Wahl

Europa rückt nach rechts

AfD-Chef Bernd Lucke erhielt mit seiner Partei sieben Sitze im Europaparlament. Foto: dpa

Was wir schon zuvor befürchtet hatten, ist eingetreten», kommentierte Dieter Graumann, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, die Europawahl. «Die rechtsextremen Parteien haben bei der Europawahl geradezu schockierend gut abgeschnitten.»

Bei der am Sonntag zu Ende gegangenen Wahl bildete beispielsweise in Frankreich der Front National die stärkste politische Kraft – vor Sozialisten und Konservativen. Graumann erinnerte auch an das Klima in Frankreich. «Angesichts des Überfalls auf zwei jüdische Männer vor zwei Tagen in Paris erfüllt uns das mit umso tieferer Sorge.»

Jobbik Graumann warnte auch vor der Zustimmung, die die antisemitische Jobbik-Partei in Ungarn erzielte, und erinnerte an Griechenland: «Ebenso müssen von nunmehr an drei Abgeordnete der eindeutig faschistischen griechischen ›Goldenen Morgenröte‹ vom europäischen Steuerzahler bezahlt werden.»

Aus ganz Europa versammelten sich nun Abgeordnete mit ihrem «europafeindlichen und extremistischen Kurs», so Graumann. «Jetzt sind die demokratischen Parteien gefordert, diesem Ungeist Einhalt zu gebieten und die europäischen Werte zu verteidigen und aufrechtzuerhalten.»

Entsetzt reagierte Graumann auf den Anschlag im Jüdischen Museum von Brüssel, als ein Mann vier Menschen ermordete. «So etwas darf niemals akzeptiert werden, und diese Botschaft sollte die allererste sein, die vom neuem Europäischen Parlament ausgeht.»

Erstmals in der Geschichte des Europaparlaments wird auch ein Abgeordneter der rechtsextremen NPD ein Mandat antreten. Graumann sieht sich durch dieses Ergebnis in der Forderung des Zentralrats bestärkt, dass die NPD verboten werden muss. Der Gedanke, dass ein NPD-Abgeordneter im Europäischen Parlament mit anderen Rechtsextremen gemeinsame Sache macht, ist Graumann unerträglich.

«Ich hoffe, es war die letzte Europawahl, bei der die NPD antreten konnte. Rassismus und Antisemitismus dürfen niemals einen Platz in unserem gemeinsamen europäischen Haus haben», so Graumann. «Dieses Wahlergebnis fordert uns alle auf, das nun noch deutlicher denn je zu machen.»

Rechtspopulisten
Bei den Europawahlen holte der rechtsextreme Front National in Frankreich fast 25 Prozent der Stimmen und wurde damit stärkste Partei. In Großbritannien erreichte die rechtspopulistische Partei UKIP sogar 29 Prozent der Stimmen. Auch sie wurde stärkste Kraft in ihrem Land. Ähnliches gilt für Dänemark, wo die Rechtspopulisten mit 26,6 Prozent einen Triumph feierten.

In Griechenland wurde die Neonazipartei «Goldene Morgenröte» mit 9,4 Prozent der Stimmen drittstärkste politische Kraft und erhält drei Abgeordnetenmandate im Europäischen Parlament. Und die deutsche NPD darf mit 1,0 Prozent der Stimmen einen Platz im Europaparlament für sich beanspruchen. Auch die rechtslastige Tierschutzpartei konnte ein Mandat erringen.

Die rechtskonservative «Alternative für Deutschland» (AfD), die vor der Wahl mehrere Skandale mit antisemitischen Äußerungen führender Funktionäre produziert hatte, erreichte mit 7,0 Prozent sieben Sitze im Europaparlament.

Ilse Aigner lacht und applaudiert in einer Menschenmenge

Bundespräsidentenwahl

Aigner wird zur Kandidatinnen-Kür in Berlin erwartet

Nach ihrer offiziellen Vorstellung in Berlin reist Ilse Aigner am Montag mit Merz und Söder nach München – zum Festakt für 20 Jahre Hauptsynagoge Ohel Jakob

 08.11.2026

Berlin

Mann ersetzt Deutschlandflagge vor dem Reichstag durch Palästina-Flagge

Ein 22-Jähriger kletterte den fast 30 Meter hohen Mast auf dem Platz der Republik hinauf. Der Staatsschutz ermittelt

 08.11.2026

Ideologie

Wer darf jüdische Geschichte deuten?

Wie das progressive Milieu jüdische Identität neu definiert und Juden zu Privilegierten und Unterdrückern erklärt

von Gunda Trepp  08.11.2026

Kirsten Fehrs

Regierungsbildung in Berlin

EKD-Ratsvorsitzende fordert klare Abgrenzung von Antisemiten

Der Umgang der Linken mit ihrer Abgeordneten Vanessa Emde sorgt seit Wochen für Diskussionen. Welche Maßstäbe legt die EKD bei Antisemitismus an Parteien an?

 08.11.2026

Antisemitismus

»WerteInitiative« startet Kampagne gegen Judenhass

Antisemitismus als Chamäleon: Der Verein WerteInitiative will mit einer neuen Medienkampagne auf blinde Flecken beim Kampf gegen Judenhass aufmerksam machen

 08.11.2026

Josef Schuster

EKD-Synode

Zentralratspräsident: 9. November mahnt zu Widerspruch

Antisemitische Witze, rassistische Sprüche – auch im Bekanntenkreis sollte das aus Sicht von Zentralratspräsident Schuster nicht unwidersprochen bleiben. Der Würzburger Bischof Jung sieht Kirchen in der Verantwortung

 08.11.2026

München

20 Jahre jüdisches Leben im Herzen Münchens: Synagoge Ohel Jakob

Das Judentum ist seit 20 Jahren wieder mitten in der bayerischen Hauptstadt verankert

von Christiane Ried  08.11.2026

Bankenviertel in Riad

Konflikt mit Saudi-Arabien

Huthi greifen Wolkenkratzer im Zentrum von Riad an

Die fast täglichen Angriffe der Huthi hinterlassen große Kratzer am Image Saudi-Arabiens als sicherer Ort für Geschäfte und Tourismus. Jetzt wird der Geschäftsbezirk von Riad getroffen

 08.11.2026

Vanessa Emde

Regierungsbildung in Berlin

Linke Emde weist Rückzugsforderung des Vorstands zurück

Die Berliner Linke-Abgeordnete Vanessa Emde soll ihr Mandat im Berliner Abgeordnetenhaus zurückgeben, so fordert es der Landesvorstand. Jetzt äußert sich Emde dazu – mit einer klaren Antwort

 08.11.2026