Antisemitismus

Gedicht mit Folgen

Ulf Dunkel Foto: dpa

Antisemitismus

Gedicht mit Folgen

Niedersächsischer Grünen-Politiker Ulf Dunkel kündigt nach judenfeindlichen Äußerungen Mandatsverzicht an

von Martin Krauss  02.01.2013 11:42 Uhr

Ulf Dunkel bemüht sich um Schadensbegrenzung. Der Direktkandidat der Grünen Cloppenburgs bei der anstehenden niedersächsischen Landtagswahl am 20. Januar hat angekündigt, sein Mandat nicht anzutreten, sollte er gewählt werden.

Vorausgegangen war ein Gedicht Dunkels, in dem er Juden und Muslime als »Arschlöcher« beleidigt hatte und in dem es zur Beschneidungsdebatte hieß: »Wetzt das Messer, singt ein Lied, ab die Vorhaut von dem Glied.« Nun erklärt Dunkel in seinem Blog, es sei ihm »in der emotionalen Wucht der Diskussion nicht immer gelungen, die richtigen, maßvollen Worte zu finden«.

Im Landesvorstand der niedersächsischen Grünen heißt es, diese Erklärung Dunkels genüge nicht. Man erwarte eine deutlichere Distanzierung sowohl von ihm als auch vom Kreisverband Cloppenburg.

menschenverstand Noch in der Diskussion über sein Gedicht, in der er beispielsweise von Dieter Graumann, Präsident des Zentralrats der Juden, angegriffen worden war, hatte sich Dunkel zu Äußerungen auf seiner Facebook-Seite hinreißen lassen, es gebe »Kräfte hinter der Politik, die gegen den gesunden Menschenverstand arbeiten«. Und noch ein Kurzgedicht hatte er nachgeschoben: »Bist Du für ein intaktes Glied, so bist Du gleich Antisemit.«

Die niedersächsischen Grünen legen Wert darauf, schon am 12. Dezember, also deutlich, bevor die »Süddeutsche Zeitung« über Dunkels Reimkunst berichtete, von Dunkel und den Cloppenburger Parteifreunden Konsequenzen gefordert zu haben. In einer Erklärung heißt es. »Wir akzeptieren derartige Äußerungen in unseren Reihen nicht.« In Zusammenarbeit mit dem Bundesvorstand würden rechtliche Schritte geprüft.

Aus dem Cloppenburger Kreisverband wird jedoch eine »Welle der Solidarität« vermeldet, wie die »Hannoversche Allgemeine« schreibt. Etwa 90 Prozent der Mails, die den Verband erreichen, unterstützten Dunkel. In einer Erklärung, die der Kreisverband zum 31. Dezember veröffentlichte, heißt es, man bedauere es, dass der Landesverband »keine Möglichkeit gesehen hat, sich hinter unseren Kandidaten zu stellen«, die Vorwürfe gegen Dunkel grenzten »an Verleumdung, üble Nachrede und Rufmord«, und was der Landesvorstand mache, »finden wir beschämend«.

Einmischung Noch deutlicher fällt die Unterstützung in den Kommentaren auf Dunkels Blog aus. »Auf keinen Fall vor irgendwelchen verschissenen Arschlöchern einknicken!«, kommentiert jemand Dunkels Entschuldigung, und ein anderer glaubt zu wissen, dass Juden ohnehin israelische Staatsbürger seien, weswegen die Kritik von Dieter Graumann so etwas wie eine unerlaubte Einmischung in deutsche Angelegenheiten darstelle.

Seine Kandidatur zurückziehen kann Ulf Dunkel, der als selbstständiger Software-Entwickler arbeitet, nicht mehr. Das ist nach dem niedersächsischen Wahlgesetz nicht möglich, die Wahlzettel sind bereits gedruckt, und die Briefwahl läuft schon. Da Dunkel nur auf den als aussichtslos geltenden Platz 34 der Landesliste gesetzt ist und ein Direktmandat für die Grünen in Niedersachsen als aussichtslos gilt, erscheint vielen Kritikern Dunkels Ankündigung, das Mandat nicht anzunehmen, als nicht allzu wertvoll.

Meinung

Sicherheitsrat? Wichtiger ist doch, dass Deutschland Weltmeister wird!

Deutschland scheitert in New York mit seiner Bewerbung für den UN-Sicherheitsrat - und die versammelte Schwarmintelligenz weiß auch warum. Spoiler-Alert: Es hat etwas mit Annalena Baerbock zu tun. Oder mit Israel

von Michael Thaidigsmann  04.06.2026

Nahost

Unifil-Soldat stirbt nach Angriff im Südlibanon

Nach Angaben der UN erlag der Unifil-Angehörige in den frühen Morgenstunden seinen Verletzungen. Woher kam der Beschuss?

 04.06.2026

Judenhass

Antisemitische Vorfälle in Sachsen-Anhalt nehmen weiter zu

Die Meldestelle RIAS dokumentiert für 2025 rund ein Drittel mehr Vorkommnisse als im Vorjahr

 04.06.2026

Berlin

Verfassungsschutz warnt vor islamistischer Einflussnahme auf deutsche Institutionen

Laut BfV-Chef Sinan Selen geht es nicht um kurzfristige Aktionen, sondern langfristig angelegte Strategien, die auf eine Veränderung politischer Entscheidungsprozesse abzielen

 04.06.2026

Flensburg

Jüdin darf bei Antisemitismus-Prozess keine Davidsternkette tragen

Ausgerechnet bei einem Prozess wegen eines antisemitischen Aushangs kommt es zu einem antisemitischen Vorfall

 04.06.2026

POWER LIST – Germany’s Top 50

Hape Kerkeling bekommt Sonderpreis für Zivilcourage

Auch die Ärztin und Bestsellerautorin Yael Adler, Bildungsministerin Karin Prien (CDU) sowie JA-Chefredakteur Philipp Peyman Engel wurden ausgezeichnet

von Imanuel Marcus  04.06.2026

Berlin

Michael Roth geht mit Israel-Politik der SPD hart ins Gericht

Als sozialdemokratischer Abgeordneter hat er jahrelang die Außenpolitik seiner Partei im Bundestag mitbestimmt. Mit seinen Nachfolgern ist er mehr als unzufrieden

 04.06.2026

New York

Antisemitische Straftaten treiben Hasskriminalität nach oben

Moshe Spern von der Organisation United Jewish Teachers, macht Bürgermeister Zohran Mamdani mit verantwortlich: »Er trägt zu diesem Problem bei, und er weiß es.«

 04.06.2026

New York

Kein Sitz für Deutschland im UN-Sicherheitsrat

Deutschland scheitert mit der Bewerbung um einen Sitz im UN-Sicherheitsrat. Österreich und Portugal setzen sich stattdessen durch

 04.06.2026