Europäische Union

»Gegenmedizin verabreichen«

FDP-Europaabgeordnete Nicola Beer Foto: PR

Die Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, Nicola Beer, hat vor einer Zunahme des Antisemitismus im Zuge der andauernden Corona-Krise gewarnt.

In den sozialen Netzwerken, aber auch vonseiten staatlicher Akteure wie dem Iran würde die Pandemie genutzt, um Stimmung gegen Juden zu schüren. So werde beispielsweise unterstellt, die Pandemie sei von Israel oder anderen interessierten jüdischen Kreisen ausgelöst worden.

IRAN Das iranische Gesundheitsministerium hatte im April einen internationalen Karikaturenwettbewerb zum Coronavirus abgehalten, bei dem auch antisemitische und antiisraelische Bilder eingereicht wurden. »Der Iran setzt das taktisch ein und will so die Türkei und arabische Länder anstiften, es ihm nachzutun. So werden mit gezielter antisemitischer Propaganda politische Anliegen vorangebracht«, sagte die frühere FDP-Generalsekretärin bei einem Pressegespräch am Donnerstag.

Beer forderte die EU auf, »das Desinformations-Monitoring auf den Iran auszuweiten, um damit auch als globaler Player ein starkes Zeichen gegen Antisemitismus zu setzen«.

Vor einem Jahr wurde die heute 50-Jährige als Abgeordnete ins Straßburger Parlament gewählt, seit Februar leitet sie eine überparteiliche Arbeitsgruppe von EU-Parlamentariern zum Antisemitismus.

FAKTENCHECK Beer betonte, es sei wichtig, dass die EU in Zeiten wie diesen selbst einen Faktencheck betreibe und gegebenenfalls auf Fake News öffentlich aufmerksam mache. Es gelte zu verhindern, dass sich Falschmeldungen und Antisemitismus ungehindert verbreiten. »Hier dürfen wir nicht einen Wimpernschlag lang wegsehen. Ich fordere daher, die Maßnahmen zur Bekämpfung von Antisemitismus auf europäischer Ebene nachzubessern«, sagte sie. Die EU müsse eine »Gegenmedizin« in Form von Fakten und Tatsachen verabreichen.

Von einer gesetzlichen Verpflichtung der Plattformbetreiber, selbst umgehend fragwürdige und möglicherweise rechtswidrige Inhalte zu löschen, oder von sogenannten »Uploadfiltern«, mittels derer Inhalte automatisch vorab geprüft werden, hält Beer allerdings nichts. Es sei nicht die Aufgabe privater Großunternehmen, hier eine Funktion zu übernehmen, welche nur staatlichen Stellen zustehe.

»Ich möchte nicht den großen Internet-Plattformen die Rechtsverfolgung überlassen«, sagte die liberale Politikerin. Statt Inhalte gleich zu löschen, gebe es auch die Möglichkeit, sie zu »flaggen« beziehungsweise bis zu einer Überprüfung zu blockieren. Außerdem sei es wichtig, dass auf die Fakten hingewiesen werde, so Beer – »zumindest für die Leute, die dafür noch zugänglich sind«.

EU-PRÄSIDENTSCHAFT Beer äußerte die Hoffnung, dass trotz der Corona-Krise die im Juli beginnende sechsmonatige EU-Ratspräsidentschaft Deutschlands dazu genutzt werde, den EU-weiten Kampf gegen Antisemitismus zu forcieren.

Es sei unerträglich, dass sich viele Juden in Europa im Alltag mit Antisemitismus konfrontiert sähen und sogar mit Auswanderungsgedanken trügen. Deutschland sei dabei – trotz seiner Vergangenheit – kein Musterknabe.

Beer forderte alle EU-Staaten auf, konsequent die IHRA-Definition zum Antisemitismus umzusetzen und anzuwenden.

Rechtsterrorismus

NSU-Unterstützerin Susann E. zu zwei Jahren Haft verurteilt

Im Prozess gegen Susann E. in Dresden ist das Urteil gesprochen. Weil sie der NSU-Terroristin Beate Zschäpe mit ihrem Ausweis und ihrer Krankenkassenkarte aushalf, wurde sie verurteilt. In Haft muss sich nicht.

 17.07.2026

Kommentar

Absage an Danger Dan und Igor Levit: Das ZDF hat absolut richtig gehandelt

Nicht alles, was nicht justiziabel ist, muss auch gesendet werden. Schon gar nicht unverhohlene Aufrufe zur linksextremen Gewalt und Verherrlichung der »Hammerbande«-Terroristen

von Philipp Peyman Engel  17.07.2026

Frankfurt am Main

»Widerstand ist Völkerrecht«-Demo darf stattfinden

Laut Staatsanwaltschaft liegt trotz des Demo-Mottos »Palästina darf sich wehren, auch mit Steinen und mit Gewehren« keine Volksverhetzung vor

 17.07.2026

Mainz

»Mutlos«: »Anstalt« reagiert auf Ausladung von Danger Dan

Die Macher der Satiresendung kritisieren die Entscheidung des ZDF deutlich. Auch der Musiker selbst meldet sich nochmal zu Wort - es geht auch um das Thema Gewalt

 17.07.2026

Berlin

SPD-Arbeitskreis fordert Ende deutscher Blockade gegen EU-Kurs zu Israel

»Es ist nicht glaubwürdig, wenn deutsche Waffen dazu dienen, die humanitäre Katastrophe zu verlängern«, sagt der SPD-Bundestagsabgeordnete Ralf Stegner

 17.07.2026

Washington D.C.

Trump-Nachfolge: Juden wenden sich von Vance ab, setzen auf Rubio

Zu den Gründen für den Vertrauensverlust gehören Vorstöße Vances gegen israelische Regierungsvertreter. Rubio hingegen hat schon immer Unterstützung für Israel gezeigt

 17.07.2026

Reform

Die Rente ist sicher

Trotz Stimmungstief in Deutschland: Die Vorschläge der Alterssicherungskommission weisen in die richtige Richtung

von Ayala Goldmann  17.07.2026

TV

Danger Dan contra ZDF: Ein Songtext und seine Folgen

Die Satiresendung »Die Anstalt« beschäftigt sich mit Radikalisierung. Der Rapper Danger Dan, der sich seit Jahren gegen Rechtsextremismus engagiert, sollte auftreten. Doch das ZDF lädt ihn aus

 17.07.2026

Budva

Israelis in Montenegro attackiert: Opfer berichtet von gebrochenem Kiefer

Einer der betroffenen Touristen: »Sie beschimpften uns, traten uns und warfen Stühle nach uns.«

 17.07.2026