärische Aktivitäten sofort zu verbieten und die Waffenabgabe zu fordern, bezeichnete Qassem als »falsch ausgerichtet«.

Regierung verbietet Aktivitäten der Revolutionsgarden

Derweil geht die Regierung in Beirut weiter gegen die Revolutionsgarden im Land vor. Sie hat die zuständigen Behörden angewiesen, »jegliche Sicherheits- und Militäraktivitäten« der iranischen Revolutionsgarden (IRGC) zu unterbinden. Informationsminister Paul Morcos erklärte, die Entscheidung sei in einer Kabinettssitzung unter Vorsitz von Ministerpräsident Nauaf Salam gefallen. 

Insbesondere das Verteidigungsministerium, das Innenministerium und alle Militär- und Sicherheitsbehörden sollten unverzüglich und entschieden eingreifen, hieß es in einer Regierungserklärung. IRGC-Mitglieder sollten festgenommen werden, damit ihre Abschiebung aus dem Libanon vorbereitet werden könne. Das Kabinett beschloss darüber hinaus, die Visumpflicht für iranische Staatsangehörige bei der Einreise in den Libanon wieder einzuführen. ja/dpa

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