Berlin

Hertie School: Studierendenvertretung verliert Misstrauensvotum

Fassade der Hertie School in Berlin Foto: IMAGO/pictureteam

Die Studierendenvertretung der Hertie School wurde nach einem Misstrauensvotum aufgelöst. Am Freitag gab die private Hochschule mit Sitz in Berlin bekannt, dass in einer dreitägigen Abstimmung 52 Prozent der Studentinnen und Studenten für einen Misstrauensantrag gegen die aktuelle Studierendenvertretung stimmten. 47 Prozent sprachen sich dagegen aus.

Hintergrund des Votums ist ein Beschluss der Studierendenvertretung (HSR) vom 6. März zur Unterstützung der gegen Israel gerichteten Boykott-Bewegung BDS. Das Kürzel steht für »Boycott, Divestment and Sanctions«. Kritiker werfen der Bewegung vor, sich gegen die Existenz Israels zu richten und antisemitische Positionen zu vertreten.

Hochschulleitung kritisiert BDS-Bewegung

Die Leitung der Hertie School distanzierte sich deutlich von der BDS-Bewegung und betonte, dass diese »ihren Werten eines offenen Dialogs sowie ihrem Engagement für Partnerschaften in Israel widerspricht, insbesondere mit der Hebräischen Universität«. Auch seitens der Studenten gab es Kritik an dem Beschluss ihrer Vertretung. Die Gruppe »Hertie Students for an Open University« brachte schließlich mit Erfolg einen Misstrauensantrag gegen den HSR ein.

Die Hochschulleitung begrüßte den Vorgang. »Die Auseinandersetzungen haben gezeigt, wie zentral die Repräsentation der Vielfalt unserer Gemeinschaft für alle Beteiligten ist«, heißt es in einer Pressemitteilung. Die Neuwahlen der Studierendenvertretung sollen nun bis Ende März abgeschlossen werden.

JSUD-Präsident: »Ein seltener Sieg«

Ron Dekel, Präsident der Jüdischen Studierendenunion Deutschland (JSUD), sagte der Jüdischen Allgemeinen zur Auflösung des HSR: »Das ist ein leider sehr seltener Sieg für die sogenannte schweigende Mehrheit, die in den letzten zwei Jahren jüdische Studierende an Universitäten viel zu oft im Stich gelassen hat.« Das erfolgreiche Misstrauensvotum sende »ein wichtiges Signal«.

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Dekel weist zugleich darauf hin, dass der Fall eine Ausnahme darstelle. »An vielen anderen Universitäten in Deutschland werden ähnliche Debatten geführt, teilweise werden dort ebenfalls BDS-nahe Beschlüsse diskutiert oder verabschiedet, ohne dass dies überregional wahrgenommen wird.« Der JSUD-Präsident fordert, dass in den Blick genommen werde, »wie Universitäten insgesamt mit antisemitischen Dynamiken in studentischen Gremien umgehen und wie jüdische Studierende besser geschützt werden können«.

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