Berlin

Grüne Woche: Welche Rolle spielte die Messe im Nationalsozialismus?

Eröffnung der Grünen Woche in den Messehallen unter dem Funkturm im Jahr 1936 Foto: picture alliance / ullstein bild

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Grüne Woche: Welche Rolle spielte die Messe im Nationalsozialismus?

Die Landwirtschaftsmesse hat sich in den 100 Jahren ihres Bestehens verändert. Wie sie zu ihrem Namen kam und welche Rolle sie in Nazi-Deutschland spielte

von Matthias Arnold  14.01.2026 10:30 Uhr

Einmal im Jahr schnuppern die Berlinerinnen und Berliner auf dem Messegelände unterm Funkturm Landluft. Sie bestaunen große Zuchtbullen und kleine Lämmer, probieren Trierer Riesling oder Allgäuer Bio-Käse und atmen den Duft der Blüten in der Blumenhalle. Seit 100 Jahren zeigt die deutsche und internationale Agrarbranche auf der Grünen Woche, was Landwirtschaft zu bieten hat. In diesem Jahr feiert die Messe ihre 90. Ausgabe. 

Für Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) ist sie »fast wie wenn Ostern und Weihnachten zusammenfällt«. Für die Agrar- und Ernährungswirtschaft ist es das wichtigste Branchentreffen des Jahres mit Politprominenz und Hunderttausenden Besucherinnen und Besuchern.

Bereits Ende des 19. Jahrhunderts trafen sich Vertreter der Branche in Berlin im Tagungsviertel - gekleidet in grüne Lodenmäntel, wodurch die spätere Grüne Woche wohl ihren Namen erhalten hat. Ihre Stände und Ausstellungen waren über die ganze Stadt verstreut. 

Veranstaltet von den Nazis

Ein Mitarbeiter des Berliner Fremdenverkehrsamts hatte schließlich die Idee einer zentralen Veranstaltung am Kaiserdamm. 50.000 Besucherinnen und Besucher kamen nach Angaben der Berliner Messe zur ersten Ausgabe der Grünen Woche vom 20. bis zum 28. Februar 1926. Tierausstellungen und Reitturniere waren demnach bereits in den ersten Messejahren zentrale Bestandteile. Die Hauptstadt war damals viel stärker landwirtschaftlich geprägt als heute. 20 Prozent der Stadtfläche war laut Messe Agrarland. Die Grüne Woche im Nationalsozialismus

Im Nationalsozialismus verlor die Agrarschau ihre Eigenständigkeit und wurde zur Plattform für die »Blut und Boden«-Propaganda der Nazis. Jüdische und politisch verfolgte Personen wurden entlassen und als Aussteller ausgeschlossen. »Inhaltlich lag der Fokus auf der autarken Selbstversorgung des Reichs«, schreibt die Berliner Messe.

Schon 1935 bezog sich die Propaganda Historikern zufolge auch auf den Osten als neuen Lebensraum. Insgesamt fünf Grüne Wochen veranstalteten die Nazis, dann unterbrach der deutsche Angriffskrieg den Veranstaltungsrhythmus. 

»International« seit 1962

1948 organisierte den Messeangaben zufolge der Zentralverband der Kleingärtner, Siedler und Boden nutzenden Grundbesitzer die erste Grüne Woche nach dem Krieg. Aufgrund der Blockade Westberlins durch die Sowjetunion wurden Exponate und Material über die Luftbrücke der Alliierten in die Stadt geflogen. Würste und Schinken in den Auslagen der Stände waren aus Pappe. 

Mit dem Mauerbau im Jahr 1961 wurde es für Produzenten und Besucher aus dem Osten unmöglich, zur Messe zu kommen. Der Fokus verlegte sich auf internationale Aussteller aus Westeuropa. Fast die Hälfte der Aussteller im Jahr 1962 stammte den Messe-Darstellungen zufolge aus dem Ausland. Erstmals erhielt die Grüne Woche das Attribut international im Namen, das sie bis heute trägt. 

Nach der Wiedervereinigung kamen die ostdeutschen Bundesländer auf der Messe dazu. Mit zusätzlichen Hallen wurde die Grüne Woche in den Folgejahren flächenmäßig immer größer. Inzwischen ist der Deutsche Bauernverband der Träger der Messe.

Wein- und Käseprobe

Inhaltlich rückte mit der Klimakrise auch das Thema nachhaltige Landwirtschaft in den Mittelpunkt des Branchentreffs. Insofern ist die Messe auch Ort der politischen Auseinandersetzung und wird seit vielen Jahren begleitet von großen »Wir haben es satt!«-Demonstrationen, einem Bündnis aus Umwelt-, Natur- und Tierschutzverbänden. 

Gleichwohl dürfte die Messe nicht nur im Kalender des Agrarministers prominent markiert sein. Spitzenpolitiker aller Parteien lassen sich jedes Jahr vom Pressetross bei Wein- und Käseprobe ablichten. Auf der Eröffnungsfeier soll Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eine Rede halten. Bundeskanzler Friedrich Merz wird kommende Woche für einen Rundgang erwartet.

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